Wie Clarks bequem und relevant bleiben will
„Man sollte sich nicht zwischen gutem Aussehen und Bequemlichkeit entscheiden müssen“, sagte Gary Champion, President von Clarks America, gegenüber FashionUnited. Ein Satz, der zu einem Unternehmen passt, das seit mehr als zwei Jahrhunderten Komfortschuhe verkauft, ohne den Stil zu vernachlässigen.
Gegründet wurde Clarks 1825 von den Quäker-Brüdern Cyrus und James Clark in England. Bequemes Schuhwerk stand dort schon im Mittelpunkt, lange bevor die Kategorie zu einem Milliardenmarkt wurde. Einem Bericht des Marktforschungsunternehmens Grand View Research zufolge dürfte der weltweite Schuhmarkt zwischen 2025 und 2030 um durchschnittlich 4,3 Prozent pro Jahr wachsen und 2030 ein Volumen von 588,22 Milliarden US-Dollar erreichen. Als einer der wichtigsten Treiber dieses Wachstums gilt die Nachfrage nach langlebigen und bequemen Schuhen.
„Komfort ist für Clarks kein neues Feld. Er gehört seit über 200 Jahren zu unserer DNA“, sagte Champion. „Clarks ist eine starke, etablierte, globale Marke. Die Konsument:innen vertrauen ihr und verstehen, wie ernst es ihr damit ist, dem Markt durchgängig hochwertige Komfortschuhe zu liefern. Für mich geht es darum, diesem Versprechen treu zu bleiben und zugleich neue Wege zu finden, neue Konsument:innen für unser Angebot zu gewinnen. Wir gewinnen sie über unsere Designs und übertreffen dann ihre Erwartungen mit Komfort, der hält, was er verspricht. Das trägt unser Wachstum und unseren Erfolg.“
Auf der Fachmesse Atlanta Shoe Market stellte die Marke im August zwei Neuzugänge für ihr US-Sortiment vor und setzt damit ihre Investitionen in komfortgetriebene Innovation fort. Mit Code startete eine Kollektion, die auf der markeneigenen C360-Foam-Technologie basiert. Champion beschreibt sie als „unsere fortschrittlichste zweilagige Komforttechnologie, die Stöße absorbiert und bei jedem Schritt Energie zurückgibt. Das reduziert die Belastung für Füße, Knöchel, Beine und Hüfte“. Eingeführt wurde C360 Foam 2025 zunächst für sportliches Gehen, nun wird die Technologie auf alltagstauglichere Silhouetten ausgeweitet. Bis 2027 soll sie weiter ausgebaut werden.
„Die Chance liegt darin, Styles zu nehmen, die die Konsument:innen ohnehin verstehen und tragen wollen, und unsere Clarks-Komforttechnologie in sie hineinzubauen. Da sehe ich unseren echten Unterschied. Wir machen großartige Schuhe, wir verstehen etwas von Komfort, und wir entwickeln beides immer weiter für unsere Kundschaft“, sagte Champion.
Auf der Messe zeigte Clarks außerdem einen ersten Blick auf Bubblo, eine auf Frauen ausgerichtete Sandalen- und Flip-Flop-Kollektion, die im Frühjahr 2027 unter der Linie Cloudsteppers by Clarks an den Start geht.
„Komfort hat heute kein Alter mehr“
Während der Covid-19-Pandemie brachen in den USA 2020 die Verkäufe eleganter Schuhe ein. Gefragt waren stattdessen bequeme, gemütliche Modelle, ein Stil, der traditionell eher mit älteren Kund:innen verbunden wurde. Die Verschiebung setzte sich in den Jahren danach fort, bis Komfort schließlich zur Grundvoraussetzung für Schuhkäufer:innen wurde, unabhängig vom Alter. „Wir haben Generationen von Konsument:innen, die mit Sportschuhen aufgewachsen sind. Sie erwarten Komfort, egal in welchem Alter“, sagte Champion.
Laut dem Halbjahresbericht 2026 des Marktforschungsunternehmens Circana ist Komfort weiterhin der wichtigste Grund für künftige Schuhkäufe. Für die Generation Z bleibt der Stil dennoch ein wichtiger Teil der Kaufentscheidung. Für eine 200 Jahre alte Marke schlägt sich Clarks beim jüngeren Publikum durchaus gut.
