Was Donald Trump von Bernard Arnault (LVMH) lernen kann

„Ich liebe es, zu gewinnen. Ich liebe es, die Nummer Eins zu sein... Business zu machen ist sehr aufregend. Der Moment, wenn man kurz davor steht, einen riesigen Deal zu schließen und du Dir nicht sicher bist, ob es passieren wird, oder nicht.“

Man könnte denken, diese Worte seien aus Donald Trumps Buch “The Art of the Deal” von 1987, aber sie wurden tatsächlich von Bernard Arnault in einem Interview mit dem Telegraph von 2015 gesprochen. Zumindest auf Papier scheinen die beiden einiges gemeinsam zu haben.

Gerade einmal drei Jahre trennen sie. Beide haben sich ein Vermögen aufgebaut und sich eine Reputation als harte Verhandlungspartner aufgebaut. Als CEO und Vorstand von LVMH, der größten Supermacht auf dem Luxuswarenmarkt, ist Arnault der reichste Mann Frankreichs mit einem Vermögen, das laut Forbes etwa bei 41,6 Milliarden Dollar (etwa 39,3 Milliarden Euro) liegt. Das Magazin nennt ihn auch „einen der führenden globalen Tastemaker“. Trumps Vermögen wird von Forbes auf 3,7 Milliarden Dollar (3,49 Milliarden Euro) geschätzt. Damit ist er der erste Milliardär, der Präsident der Vereinigten Staaten wurde und stellt somit eine ganz andere Supermacht dar. Im Gegensatz zu Arnaults Tastemaker-Titel darf sich Trump hingegen nur mit der fragwürdigen Auszeichnung von Vanity Fair schmücken, die ihn einen „kurzfingrigen Vulgären“ nannte.

Gleich und Gleich gesellt sich gern

Die beiden Männer trafen sich kürzlich in NYC, es besteht also durchaus eine Interessen-Schnittmenge zwischen ihnen. In ihrem Meeting im Trump Tower besprachen die beiden die Expansion einer Fertigungsstätte von LVMH in Kalifornien, was Trump dazu verleitete, Arnault als „einen der großartigen Männer“ zu bezeichnen. (Man könnte sagen, sie haben auch eine ähnliche Vorliebe in Sachen Türme mit einfachen Namen. Arnaults LVMH Tower steht nur wenige Blocks von Trumps in Midtown Manhattan.)

Die erstaunlichen Parallelen können bis in ihre frühen Karrieren zurückverfolgt werden: Arnault schloss sich nach seinem Bachelor-Abschluss in Ingenieurswesen der Firma seines Vaters an und begann, diese von ihrem Kerngeschäft, dem Bauwesen, im Immobilienhandel neu aufzustellen. Insbesondere hatte er sich auf Urlaubsunterkünfte spezialisiert und löste schließlich seinen Vater als Präsident des Unternehmens ab. Trump begann seine Karriere ebenfalls im Unternehmen seines Vaters, das in Queens und Brooklyn günstige Wohnungen baute. Nachdem Trump seinen Vater abgelöst hatte, ließ er in jeder größeren Stadt ein Trump Hotel errichten.

Das Familiengeschäft

Beide Männer sind Familienväter, die ihre Kinder an den entscheidenden Positionen ihrer Imperien einsetzen. Ivanka, Trumps Tochter, ist Trumps erste Beraterin und seine Söhne Eric und Donald Jr. fungieren beide als Executives in der Trump Organization. Auch der Sohn Arnaults, Alexandre, steht seinem Vater beratend zur Seite und war auch bei dem Meeting im Trump Tower dabei. Arnaults älteste Tochter, Delphine, ist Teil des Topmanagements von LVMH.

