Tropische Prints und Optimismus dominieren die Preview Kids SS27
Auf der halbjährlichen Kindermodemesse Preview Kids spiegeln sich sowohl der Druck auf die Kindermodeindustrie als auch der Optimismus der Branche wider. In den Kollektionen finden sich auffallend viele tropische Anspielungen, von Palmen bis hin zu Muscheln. Der Animal-Print scheint so zeitlos geworden zu sein wie der Streifen. Auch der Polka-Dot-Trend ist nicht auf die SS26 beschränkt.
Auf der sechsten Ausgabe der Preview Kids werden die Besucher:innen von Moodboards mit der Trendprognose für SS27 der Trendforscherin Christine Boland begrüßt. „Sie ist sozusagen unsere eigene Lidewij Edelkoort“, sagt Modeveteran Hans van Breukelen. Für den nächsten Sommer erwartet sie Einflüsse aus der Natur in Farbe, Textur und Form. Neben Pastelltönen sagt sie auch eine wichtige Rolle für Primärfarben voraus. Vintage bleibt eine Inspirationsquelle. In ihrer Trendprognose werden sowohl der Strauß als auch der Paradiesvogel erwähnt. „Es ist schön zu sehen, dass sich ihre Vorhersagen hier auf der Messe widerspiegeln.“
Die Moodboards geben den Ton an für die SS27-Messen für Damen-, Herren- und Kindermode, die auf der Modehandelsplattform Cast im niederländischen Nieuwegein stattfinden. Für diese Ausgabe der Preview Kids haben sich weniger Marken und Besucher:innen registriert als für frühere Ausgaben. Auf der Messefläche gibt es etwa einhundert Stände. „Die Modeindustrie spürt die globalen Ereignisse sehr stark, und im Moment ist viel los. Das merken wir auch. Außerdem bleibt Kinderkleidung ein schwieriges Segment. Das sind oft die Kollektionen, bei denen zuerst gespart wird“, erklärt Van Breukelen. Zudem wird auch viel Secondhand-Kinderkleidung gekauft, sagt Claudia Klop-Pérez vom Veranstalter Cast.
Preview Kids diesen Sommer etwas kleiner
Das bedeutet jedoch nicht, dass es schlecht läuft, sagt Klop-Pérez. „Die Atmosphäre ist sehr positiv. Die Marken sind optimistisch und die Besucher:innen zufrieden. Einhundert Stände sind für eine Kindermodemesse immer noch viel.“ Preview möchte die Messe für jede Marke zugänglich halten. Deshalb zahlen die Teilnehmenden keine hohen Gebühren für einen Stand, sondern nur für die genutzten Kleiderstangen und Blöcke. Auch Essen und Getränke sind kostenlos. „Wir sind ein Verein, daher wird kein Gewinn erzielt. Alles wird in die nächste Messe investiert. Wir tun dies wirklich, um der Industrie zu dienen und die Branche zusammenzubringen.“
Bei Preview dreht sich alles um die Kleidungsstücke, sagt Klop-Pérez. Ausführliche Markenpräsentationen wie auf der halbjährlichen Modefabriek gibt es hier nicht. Die Organisation wählt bewusst einen No-Nonsense-Ansatz. „Wir wollen für alle die gleichen Bedingungen schaffen, deshalb dürfen Marken keine kompletten Stände aufbauen. Manchmal wird gefragt, ob sie nicht doch einen Teppich oder Ähnliches mitbringen können. Wir beschränken uns aber bewusst auf die Grundlage: die Produkte.“
Kindermodetrends auf der Preview: Animal-Print etabliert, Polka-Dots bleiben
Diese erhalten am Montag die volle Aufmerksamkeit. Für den Sommer 2027 zeichnet sich fast eine Zweiteilung ab. Einerseits gibt es sehr farbenfrohe Kollektionen, in denen teilweise fast Neon-Pink dominiert. Andererseits herrschen Beige-Töne und Pastellfarben vor. Animal-Print scheint mittlerweile fast so etabliert wie Streifen, während Polka-Dots erneut stark vertreten sind. Das war auch Klop-Pérez aufgefallen: „Jeder trägt jetzt Punkte, das war also anscheinend kein kurzlebiger Trend. Für 2027 sieht man sie auch noch überall.“
