Preview Women Frühjahr/Sommer 2027: Von Bordeauxrot bis Safari-Tailoring

Das sind die Trends, auf die Einkäufer:innen besonders positiv reagieren.
Messen|Bericht
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Von Wietse van der Veen

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Fast 200 Damenmodemarken versammelten sich am Montagmorgen auf der Preview Women, der Messe des Veranstalters Cast in Nieuwegein, um ihre Kollektionen für die Saison Frühjahr/Sommer 2027 vorzustellen. FashionUnited wurde bei der Ankunft herzlich von der Organisation empfangen und erhielt eine kurze Führung über die Messefläche. Diese erwies sich im Nachhinein als kaum notwendig. Ein übersichtlicher Lageplan und eine weiße Linie auf dem Boden führen die Besucher:innen an allen teilnehmenden Marken vorbei. Die Aussteller:innen zeigten begeistert die Artikel, nach denen die Einkäufer:innen am häufigsten griffen. Die Gespräche drehten sich vor allem um Farben, Silhouetten und Materialien, die in der kommenden Saison die Verkaufsflächen bestimmen sollen.

Noch bevor die ersten Stände in Sicht kommen, fällt ein anderes Thema auf. Auf dem Messeplan sind mehrere Marken mit einem grünen Blatt gekennzeichnet. Damit wird verdeutlicht, dass sie sich als nachhaltig angemeldet haben. Cast betont, dass diese Kennzeichnung derzeit von den Marken selbst angegeben und noch nicht überprüft werde. Laut Claudia Klop-Pérez will die Organisation diese Qualifizierung in Zukunft kritischer betrachten. Gleichzeitig hält es Cast für wichtig, Nachhaltigkeit und die Marken, die sich damit befassen, schon jetzt auf der Messe sichtbar zu machen. So bleibt auch auf der Messe die Frage aktuell: Wann ist eine Modemarke wirklich nachhaltig?

Auf der Messe berichten die Marken, welche Artikel bisher die positivsten Reaktionen von Einkäufer:innen hervorrufen. Schnell zeichnen sich einige klare Linien für Frühjahr/Sommer 2027 ab.

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Bordeauxrot erobert den Sommer

Obwohl Bordeauxrot traditionell mit Herbst- und Winterkollektionen in Verbindung gebracht wird, scheint die Farbe im Frühjahr 2027 endgültig den Sprung in die wärmeren Monate zu schaffen. Bei mehreren Marken taucht der tiefe Rotton in Kleidern, Blusen und Prints auf.

Auch die dänische Marke Gestuz entscheidet sich bewusst dafür, Bordeauxrot in die Frühjahrskollektion aufzunehmen. Die Farbe findet sich in Baumwoll-T-Shirts, Spitzen-Slipdresses und bodenlangen Trenchcoats wieder. Eine dunkelrote Bluse mit Polka-Dots erweist sich bei der belgischen Marke Nathalie Vleeschouwer als einer der Publikumslieblinge auf der Messe. Laut Suzan Harlange, Chief Commercial Officer (CCO) der flämischen Modemarke, reagieren die Einkäufer:innen begeistert auf das Design. Der endgültige Verkaufspreis steht noch nicht fest, wird aber voraussichtlich bei rund 160 Euro liegen.

Nathalie Vleeschouwer Bild: FashionUnited/Wietse van der Veen

Leuchtendes Rot eine zweite wichtige Farbe. Bei der Amsterdamer Modemarke OU. spielt der Farbton eine Hauptrolle im Februar-Drop, der ganz im Zeichen von Officewear steht. Mitbegründerin Rosanne Jansen erklärt, dass die Marke die Kollektionen auf die Jahreszeit abstimmt. „Im Februar beschäftigen sich die Leute wieder mit sich selbst. Gute Vorsätze sind noch aktuell, und der Fokus liegt auf der Arbeit und der besten Version von sich selbst.“ Der kräftige Rotton passt laut ihr zu diesem Gefühl von Selbstvertrauen und einem Neuanfang.

Tailoring wird neu interpretiert

Officewear bleibt ein wichtiges Thema, wird aber lockerer und weicher interpretiert. Bei Bruuns Bazaar gibt es glänzende Blusen mit Krawattendetails neben Spitzenakzenten und dezentem Schimmer. Das zeigt Account Manager Ella Walburgh Schmidt von der Agentur Walhallabrands begeistert bei einem Rundgang über den Stand.

Bruuns Bazaar Bild: FashionUnited/Wietse van der Veen

Auch das Peplum kehrt zurück, allerdings wird die Silhouette aus festen Materialien gefertigt. Gestuz kombiniert die Form mit doppelten Reißverschlüssen. Dadurch könne die Kleidung in den Sommermonaten luftiger getragen werden, erklärt Suzan Nijhuis, Account Manager bei der Agentur Walhallabrands, gegenüber FashionUnited.

Gestuz Bild: FashionUnited/Wietse van der Veen

Scotch & Soda kehrt auf die Messefläche zurück

Ein bemerkenswerter Aussteller ist Scotch & Soda. Die Amsterdamer Modemarke präsentiert sich nach mehreren Jahren wieder auf einer Modemesse und hat sich dafür die Preview ausgesucht.