Was Donald Trump von Bernard Arnault (LVMH) lernen kann

Keiner der beiden ist besonders Technik-affin. Laut einiger Berichte nutzt Trump weder E-Mail, noch einen Computer. Er bevorzugt es, nachts auf seinem Smartphone zu twittern. In seinem Interview mit dem Telegraph, sagte er: „Ich habe keine E-Mail – nur ein Telefon und ich würde niemals Nachrichten schreiben, sondern anrufen.“

Die Unterschiede der beiden sind jedoch noch aussagekräftiger, als die Gemeinsamkeiten.

Internationale Star-Power

Arnault ist groß, schlank und trägt gut geschnittene, mitternachtsblaue Anzüge von Dior. Er meidet Publicity, gibt selten Interviews und schert sich wenig um Prominenz. Trump hingegen bevorzugt weit geschnittene Anzüge und eine Krawatte, die zu lang ist. Er sucht das Rampenlicht und ist ein ehemaliger Reality-Star, der weiterhin mit seinen Ratings bei der Show The Apprentice angibt und sein Amtseinführungspublikum mit dem von Obama vergleicht.

Auch die Geschäfte laufen bei Trump nicht immer reibungslos. Insgesamt sechs Insolvenzen liefen auf seinen Namen, eine Vielzahl an Klagen ebenso und seine politischen Gegner boykottieren seine Hotels und Geschäfte. Selbst das Kabinett des Weißen Hauses wird von täglichen Skandalen heimgesucht, wie die Kündigung seines National Security Advisors, die Ablehnung seiner Wahl Secretary of Labor durch den Senat, die Ablehnung der Medien gegenüber seiner Beraterin, Kellyanne Conway, aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit. Hinzu kommen und die wöchentlichen Parodien seines Communications Directors, Sean Spicer, durch die Show Saturday Night Live.

Arnault schlichtete 1987 einen Konflikt zwischen dem CEO von Moet Hennessy und dem Präsidenten von Louis Vuitton und positionierte sich dabei so, dass er den größten Anteil an der Fusion der beiden hielt. Er baute seither ein Imperium von insgesamt 70 Marken auf, darunter Dior, Céline, Veuve Clicquot und Bulgari. Der Erfolg jeder einzelnen Brand ist Arnault zuzuschreiben, weil er den Marken weiterhin erlaubte, unabhängig zu agieren und ihre eigene Aussage und Identität zu entwickeln und verfolgen. Zufällig haben sich zwei davon bereits gegen Trump und seine Politik ausgesprochen: Marc Jacobs und Kenzo.

Was Donald Trump von Bernard Arnault (LVMH) lernen kann

Sicherlich kann man das Aufstellen eines Kabinetts innerhalb von drei Wochen und den Aufbau einer Geschäftsimperiums im Laufe von 30 Jahren kaum vergleichen, aber es scheint dennoch naheliegend, dass sich aus der mangelnden Funktionalität des Trump-Kabinetts Rückschlüsse auf das Können des Mannes an seiner Spitze ziehen lassen.

Die Machtbalance

Arnault hat sich den Titel 'Der Wolf in Kaschmir' für seine stahlharten Verhandlungen und einige feindliche Übernahmen der Marken in seinem Portfolio erarbeitet. Trumps vielsagende Gefühlsausbrüche auf Twitter, der stümperhafte Roll-Out des Muslim Bans, (der später als 'Not a Ban' verschleiert werden sollte), seine antagonistischen Gespräche mit ausländischen Staatsoberhäuptern und sein Handschlag, der an armseliges Armdrücken erinnert, evozieren eher das Bild eines Elefanten im Porzellanladen.

Vielleicht kann es eine Aussage Arnaults gegenüber dem Telegraph Trump helfen, der sich seinen Security Briefings verweigert: „Ich bin eine kluge Person. Man muss mir nicht die nächsten acht Jahre an jedem einzelnen Tag die selben Sachen erzählen.“ (“I’m, like, a smart person. I don't have to be told the same thing in the same words every single day for the next eight years.”)