„Mit Clarks Originals sprechen wir Streetwear-Konsument:innen an. Ikonen wie der Wallabee, der Desert Trek und der Desert Boot finden sich im gehobenen Fachhandel. Bei unserer Geschichte im Schuhmachen kommt es vor allem darauf an, im Takt mit unserer Kundschaft zu bleiben und ihr für jeden Anlass relevante Schuhe zu bieten, die 360-Grad-Komfort liefern. Darauf liegt unser Fokus“, sagte Champion. Er ergänzte, Clarks prüfe fortlaufend, wie sich die Klassiker für die Kundschaft von heute neu interpretieren ließen.
Im August kündigte das Unternehmen an, dass Clarks Originals erstmals über Schuhe hinausgeht und eine erste Bekleidungs- und Accessoire-Kollektion herausbringt, die sich an der Geschichte der Marke orientiert. Beschrieben wird sie als natürliche Erweiterung des Erbes von Clarks Originals, die die Ikonen der Linie in ein breiteres Lifestyle-Angebot überführt.
„Ich bin zu einer Marke zurückgekehrt, die ich liebe“
Champion hat fast seine gesamte Laufbahn bei Clarks verbracht. Einmal ging er und kam verändert zurück. Was ihn die Jahre außerhalb gelehrt hätten, sei, „wie wichtig Kultur und Menschen für ein Unternehmen sind“. Von 2008 bis 2009 war er Chief Operating Officer bei Geox, von 2010 bis 2016 President von Earth Footwear.
„Beide Erfahrungen haben mein Bewusstsein dafür geschärft, wie wichtig es ist, zu kommunizieren und die Organisation in die Vision und Richtung einzubeziehen, in die man das Geschäft führen will. Egal auf welcher Ebene man steht, wenn man über unsere Marke spricht, sollte die Botschaft dieselbe sein“, sagte er. Zugleich räumte er ein, wie schwierig Kommunikation in einem so großen Unternehmen wie Clarks sein könne. „Das klingt sehr viel leichter, als es ist. Aber wenn man dieses Ziel erreicht, entsteht daraus Zusammenarbeit über Abteilungen hinweg, ein Verständnis für die Rolle, die jede und jeder Einzelne bei der Umsetzung dieser Vision spielt, und das Geschäft kommt voran. Ich war immer überzeugt, dass 80 Prozent des Erfolgs in den Menschen und Teams liegen, die man aufbaut. Sie bringen alles andere zum Laufen.“
In Champions Abwesenheit machte auch Clarks einige Erfahrungen. Das Unternehmen durchlief mehrere Wechsel in der Führung, erschloss neue Märkte, startete seine erste E-Commerce-Website und verlagerte die Produktentwicklung nach England. Trotz dieser Veränderungen habe es bei seiner Rückkehr wenig wieder aufzubauen gegeben, sagte Champion.
„Ich bin zu einer Marke zurückgekehrt, die ich liebe, die von Geschichte durchdrungen ist und zu den bekanntesten Schuhmarken der Welt gehört“, sagte er. „Clarks ist in mehr als 100 Märkten weltweit vertreten. Diese Stärken zu nutzen und die daraus entstehenden Effizienzgewinne zu teilen, war zugleich Herausforderung und große Chance. Wir haben damit begonnen, die Vision und die Richtung zu bestimmen, in die wir die Marke in Amerika führen wollen. Für mich kam hinzu, dass Clarks im Vergleich zu meiner Zeit vor dem Weggang zu einer wirklich globalen Marke geworden war. Es gab also Abteilungen, die global und nicht regional berichteten.“
Erneut betonte Champion, wie wichtig eine starke Kultur sei, in der offen und ehrlich kommuniziert werde, um voranzukommen. „Das Team hat großartige Arbeit geleistet und die Organisation an einen wirklich guten Punkt gebracht. Wir lernen und passen uns weiter an, verfeinern und stärken, um die Erwartungen unserer Kundschaft zu erfüllen, weiter zu innovieren und uns so effizient wie möglich aufzustellen. Ich vermute, wir werden immer auf dieser Reise sein.“
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