Die Kollektionen reichen von Babykleidung bis hin zu Mode für Teenager:innen. „Kinderkleidung hinkt oft etwas hinter der Erwachsenenmode her“, erklärt man bei der M Agency. „Man sieht zum Beispiel, dass sich die Barrel-Hose 2027 auch bei Kindern durchsetzt. Erwachsene tragen dieses Modell jetzt alle.“ Bei den Marken der M Agency, darunter Someone und Mini Rebels, fällt auf, dass kräftige Farben mit Basics in sanften Tönen kombiniert werden. „Aber letztendlich wollen Kinder natürlich einfach das hier (siehe Foto unten)“, sagt die Vertreterin und hält zwei rosa Tutus hoch. „So sehr man es als Elternteil auch mag, schöne weiße Blusen zu kaufen, Kinder selbst entscheiden sich doch oft für das knallpinke Prinzessinnenkleid.“
Bei der M Agency ist aufgefallen, dass Einzelhändler:innen dieses Jahr häufiger ihre Mitarbeitenden mitgebracht haben. „Das ist auch sehr klug, denn sie sehen, worauf Kund:innen ihre Entscheidungen im Geschäft stützen. Sie haben oft einen etwas anderen Blick darauf, was eine gute Wahl für den Einkauf wäre.“
Preview Kids: Rückenprints bleiben beliebt
Wie schon bei der SS26 sind auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Rückenprints zu sehen. Während im letzten Sommer häufig auf Italien und die Amalfiküste verwiesen wurde, finden sich für SS27 bei fast jeder Marke Anspielungen auf das Inselleben. Palmen, tropische Blumen, Muscheln, Kokosnüsse und sogar ganze Inseln erscheinen als Druck. Das sind Elemente, die auch in der Trendprognose von Christine Boland vorkommen. Die SS27 wirkt dadurch auffallend tropisch.
Fleur Willems von Wintermans Agenturen erzählt, dass Scotch & Soda, eine der Marken in ihrem Portfolio, sich für die neue Kollektion von Ibiza inspirieren ließ. Auch Willems erkennt die Zweiteilung zwischen farbenfroh und beige wieder. „Es gibt wirklich zwei Typen von Müttern, wenn es darum geht, was sie ihren Kindern anziehen. Die einen wollen alles beige und ruhig, die anderen wählen bewusst Farbe.“ Willems stellt fest, dass es etwas ruhiger ist als im Vorjahr. Von Kund:innen hört sie jedoch, dass diese den Eindruck haben, es gehe langsam wieder aufwärts.
Joost Hoppenbrouwers von Hop Agenturen findet es schade, dass dieses Jahr weniger Marken auf der Messe vertreten sind. „Das funktioniert nämlich in beide Richtungen. Dieses Jahr hat man vielleicht genug Einkäufer:innen, aber nächstes Jahr könnte man die Messe plötzlich wieder brauchen. Deshalb ist es wichtig, die Messe durch die Teilnahme weiterhin zu unterstützen, denn nur so kann sie bestehen bleiben.“
Seine Marken, darunter Ballin und Malelions, sind deutlich zurückhaltender als viele andere Kollektionen im ersten Stock der Messe. „Bei uns basiert die Kinderkleidung auf der Erwachsenenlinie, nur eben kleiner. Besonders bei Teenager:innen sieht man eine ziemlich erwachsene Kollektion, denn die wissen sehr genau, was sie wollen.“ Dasselbe zeigt sich bei Levi's Kids. Hier gibt es keine extravaganten Farben, sondern Jeans, die genauso gut in der Erwachsenenkollektion hätten sein können.
Obwohl die Preview Kids dieses Jahr kleiner ist als in den Vorjahren, herrscht auf der Messefläche ein vorsichtiger Optimismus. Marken und Agent:innen erkennen die Herausforderungen des Marktes an. Diese reichen von wirtschaftlicher Unsicherheit bis zum Wachstum von Secondhand-Kinderkleidung. Gleichzeitig sehen sie aber auch Interesse und eine positive Grundstimmung. In den Kollektionen spiegelt sich das in einer Balance zwischen Überschwang und Zurückhaltung wider. Tropische Prints, leuchtende Farben und verspielte Details stehen neben ruhigen Tönen und erwachsenen Silhouetten. Damit zeigt die Preview Kids, dass die Kindermodebranche zwar unter Druck stehen mag, aber dennoch voller Dynamik ist.
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