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Wie effektiv sind H&Ms Kreislaufbemühungen?

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Von Simone Preuss

19. Feb. 2021

Seit einigen Jahren schon sammelt die Fast-Fashion-Marke H&M in ihren Filialen weltweit ausrangierte Kleidungsstücke. Es kamen jedoch Fragen auf, was H&M mit all diesen Kleidungsstücken (29.005 Tonnen allein im Jahr 2019) macht, da es nicht möglich ist, sie alle in neue Kleidung zu verwandeln. Mischmaterialien wie Baumwoll- und Polyestermischungen, aus denen viele Fast-Fashion-Kleidungsstücke hergestellt sind, stellen sicherlich eine Herausforderung dar. Seitdem hat sich jedoch die Technologie verbessert. H&M nutzt etwa seine In-Store-Recyclingmaschine Looop und seine Green Machine, die Baumwoll- und Polyestermischungen durch einen hydrothermalen Prozess trennt, um zirkulärer zu werden. Doch wie wirkungsvoll sind diese Anstrengungen?

„Mischgewebe sind schwieriger nach Fasern zu trennen und folglich auch schwieriger wieder in neue Kleidungsstücke zu recyceln. … Die Herausforderung, die wir uns gestellt haben, war, eine Technologie zu finden, die recycelte Kleidungsstücke auf Faserebene trennen kann, einschließlich Mischgewebe; eine Lösung, die es uns ermöglicht, selbst die kniffligsten recycelten Textilien optimal zu nutzen - bis zum letzten Faden“, erläutert H&M in einer Erklärung vom Donnerstag.

Circulose

Die H&M Group hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 in ihren Kollektionen nur noch recycelte oder nachhaltig beschaffte Materialien zu verwenden. Die Strategie, um dieses Ziel zu erreichen, ruht auf drei Säulen: Neben Looop und der Green Machine steht die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Textilrecycling-Unternehmen Re:newcell, das mit einer neuen Technik gebrauchte Baumwolle, Viskose und andere Zellulosefasern zu einem nachhaltigen Zellstoff recycelt, aus dem das neu patentierte Material Circulose entsteht.

Vor einem Jahr stellte die Marke das erste Kleidungsstück aus Circulose vor - ein Kleid, das zu 50 Prozent aus Circulose aus recycelten Jeans und zu 50 Prozent aus Viskose aus FSC-zertifiziertem Holz gemacht wurde (siehe oben). Für die Zukunft plant die H&M Group, Circulose in „Millionen von Kleidungsstücken“ einzusetzen. Das klingt beeindruckend, aber wenn man bedenkt, dass das Unternehmen etwa 3 Milliarden Kleidungsstücke pro Jahr herstellt, ist das eher ein Tropfen auf den heißen Stein, bis es sich entscheidet, Milliarden von Kleidungsstücken daraus zu machen.

Looop

H&M stellte sein erstes In-store-Recycling-System Looop in seinem Flagshipstore in Stockholm am 12. Oktober 2020 auf. In acht Schritten verwandelt die Maschine alte Kleidungsstücke in neue, vom Waschen bis zum Verstricken des neuen Garns zu neuen Artikeln, alles ohne Wasser und Chemikalien. „Das System verwertet wertvolle Rohstoffe in der recycelten Kleidung und macht sie wieder zu Fasern, die zu neuem Garn gesponnen und zu neuer Kleidung gestrickt werden“, erklärt H&M den Prozess, der etwa fünf Stunden dauert.

„Es ist wichtig, unsere Kunden an unserem Weg teilhaben zu lassen und ihnen den Wert von Textilien zu zeigen und sie gleichzeitig dazu zu inspirieren, die Lebensdauer ihrer Kleidungsstücke zu verlängern. Looop ist eine gute Möglichkeit, dies zu visualisieren und ein großartiges Forum, um auf die anderen Recycling- und Reparaturinitiativen der H&M Group aufmerksam zu machen. Looop ist keine Gesamtlösung, aber ein wichtiger Teil auf unserem Weg hin zu einem Kreislaufunternehmen“, fügt Felicia Reuterswaerd, Nachhaltigkeitsmanagerin bei H&M Schweden, hinzu.

Das hört sich zwar alles gut an, aber der Prozess ist langsam und wie viele dieser Maschinen bräuchte man, um wirklich etwas zu bewirken? Im Moment scheint es nur ein Spielzeug für H&M-Kunden zu sein, die ihre alten Klamotten loswerden und ihr Gewissen beruhigen wollen, bevor sie wieder das Gleiche kaufen.

Außerdem verwendet Looop nicht nur Altkleider. Bereits beim dritten Schritt (nach dem Waschen und Zerkleinern des alten Stoffs) werden neue Stoffe hinzugefügt, um „das Material zu stärken“. Den genauen Anteil von Alt- und Neumaterialien gibt H&M derzeit nicht preis, nur, dass das Unternehmen daran arbeitete, diesen Anteil „so gering wie möglich“ zu halten.

The Green Machine

Zuguterletzt gibt es die Green Machine, welche die vielversprechendste von H&Ms Bemühungen um Kreislauffähigkeit zu sein scheint. Sie wurde im Rahmen einer Forschungskooperation zwischen der H&M Foundation und dem Hong Kong Research Institute of Textiles and Apparel (HKRITA) entwickelt.

In einem hydrothermalen Prozess trennt die Recyclingmaschine Baumwoll- und Polyestermischungen in einem geschlossenen Kreislauf ohne Qualitätsverlust und im industriellen Maßstab voneinander. Sie nutzt Wärme, Wasser und weniger als fünf Prozent biologisch abbaubare Chemikalien, um große Mengen an Kleidung zu recyceln. „Die Green Machine ist ein echter Game-Changer für das Upcycling von Mischgeweben im Produktionsprozess der Marke“, kommentiert H&M. Monki bot die ersten Kleidungsstücke, die mit dieser neuen Technologie hergestellt wurden, Ende letzten Jahres an - einen grauen Kapuzenpullover und eine passende Jogginghose.

„Um den Kreislauf zu schließen, müssen wir in der Lage sein, die recycelten Kleidungsstücke in großem Umfang wiederzuverwerten. Das ist nichts Neues, aber die Fähigkeit, dies zu tun, erfordert eine technische Revolution. Die Tatsache, dass wir diese Maschine in unserer Produktion einsetzen können, bedeutet, dass wir die Größenbarriere durchbrechen und eines der Probleme lösen können, die wir überwinden müssen, um mehr über Kreislaufwirtschaft zu erfahren“, fügt Jenny Fagerlin hinzu, Monkis Direktorin für Nachhaltigkeit und Transformation.

Bringt man die zirkulären Anstrengungen der H&M Group auf den Punkt, so will der Konzern bis 2030 in den Kollektionen seiner Marken nur noch recycelte oder nachhaltig beschaffte Materialien verwenden und bis 2040 vollständig zirkulär und klimapositiv sein - das sind immerhin noch fast 20 Jahre. Bis dahin wird es darauf ankommen, wie und woraus die drei Milliarden Kleidungsstücke jährlich produziert werden und wann diese Zahl reduziert wird - wenn überhaupt.

Bilder: H&M