Wir übergeben also das Wort an Bernard Arnault:

“Instinkt und Fakten. Es ist zwingend notwendig, dass beide eine Rolle spielen; Instinkt ist eine gefährliche Sache und Entscheidungen allein auf Fakten zu basieren, funktioniert nur selten. Man muss reiner Rationalität gegenüber genauso misstrauisch bleiben, wie dem reinen Bauchgefühl.“

Fossile Brennstoffe gehen über Fakten

Doch wie steht es mit der Verantwortung gegenüber dem Planeten? Investitionen in Bildung? Beides scheint leider auf den Mengendiagrammen der beiden Geschäftsmänner keine Schnittmenge zu haben. Donald Trumps Head of the Environmental Protection Agency (EPA), Scott Pruitt, schenkt wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Klimawandel keine Aufmerksamkeit und versuchte in der Vergangenheit mehrmals die Environmental Protection Agency auszuschalten. Er verklagte die insgesamt vierzehn Mal und hat außerdem angekündigt, sich aus dem Übereinkommen von Paris zurückziehen und die Regulationen der EPA reduzieren zu wollen. Er ist ein Investor und Unterstützer der fossilen Brennstoffindustrie.

Auf der anderen Seite des Atlantiks hat sich Bernard Arnault kürzlich dazu verpflichtet, ein 'großes Investment' für Nachhaltigkeit zu fahren. Er will Central St Martin’s, die Londoner Designschule unterstützen, die viele seiner Häuser mit Nachwuchs-Talenten versorgt. Ein neuer CSM-LVMHD Director of Sustainability and Innovation soll ernannt werden und mit den Studenten an „neuen holistischen Lösungen, die ein Gleichgewicht zwischen den Ansprüchen der Konsumenten, des Planeten und der Industrie“ schaffen.

Was Donald Trump von Bernard Arnault (LVMH) lernen kann

Artful Leadership

Monsieur Arnault ist außerdem ein Förderer der Künste und spielt in seiner Freizeit Klavier. LVMH arbeitet seit Jahren mit dem Hyères International Festival of Fashion zusammen und hat Fotografen und Modedesignern eine Plattform gegeben. Außerdem sammelt Arnault Kunst, darunter Werke von Picasso und Warhol. 2006 ließ er die Louis Vuitton Foundation, designt von Frank Gehry in Paris errichten, die sich zeitgenössischer Kunst widmet.

Was Donald Trump von Bernard Arnault (LVMH) lernen kann

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Trump-Präsidentschaft auf die Künste auswirken wird, aber The Hill berichtete, dass das Budget für das National Endowment for the Arts (N.E.A.) sowie das National Endowment for the Humanities (N.E.H.) komplett gestrichen werden soll. Die Corporation for Public Broadcasting (C.P.B.), die unter anderem PBS finanziert, soll privatisiert werden.

Sofortige Befriedigung steht wohl hinter der Vorliebe Trumps für Twitter. Er gibt auch zu, dass er begeistert fernsieht. Lösungen für langfristige Probleme, die er als “American Carnage” bezeichnet, die sicherstellen sollen, dass „America wieder anfangen wird, zu gewinnen“, erfordern aber ernsthafte und langfristige Auseinandersetzung und Analyse. Ob Trump dies leisten kann, wird sich zeigen. LVMH jedenfalls wurde von Universum in Frankreich zum elften Mal in Folge als 'Attraktivster Arbeitgeber unter Studenten im Bereich Business und Managemant' ausgezeichnet.

Dieser Artikel wurde von Jackie Mallon geschrieben. Sie unterrichtet an verschiedenen Mode-Programmen in New York und ist die Autorin des Buches 'Silk for the Feed Dogs', ein Buch über die internationale Modeindustrie.

Titelbild: Albin Lohr-Jones / DPA, Ivanka Trump Bild: Brendan Smialowski / AFP, weitere Bilder: LVMH und Donald Trump Facebook-Seiten.

 

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