Wie sich Branchenexperten die Zukunft von Denim vorstellen

Amsterdam - Die Kingpins-Messe, die vom 10. bis 11. April in Amsterdam stattfindet, bringt erneut Branchenexperten zusammen und präsentiert die neuesten Trends und Innovationen, die die Welt des Denims erobern werden. Als modischer Allrounder setzt sich Denim weiterhin über Geschlecht, Alter und Klasse hinweg und bleibt eines der vielseitigsten, robustesten und begehrtesten Stoffe der Modebranche. Wie die gesamte Modebranche, entwickelt sich auch die Denimindustrie weiter. Bei der diesjährigen Amsterdamer Ausgabe der Messe Kingpins nutzte FashionUnited die Gelegenheit, um Denim-Profis zu fragen, wie ihrer Meinung nach die Branche in zehn Jahren aussehen könnte. Hier kommen ihre Antworten:

Nachhaltigkeit liegt der Lieferkette zugrunde

"Nachhaltigkeit wird kein Trend mehr sein – sie wird in die Lieferkette eingebettet sein", sagte Tricia Carey, Director of Global Business Development für Denim bei Lenzing. "Wir werden weiterhin einen Anstieg an Konsumenten sehen, die ein tieferes Verständnis für den Wert einer Ware haben, und die Industrie wird mit ihnen Schritt halten müssen." Da die Verbraucher immer mehr über die Themen Nachhaltigkeit und Transparenz in der Modebranche informiert werden, sind Unternehmen mehr denn je gezwungen, immer höhere Standards zu erfüllen. Doch Nachhaltigkeit geht laut Carey über die reine Produktionsphase eines Kleidungsstücks hinaus, die derzeit durch die Reduzierung des Energie-, Wasser- und Chemikalienverbrauchs verbessert wird, der gesamte Lebenszyklus eines Kleidungsstücks muss berücksichtigt werden. "Nachhaltige Produktion ist wichtig, aber wir müssen uns um das Kleidungsstück bis zum Ende seines Lebens kümmern." Laut Carey werden wir in den nächsten zehn Jahren wahrscheinlich eine enorme Zunahme des Fokus auf die Langlebigkeit von Kleidungsstücken erleben, wobei die Kunden bereit sind, mehr Geld für qualitativ hochwertigere Produkte zu zahlen.

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Kreislaufwirtschaft: Reparieren, Recyceln, Wiederverwenden und Reduzieren

Rebecca Larsen, Product Development Manager bei House of Gold, der Agentur, die die Jeanshersteller Blue Diamond, In the Loop und Jeanious Laundry vertritt, sagte, dass mehr Wert auf die Schaffung einer kreislaufförmigen Denimindustrie gelegt wird. "Nachhaltigkeit ist wichtig, aber nicht genug. Was wirklich geschehen muss, ist, dass wir den Kreis schließen müssen. Anstatt ständig mehr und mehr zu produzieren, müssen wir lernen, das, was wir bereits haben, wiederzuverwenden." Der Trend der 4 Rs - Reparatur, Recycling, Wiederverwendung (Re-Use) und Reduzierung - wird laut Larsen in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich weiter steigen. Bei Blue Diamond zum Beispiel werden, wie bei vielen Denimfabriken, Kollektionen mit wiederverwendeten Resten aus dem Produktionsprozess durchgeführt. Blue Diamond nutzt die Refibra-Technologie - ein Verfahren, bei dem Baumwollreste aus der Textilherstellung zu neuen Kleidungsstücken verarbeitet werden. Die zunehmende Popularität solcher Methoden könnte eine Industrie erschaffen, die, anstatt ständig neue Kleidungsstücke zu kreieren und wegzuwerfen, von einem ständigen Prozess der Produktion, Verwendung, Demontage und Recycling von Denim lebt.

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Vertikalere Lieferketten

"Nachhaltigkeit ist der einzige Trend, der zählt", sagte Richard Tobin, Vice President of Sales and Marketing beim Textilunternehmen Kaltex. "Für die jüngere Generation ist es besonders wichtig. Wenn wir ihnen eine sauberere Welt hinterlassen wollen, müssen wir es jetzt tun, also sind die nächsten 10 Jahre besonders wichtig." Das mexikanische Full-Service-Unternehmen verwendet ausschließlich amerikanische Baumwolle und unterstützt die Better Cotton Initiative (BCI). Das vertikal integrierte Unternehmen verwendet Tencel-Fasern seit dem Jahr 2000 und betreibt seit 1996 eine Wasseraufbereitungsanlage, in der das gesamte Abwasser gereinigt, getestet und überwacht wird. Laut Tobin wird die vertikale Integration von Unternehmen in der Denimindustrie auch in den nächsten zehn Jahren an Bedeutung gewinnen. Ein Trend, der in der Popularität zu wachsen scheint. Vertikale Integration ermöglicht es Marken, ein höheres Maß an Kontrolle über Faktoren wie Abfall-, Wasser-, Chemie- und Recycling-Management zu erlangen.

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Aus physisch wird digital

In den nächsten zehn Jahren könnten digitale Technologien auch eine viel größere Rolle im Denim-Design-Prozess spielen. Laut Gail van der Hoeven, kreativer Markenstratege bei Soorty, könnte die Prototypenphase möglicherweise vollständig entfallen. Soorty kooperierte mit dem in Amsterdam ansässigen digitalen Modehaus The Fabricant, das visuelle Filmeffekte wie Motion Capture, 3D-Animationssoftware und Bodyscanning einsetzt, um hyperrealistische 3D-Animationen von Kleidungsstücken zu erstellen, ohne dass physische Prototypen angefertigt werden müssen - was Zeit spart, unnötigen Abfall vermeidet und die Notwendigkeit des Transports von Mustern beseitigt.

Während digitale Muster die Produktion von physischen Mustern möglicherweise nicht vollständig ersetzen, hat die Digitalisierung des Prozesses den Vorteil, dass sie Marken helfen könnte, den Geschmack der Verbraucher in einem früheren Stadium des Produktionsprozesses zu verstehen. "Was die Branche betrifft, so geschieht dies bereits", sagte van der Hoeven. "Die Verbraucher könnten jedoch eine Weile brauchen, um sich an das Konzept zu gewöhnen." Soorty präsentierte seine erste Zusammenarbeit mit The Fabricant, genannt C2C Gold, bei der Oktober 2018-Ausgabe von Kingpins, während The Fabricant sich im selben Jahr auch mit der schwedischen Marke Carlings für eine digitale Bekleidungskollektion zusammenschloss, die innerhalb einer Woche ausverkauft war.

Foto: FashionUnited

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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