• Home
  • Nachrichten
  • Mode
  • Denim-Experte Piero Turk: „Niemand braucht so viele Jeansstoff-Arten“

Denim-Experte Piero Turk: „Niemand braucht so viele Jeansstoff-Arten“

In seinen 40 Jahren als Denim-Experte hat Piero Turk fast alles gesehen, was die Branche produzieren kann. Für die Denim-Messe Kingpins sucht er jährlich nach den besten Jeansstoffen.
Mode
One Denim kehrt jährlich auf der Kingpins zurück Credits: Team Peter Stigter for Kingpins Show
Von Anna Roos van Wijngaarden

Wird geladen...

Automated translation

Original lesen nl
Scroll down to read more

Auf der Amsterdamer Denim-Messe Kingpins kann man jede Saison, wie auch diese Woche in der Nähe von amsterdam wieder, Tausende neuer Denim-Qualitäten studieren. Sie sind in endlosen Reihen von Jeans und Stoffmustern ausgestellt. Die Hersteller:innen zaubern mit Leichtigkeit 50 neue Entwicklungen aus dem Hut.

„Was für ein Unsinn eigentlich“, sagt der Italiener Piero Turk im Gespräch mit FashionUnited. Er spricht von seinem Wohn- und Arbeitsort in Italien aus; dieses Mal ist er nicht zur Messe gekommen. „Niemand braucht all diese Variationen, weil sie nicht wirklich neu oder für den durchschnittlichen Konsument:innen viel zu verrückt sind. Es ist eine totale Verschwendung von Rohstoffen.“

Turk weiß, wovon er spricht. Er arbeitete als Denim-Designer für fast jede große Denim-Marke und das schon seit den Achtzigerjahren. Inzwischen ist er ein fester Bestandteil der Kingpins. Für die Denim-Messe leitet er das Projekt ‘One Denim’. Es ist eine Suche nach dem perfekten Stoff, die die Denim-Messe selbst eigentlich überflüssig erscheinen lässt.

Eine Sorte Denim

Das Projekt wurde während der Corona-Pandemie konzipiert und auf der Messe 2022 vorgestellt. Seitdem wird bei jeder Oktober-Ausgabe eine ‘One Denim’-Kollektion präsentiert. Das Konzept ist einfach: Turk wird einem Herstellenden zugewiesen und er darf aufgrund seiner Expertise eine Stoffqualität auswählen. „Ich suche immer nach einem Stoff, der flexibel ist“, erklärt er. „Er muss für ein weites Bein ebenso wie für ein gerades Bein funktionieren, für Jeans, aber auch für eine modische Jacke oder einen Rock.“ Anschließend ist es an den Hersteller:innen, daraus schöne Variationen zu entwickeln, die die Vielseitigkeit des Denims zeigen.

Für die erste Ausgabe fertigte der chinesische Hersteller Prosperity Textile zehn verschiedene Taschenvarianten aus demselben Denim an. Jede wurde mit einer anderen Waschung bearbeitet. „Im Laufe der Zeit haben wir die Stilvielfalt immer weiter ausgebaut“, so Turk weiter. „Wir wollen zeigen, dass man nicht jede Saison neue Denims braucht. Mit einer guten Qualität kommt man weiter, als man denkt. Das ist das Konzept von ‘One Denim’.“

Die letzte Zusammenarbeit, die im vergangenen Oktober vorgestellt wurde, war mit dem türkischen Denim-Lieferanten Kipas. Die Inspiration für die Kollektion kam von US-amerikanischen Sportarten wie Eishockey und American Football. Turk wählte einen Stoff aus reiner Baumwolle, der sich durch eine spezielle Behandlung weicher anfühlt. Daraus fertigte der Hersteller Pullover und T-Shirts in verschiedenen Blautönen.

Kipas führte all diese Bearbeitungen selbst in seiner Fabrik durch, wo sowohl Stoffe als auch Waschungen produziert werden. Die Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Cone Denim 2024 erforderte hingegen einen Umweg: Die Waschungen wurden bei Tonello in Italien durchgeführt. Turk sagt: „Jedes Mal ist der Prozess anders, abhängig davon, was die Fabrik intern leisten kann.“ In diesem Sinne ist ‘One Denim’ auch eine Untersuchung, wo die Expertise in der weitverzweigten Denim-Lieferkette noch liegt.

Beitrag der Denim-Fabrik Kipas für One Denim auf der Kingpins. Credits: Team Peter Stigter for Kingpins Show

Hühnerfedern

In seiner Laufbahn hat Turk Denim gesehen, das er ohne Zögern als absurd beschreibt. Dazu gehören Stoffe mit Hühnerfedern im Schussfaden oder mit so vielen Löchern, dass es mehr Faden als Stoff war. Er sah auch Stoffe aus Ananas-, Bananen- und Bambusfasern. Diese wurden als nachhaltig beworben, obwohl das bei weitem nicht bewiesen ist. „Wenn man diese Ananasfaser aus Mittelamerika in die Türkei importiert, wie soll das gut für das Klima sein? Eine türkische Fabrik, die türkische Baumwolle verwendet, scheint mir nachhaltiger.“

