Modefabriek SS27: 'Mode darf wieder Spaß machen'
Bei Temperaturen von über zwanzig Grad und einem Himmel, bei dem sich Sonne und Wolken abwechselten, bildete das Hembrug-Gelände in Zaandam am Sonntag und Montag die Kulisse für die Modefabriek. Die Fachmesse feiert in diesem Jahr zudem ihr dreißigjähriges Bestehen. Während Einkäufer:innen die Stände nach den Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2027 durchstöberten, setzten viele Marken auf visuelle Highlights. Summum entschied sich für eine Präsentation im Parade-Stil. Beaumont Amsterdam hingegen lud die Besucher:innen an einen Stand, der unter dem Motto ‚Atelier de Beaumont‘ als Nähatelier gestaltet war. FashionUnited sprach mit verschiedenen Aussteller:innen über die Kollektionen und Artikel, auf die die Einkäufer:innen während der Modefabriek am begeistertsten reagierten.
Mode darf wieder Spaß machen
„Bei all dem Elend in der Welt darf auch wieder eine gehörige Portion Spaß in der Mode sein“, erzählt Lilly Gordijn, Art Director des niederländischen Labels Beaumont Amsterdam, das zur Stone Fashion Group gehört. Das übersetzt sich für SS27 in glitzernde Steinchen, kräftige Farben und optimistisch anmutende Designs. Beaumont Amsterdam hat derzeit rund 220 Verkaufsstellen in siebzehn Ländern. Die Preise für Blazer reichen von 169 Euro für reguläre Kollektionsteile bis zu 300 Euro für Premium-Artikel.
Auch beim niederländischen Label Summum steht der Charakter im Mittelpunkt. „In jedem Kleidungsstück passiert etwas“, erklärt Gründerin Jorien Wijker. „Von einer Stickerei über einen Druck bis hin zu einem Stehkragen.“ Sie zeigt auf eine Bluse, die ihrer Meinung nach gut verdeutlicht, wofür Summum steht. „Sie vermittelt ein echtes Boutique-Gefühl, bleibt aber gleichzeitig zugänglich.“
Mitten im Gespräch schaut Mitgründer Jos Wijker um die Ecke. „Jorien, sollen wir später mit einem Glas Champagner eine Runde im Riesenrad drehen?“, fragt er lachend. Das unterstreicht die entspannte Atmosphäre auf der Messe.
Farbe gibt den Ton an
Bei mehreren Marken spielen kräftige Farben in den SS27-Kollektionen eine wichtige Rolle. So stellen die Gründer:innen Mark und Felice De Lorme des niederländischen Labels Penn & Ink fest, dass Einkäufer:innen besonders begeistert auf Grün und Orange reagieren. Die Marke, die derzeit vier Flagship-Stores betreibt und in 13 Ländern verkauft wird, positioniert sich im gehobenen Mid-Segment. Der empfohlene Verkaufspreis für einen Blazer beginnt bei rund 200 Euro und reicht bis etwa 350 Euro.
Die Brüsseler Modemarke TWNS The Label setzt ebenfalls stark auf Farbe. „Die Frühjahrskollektion dreht sich um ‚Vitaminfarben‘ wie Zitrus und Orange“, erklärt Agentin Diandra Klapmeijer von Brand District. Der Name der Marke ist eine Anspielung auf die Zwillinge der Gründer:innen Tara Bellay und Dimitri Valckaert. „Das Ziel ist, mehr Farbe in die Mode zu bringen.“
Die Kollektion wird unter anderem mit Mohair aus Italien, Jersey aus Portugal und Waschbärpelz aus China hergestellt. Die empfohlenen Verkaufspreise für Pullover liegen zwischen 109 und 169 Euro. Laut Klapmeijer hat TWNS etwa 70 Verkaufsstellen in den Niederlanden und rund 600 in Europa und dem Vereinigten Königreich.
Die italienische Modemarke Silvian Heach, vertreten durch die Agentur Jos Bles, beobachtet eine ähnliche Entwicklung. Laut Account Manager Eva Vink erhält ein grünes Set mit einem auffälligen Bambi-Druck viel positives Feedback. Die Marke hat derzeit etwa 45 Verkaufsstellen in den Niederlanden.
Accessoires für das gewisse Etwas
Bei 10Days dreht sich in der SS27-Saison nicht alles um eine bestimmte Trendfarbe oder ein Material. Laut Sabrina Hartmann, Country Coordinator für Deutschland, liegt die Stärke im Styling. „Spice it up“, sagt sie. Accessoires spielen dabei eine wichtige Rolle. Ein Blickfang der Kollektion ist beispielsweise eine große Muschelkette zum Preis von rund 40 Euro.