„Schön, dass Scotch & Soda wieder auf der Messe ist“, hört man mehrmals in den Gängen. Während eines Gesprächs mit Roel Vermeulen, dem kaufmännischen Leiter bei Scotch & Soda, über die SS27-Kollektion geht eine ehemalige Einkäuferin am Stand vorbei. „Roel, ich muss mich erst einmal daran gewöhnen, dich wieder hier zu sehen“, sagt sie mit einem breiten Lächeln.

Die SS27-Kollektion ist von Ibiza inspiriert und enthält Drucke, die in Zusammenarbeit mit dem Künstler Vicente Ganesha entwickelt wurden, der sich von Retro-Clubflyern inspirieren ließ. Vermeulen betont, dass Scotch & Soda seiner eigenen Handschrift treu bleibt. „Was Trends angeht, sind wir ziemlich eigensinnig, aber natürlich achten wir auch auf Farbpaletten und schöne Materialien“, sagte er.

Safari-Einflüsse kommen gut an

Cargohosen bleiben ein fester Bestandteil und auch Safari-Einflüsse gewinnen an Boden. Bei der dänischen Modemarke Minus sind Bermudas weit über das Knie geschnitten, oft aus Baumwollstoffen und kombiniert mit Utility-Taschen. Laut Agentin Floor Gruts von der Tof Agency reagieren Einkäufer:innen besonders positiv auf die Safari-inspirierten Anzüge. Jacken aus der Kollektion von Minus haben einen empfohlenen Verkaufspreis von etwa 129 Euro, während Blusen zwischen 89 und 100 Euro liegen.

Minus Bild: FashionUnited/Wietse van der Veen

Auch die Barrel-Silhouette bleibt laut mehreren Marken für SS27 relevant. Zudem werden Shorts länger. Bei Gestuz erhalten Jorts eine verlängerte Silhouette, wodurch einige Modelle fast wie eine Culotte wirken.

Gestuz Bild: FashionUnited/Wietse van der Veen

Marken setzen auf Materiakontraste

Nicht nur die Farben ändern sich, auch die Materialien bekommen eine neue Rolle. Mehrere Marken kombinieren luftige Sommerstoffe mit traditionell winterlichen Materialien.

Das relativ neue französische Label Jiji, das vom selben Inhaber wie FRNCH gegründet wurde, spielt für SS27 mit Kontrasten. Die Marke kombiniert leichte Baumwolle mit einer Wollmischung, und auch Karo- und Streifenmuster sind in der Kollektion stark vertreten. Das erklärt Account Manager Alyssa van Rijn von der Vertriebs- und Kommunikationsagentur New Market.

Jiji Studio Bild: FashionUnited/Wietse van der Veen

Absolut Cashmere wiederum zeigt, dass auch innerhalb einer spezialisierten Kaschmir-Marke viel Raum für Innovationen ist. Das Pariser Label produziert sein Kaschmir in der Mongolei und arbeitet dafür mit lokalen Ziegenfarmen zusammen. Obwohl die Marke auf dem Messeplan nicht als nachhaltig gekennzeichnet ist, betonen die Vertreter:innen von New Market, dass Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle in der Produktionskette spielt. Für SS27 experimentiert Absolut Cashmere mit saisonalen Mischungen aus Leinen und Kaschmir. Hinzu kommen gebürsteter Kaschmir mit einer gröberen Faserstruktur und eine auffällige Menge an Paisleymustern. Die empfohlenen Verkaufspreise für einen Cardigan liegen bei rund 350 Euro, so van Rijn.

Absolut Cashmere Bild: FashionUnited/Wietse van der Veen

Paisley ist übrigens nicht nur bei einer Marke zu finden. Auch bei The New Society ist das Muster in der SS27-Kollektion häufig vertreten, erzählt Willemijn Meyering, Account Manager bei der Agentur Wonderground Fashion Labels.

Niederländische Einkäufer:innen wählen anders als belgische

Auf der Messe werden auch Unterschiede zwischen den Märkten deutlich. Belgische Einkäufer:innen seien weniger zurückhaltend, wenn es um auffällige Farben und Drucke geht, erzählt Harlange von Nathalie Vleeschouwer. Niederländische Einzelhändler:innen achten ihrer Meinung nach stärker auf kommerzielle Passformen und innovative Silhouetten. Die flämische Modemarke will ihre Position auf dem niederländischen Markt weiter ausbauen und arbeitet dafür ab dieser Saison mit der Agentur Walhallabrands zusammen.

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Eine Bilanz

Nach einem Vormittag voller Termine und Besuche an den Modeständen suchen die Messebesucher:innen das Bistro auf, um Kaffee, Petit Fours, eine Schale Obst und ein reichhaltiges Mittagessen zu genießen. An den Tischen werden die Kollektionen noch einmal gegeneinander abgewogen. „Vielleicht sollten wir noch nach grünen oder gelben Schuhen suchen, um die Kollektion zu vervollständigen“, hört man aus einem Gespräch zwischen zwei Einkäufer:innen zwei Tische weiter.

Während die Einkäufer:innen die letzten Entscheidungen treffen, zeichnet sich eine Schlussfolgerung ab: Bordeauxrot, Safari-Einflüsse, opulente Materialmischungen und neu interpretiertes Tailoring gehören zu den Trends, die auf der Preview am besten angekommen sind.

Dieser Artikel wurde mithilfe von digitalen Tools übersetzt.

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