Wie können Verbraucher Schadstoffe in Textilien erkennen?

Um Kleidung und Heimtextilien wie Vorhänge, Bettwäsche oder Sofabezüge aus Baumwolle, Wolle, Polyester und anderen Fasern formstabil, bequem oder wasserfest zu machen, werden ihnen chemische Zusatzstoffe wie Weichmacher, Bleichmacher oder Formaldehyd beigefügt, die gesundheitlich bedenklich sein können. Hersteller sind zwar verpflichtet, die verwendeten Textilfaser(n) zu nennen, nicht aber die chemischen Substanzen, die bei der Produktion beigemengt werden. Dennoch gibt es Möglichkeiten für Verbraucher, diese herauszufinden. Zudem haben sie das Gesetz auf ihrer Seite, denn Bedarfsgegenstände sind so herzustellen, dass sie die Gesundheit der Verbraucher nicht schädigen.

Allerdings ist eine Textilproduktion nicht ganz ohne chemische Zusatzstoffe möglich, um eben die oben genannten gewünschten Eigenschaften zu erreichen. Es gilt also, den Einsatz bedenklicher Substanzen einzuschränken beziehungsweise zu versuchen, diese zu ersetzen, da Chemikalien wie Weichmacher, Bleichmacher oder Formaldehyd krebserregende oder hormonell wirksame Stoffe enthalten können.

Textilsiegel geben Orientierungshilfe

„Hier ist der Verbraucher in der Verantwortung, sich und seine Familie nicht unnötigen Schadstoffen auszusetzen. Eine Orientierungshilfe geben Siegel und seriöse Verbraucherportale, auf denen umfangreiche Informationen zu finden sind“, erklärt Matthias Rosenthal, TÜV Süd-Produktexperte, Business Development Director Europe (Softlines) für Consumer Products & Retail, in einer Mitteilung vom Dienstag.

Für die Textilindustrie entwickelte TÜV Süd daher exklusiv das TexCheck-Prüfzeichen. Hersteller und Textilhändler, die es an ihren Produkten anbringen möchten, müssen umfangreiche Produktprüfungen und Prüfungen vor dem Versand durchführen lassen. So gelangen nur Produkte in den Handel, die die Vorgaben der entsprechenden EU-Richtlinien (und US-Vorschriften) erfüllen und keine verbotenen Schadstoffe enthalten sowie die deklarierte Faserzusammensetzung aufweisen - für die Europäische Union ist die REACH-Verordnung maßgeblich und für die USA das Gesetz zur Verbesserung der Sicherheit von Konsumgütern (CPSIA).

„Zudem werden die Werke der Textilhersteller auditiert, hier wird unter anderem die Einhaltung der Arbeitsschutzgesetze überprüft. Das Prüfsiegel steht für Qualität, Sicherheit und Umweltschutz“, heißt es weiter in der Mitteilung.

Internetseiten und offizielle Materialien sind hilfreich

Auch die Internetseiten der Hersteller, Materialien der Bundes- und Landesbehörden und Verbände und Verbraucherschutzorganisationen geben Auskunft über die Herstellung von Bekleidung und Textilien und die verwendeten chemischen Substanzen.

„Die Europäische Kommission (EU) hat mit ‘Safety Gate’ eine Plattform für Verbraucher eingerichtet. Dieses Schnellwarnsystem für gefährliche Non-Food-Produkte zeigt dem Konsumenten über eine Suchfunktion schadstoffbelastete Produkte“, rät die Mitteilung.

Kaufentscheidung wirkt sich auf die Umwelt aus

Verbraucher sollten auch schon beim Kauf bedenken, welche Auswirkungen die von ihnen gekauften Textilien auf die Umwelt haben werden. Baumwolle zum Beispiel ist ein natürlich wachsender Rohstoff, weist aber im Anbau einen hohen Pestizideinsatz mit einem enormen Wasserverbrauch auf. Dem wirkt der nachhaltige Anbau oder der Anbau von Biobaumwolle und resistenteren Fasern wie etwa Hanf und Nesseln entgegen, die mit weit weniger Pestiziden und Wasser auskommen.

Kleidung und Textilien aus Kunstfasern wie Polyester bedeuten eine zusätzliche Umweltbelastung, die - meist unwissentlich - beim Endverbraucher stattfindet: Waschen setzt Mikroplastik frei, das so ins Abwasser gelangt und das Ökosystem belastet.

Daher heißt es für Verbraucher, nach Prüfzeichen Ausschau zu halten, diese genau zu lesen und allgemein auf eine Kennzeichnung der Chemikalien und Kleidung und Heimtextilien zu drängen. Auch Händler und Hersteller profitieren von einer solchen Kennzeichnung, heben sich ihre Produkte doch ab und haben einen klaren Wettbewerbsvorteil: Laut dem Gütesiegel Monitor von 2020 vertrauten mehr als 40 Prozent der befragten Männer und Frauen einem Produkt mit Gütesiegel mehr, als einem ohne.

Foto: Erich Westendarp / pixelio.de

 

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