Darüber hinaus sieht die Amsterdamer Marke viel Potenzial in Hosen mit O-Silhouette, eine Form, die in mehreren Designs auftaucht. Je nach Modell liegen die empfohlenen Verkaufspreise zwischen 139 und 199 Euro. Anstelle einer großen saisonalen Kollektion setzt 10Days auf vier monatliche Drops – von ‚City Vibes‘ über ‚Spring Essentials‘ bis hin zu ‚Holiday Essentials‘.
Silhouetten und Materialien entwickeln sich weiter
Auch bei den Silhouetten beobachten verschiedene Modemarken eine ähnliche Entwicklung. Laut Lydia van Egmond, Agentin für Marken wie MAC Jeans und Daydream, verlagert sich der Fokus langsam von Wide-Leg- zu Straight-Leg-Hosen. Die Barrel-Hose bleibe wichtig, werde aber für das Frühjahr aus leichteren Stoffen gefertigt.
Zudem erwartet van Egmond, dass Cargohosen eine wichtige Rolle spielen werden, oft aus Popeline-Stoffen. Bei Daydream liegen die empfohlenen Verkaufspreise zwischen 169 und 209 Euro.
Debüt auf der Modefabriek
Für The Lola Club ist die diesjährige Ausgabe besonders. Die niederländische Marke besteht seit fünf Jahren und ist seit anderthalb Jahren im Großhandel tätig. Dies ist somit die erste Teilnahme an der Modefabriek.
„Dies ist für uns eine großartige Möglichkeit, die Marke bekannter zu machen“, erzählt Sales Manager Jessie van 't Hoff begeistert. Inzwischen hat The Lola Club 84 Verkaufsstellen in den Niederlanden, 14 in Belgien und zehn in Deutschland. Die Stärke der Marke liegt laut van 't Hoff in der Vielseitigkeit der Kollektion.
Die Activewear, Beachwear und Loungewear ist so konzipiert, dass die Teile auch außerhalb des Sports getragen werden können. Eine Leinenbluse in einem auffälligen Orangeton hat einen empfohlenen Verkaufspreis von 119,95 Euro, die passende Shorts kostet 89,95 Euro.
Von der Kleidermarke zur Komplettkollektion
Auch bei Freebird Icons, Teil der Modeagentur Blosh, stehen Innovation und Erweiterung im Mittelpunkt, ohne die Wurzeln der Marke zu vernachlässigen. „Wir haben als Kleidermarke angefangen, aber inzwischen ist die Kollektion viel breiter aufgestellt“, sagt Commercial Director Ilse de Vries. Dennoch zollt die Marke dem Kleid weiterhin Tribut.
Dies zeigt sich in The Dress Edit, einer Auswahl von neun speziell entworfenen Kleidern. Neu in dieser Saison ist auch die Einführung von Schuhen und Taschen. „Damit vervollständigen wir den Look“, so de Vries.
Im Bereich der Farben beobachtet Freebird Icons eine Verschiebung innerhalb bestehender Trends. Helle Gelbtöne weichen kräftigeren Varianten, während zartes Rosa sich zu einem leuchtenden Kaugummi-Pink entwickelt.
Modefabriek fühlt sich ‚heimelig‘ an
Bei einem Rundgang über die Messe am Sonntag fiel auf, dass viele Marken ihr komplettes Branding in die Standpräsentation integriert hatten. Von thematischen Dekorationen bis hin zu engagierten Baristas, die die Besucher:innen mit frischem Kaffee und anderen Köstlichkeiten versorgten, legten viele Aussteller:innen sichtlich Wert auf das Erlebnis vor Ort.
Eine Ausstellerin beschreibt die Modefabriek als „heimeliger“ als viele andere Modemessen. Gleichzeitig äußert sie sich kritisch zu den Besucher:innenzahlen. Ihrer Meinung nach sei es ruhiger als erwartet und es schienen im Verhältnis zur Anzahl der Einkäufer:innen relativ viele Familienmitglieder und Freund:innen anwesend zu sein.
Nach einem Tag auf der Messe zeichnet sich ein klares Bild für Frühjahr/Sommer 2027 ab. Kräftige Farben wie Grün, Orange und Zitrus bleiben wichtig. Accessoires erhalten eine prominentere Rolle und die Silhouetten entwickeln sich mit Straight-Leg-, Barrel- und Cargohosen behutsam weiter. Vor allem aber scheint ein Gedanke die verschiedenen Kollektionen zu verbinden: Mode darf wieder Spaß machen.
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