Chanel aus Sperrholz: Tom Sachs stellt in New York den Wert von Luxus infrage
Chanel-Artikel aus Fundstücken und Alltagsgegenständen. Das ist das Angebot des Künstlers Tom Sachs, der sein New Yorker Studio in eine nachgebaute Chanel-Boutique verwandelt hat.
Die Installation „31 Rue Cambon“ ist seit dem 11. September zu sehen und läuft bis zum 10. Oktober, kuratiert von der Modehistorikerin Colby Mugrabi. Das Timing dürfte das Werk zu einem Gesprächsthema für das Publikum der New York Fashion Week machen. Sachs will die Modewelt zum Nachdenken bringen, über „Autorschaft, Wert, Arbeit, Begehren und die kulturellen Mechanismen des Luxus“, wie es bei der Galerie Thaddaeus Ropac heißt.
Chanel-Kostüme aus Sperrholz
Der Raum ist gefüllt mit handgefertigten Nachbildungen ikonischer Stücke des Hauses, darunter Kostüme, Accessoires, Möbel, Schmuck, Verpackungen und Verkaufsdisplays. Allein 31 Kostüme entstanden aus knapp zwei Zentimeter starkem Sperrholz und Farbe, dazu kommen Acryl, Pappe und Klebeband. Grundlage ist die Philosophie des Bricolage, ein kreatives Konzept, bei dem sofort verfügbare, oft zweckentfremdete oder geliehene Materialien zum Einsatz kommen.
Dort finden sich Schmuckstücke mit Lego-Teilen und Fahrradreflektoren sowie Möbel, die von Coco Chanels Pariser Appartement inspiriert sind. Abgerundet wird das Erlebnis durch einen eigens komponierten Soundtrack, der Ambient- und Horrorfilmmusik mit Werbearchiven der Marke mischt.
„Die Konsumgier weicht der Liebe zur Schöpfung“, erklärt Sachs in einer Mitteilung. Der Kommentar wirkt als poetische Utopie ebenso wie als bewusste Illusion. Denn Sachs’ Werke sind selbst hochpreisige Luxusobjekte, geschätzt und gesammelt von derselben Elite, die auch die Chanel-Boutiquen besucht.
Die Installation liegt nur wenige Gehminuten von der Chanel-Boutique in SoHo entfernt. Obwohl die ausgestellten Stücke nicht tragbar sind und vorerst nichts gekauft werden kann, entfalten die Kleider aus Pappe und der Schmuck aus Lego ihre begehrenswerte Wirkung.
Chanel wurde nicht gefragt
Mehreren Medienberichten zufolge sei das französische Modehaus nie zu dem Projekt konsultiert worden. Es wäre nicht die erste Reibung. Als Sachs 1998 die Arbeit „Chanel Guillotine (Breakfast Nook)“ zeigte, reagierten die Anwält:innen des Hauses ungehalten. Ein Jahr später stellte die Galerie Thaddaeus Ropac das Werk aus und schickte Karl Lagerfeld ein Foto per Fax, dessen Antwort in drei Worten ausfiel. Er liebe es, habe der Designer zurückgeschrieben, berichtet das Magazin W. Heute gehört die Arbeit zur ständigen Sammlung des Centre Pompidou.
Der Künstler spielt seit Jahren mit der Branche und verfremdet Produkte und Logos durch Wiederverwertung. Bei einer seiner ersten Ausstellungen fertigte er Büromöbel von Knoll aus Telefonbüchern und Klebeband, wie die Galerie Thaddaeus Ropac auf ihrer Website festhält.