Viele der Nachhaltigkeitsversprechen, die in der Branche kursieren, hält er für unglaubwürdig. So sah er einen Hersteller, der schwarzen Denim als ‘wasserlos gefärbt’ anpries. „Das ist Blödsinn. Selbst wenn man Schaum anstelle eines Wassertanks mit Farbstoffen verwendet, braucht man Wasser, um diesen Schaum herzustellen.“ Andere Parteien behaupten, man könne eine Hose mit nur einem Glas Wasser waschen. „Man kann Denim zwar mit einem feinen Nebel besprühen, anstatt ihn vollständig einzutauchen, aber dafür braucht man Ozon. Und das muss man wiederum mit Wasser neutralisieren. Es stimmt einfach nicht.“

Verschwendung

Selbst wenn es stimmen würde, würden Hersteller:innen, die sich auf solche Nachhaltigkeitsversprechen versteifen, am Ziel vorbeischießen, meint Turk. „Wenn das Endergebnis untragbar ist, was hat man dann davon?“

Die Verschwendung in der Branche liegt nicht nur in der Menge an Wasser und Chemikalien, die für das Endprodukt benötigt werden. Sie liegt auch in der Forschungsphase, um jede Saison all diese neuen Varianten herstellen zu können. „Um einen neuen Denim zu entwickeln, muss man viel Geld, Energie und Zeit investieren. Manchmal schlägt der erste Test fehl, dann muss man es noch einmal versuchen und dann noch einmal. Dabei werden meterweise Stoffe verschwendet – für etwas, worauf vielleicht niemand wartet.“

Mit einem Stoff lassen sich allerlei Variationen herstellen. Credits: Milliron Studios for Kingpins Show

12,5 Unzen

Was ist also die perfekte Jeans? Turk muss nicht lange überlegen. „Die einfachste: 12,5-Unzen-Denim mit einem sichtbaren Twill, also einem diagonalen Muster in der Webung, hergestellt aus lokal verarbeiteter Baumwolle.“ Hanf in der Zusammensetzung schätzt er, sofern er lokal angebaut wird. Die Pflanze hat nämlich eine fördernde Funktion für das Bodenleben und der Stoff ist stärker als Baumwolle. „Aber auch das Spinnen und Weben von Hanffasern erfordert viel Wasser, Chemikalien und Energie“, fügt Turk hinzu. „Es ist also nicht unbedingt besser.“

Seine größte Umweltsorge für die kommenden Jahre ist Stretch. Obwohl auch natürliche Materialien mit Dehnbarkeit auf den Markt kommen, sieht er vor allem Stretch-Denim mit synthetischen Fasern, die immer noch aus Öl hergestellt werden. „Mein Traum ist plastikfreier Denim.“

Die Technologie, um reine Baumwolle elastischer zu machen, ist dank innovativer Spinnverfahren bereits weit fortgeschritten. Die Modeindustrie konzentriert sich jedoch nicht ausreichend darauf, obwohl die auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtete europäische Gesetzgebung sie in diese Richtung drängt. Ein Stoff aus nur einer Faserart ist schließlich viel einfacher zu recyceln als eine Mischung. „Man kann mit diesen Innovationen keinen Super-Stretch erreichen, aber man bekommt etwas Bequemes, das jahrelang gut bleibt.“

Die besonderen Waschungen, mit denen die Kingpins seit Saisons vollgehängt ist, sind laut Turk ebenfalls nicht notwendig. „Geben Sie mir lieber ungewaschenen Denim. Man kann dann immer noch hervorragend mit der Garnstärke, der Schussdichte und der Farbintensität variieren. Das ist mehr als genug.“

Letztendlich geht es um den tragbarsten Look, so Turk. Damit kann man als Marke nichts falsch machen. „Man muss nicht jede Saison neue Stoffe einführen. Und wenn eine solide Qualität nicht ankommt, verwendet man sie einfach in der nächsten Kollektion wieder. Dann produziert man keinen Abfall, kann leichter nachbestellen und verschwendet keine wertvolle Produktionskapazität.“

MSP

Neben ‘One Denim’ arbeitet Turk bei Kingpins auch an einem ähnlichen Projekt, dem ‘Most Sustainable Product’ (MSP). Dabei wählt er jedes Jahr aus den Kollektionen ausgewählter Hersteller:innen eine Qualität aus und entwirft damit in Absprache eine Denim-Linie. Für die kommende Kingpins-Ausgabe sind die Looks von ikonischen Künstler:innen inspiriert: Matisse, Salvador Dalí, Andy Warhol, Frida Kahlo. Er äußert sich stolz über die Botschaft dahinter: „Nachhaltigkeit bedeutet nicht, dass man eingeschränkt ist. Man kann umweltfreundlich arbeiten und alles herstellen, was man will.“

Dieser Artikel wurde mithilfe von digitalen Tools übersetzt.

FashionUnited nutzt Künstliche Intelligenz, um die Übersetzung von Artikeln zu beschleunigen und das Endergebnis zu verbessern. Sie helfen uns, die internationale Berichterstattung von FashionUnited einer deutschsprachigen Leserschaft schnell und umfassend zugänglich zu machen. Artikel, die mithilfe von KI-basierten Tools übersetzt wurden, werden von unseren Redakteur:innen Korrektur gelesen und sorgfältig bearbeitet, bevor sie veröffentlicht werden. Bei Fragen oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte per E-Mail an info@fashionunited.com

Denim
Kingpins