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Um Verkauf zu verhindern – Ssense beantragt Gläubiger:innenschutz

Die kanadische E-Commerce-Plattform Ssense hat Gläubiger:innenschutz beantragt.

Laut Berichten mehrerer Medien, darunter Vogue Business und The Business of Fashion (BOF), hat das Unternehmen am Donnerstag einen Antrag nach dem kanadischen Companies’ Creditors Arrangement Act (CCAA) eingereicht.

Der CCAA ist ein Bundesgesetz, das dem Insolvenzschutz vergleichbar ist und es Unternehmen ermöglicht, ihre Finanzen zu restrukturieren. Er gilt für zahlungsunfähige Unternehmen mit Verbindlichkeiten von mehr als fünf Millionen US-Dollar und bietet einen rechtlichen Rahmen, um Schulden zu reorganisieren und gleichzeitig den Geschäftsbetrieb fortzuführen. FashionUnited hat Ssense um eine Stellungnahme gebeten.

Wie aus einem von BOF eingesehenen Schreiben an die Mitarbeiter:innen des Unternehmens hervorgeht, wollen die Gläubiger:innen das Unternehmen im Rahmen des CCAA zum Verkauf stellen. In Reaktion darauf kündigte Geschäftsführer Rami Atallah an, dass Ssense einen eigenen Antrag stellen werde, um einen Verkauf zu verhindern. Innerhalb von 24 Stunden wolle man den CCAA nutzen, „um das Unternehmen zu schützen, die Kontrolle über unsere Vermögenswerte und unseren Betrieb zu behalten und für die Zukunft des Unternehmens zu kämpfen“.

Atallah zudem, dass Ssense in enger Zusammenarbeit mit Finanz- und Rechtsberater:innen einen Restrukturierungsplan erarbeitet habe, um das Geschäft zu stabilisieren und langfristig neu aufzustellen. Ein Gericht wird voraussichtlich innerhalb einer Woche darüber entscheiden, ob Ssense seinen eigenen Plan umsetzen darf oder einem verkäufer:innengesteuerten Verfahren folgen muss. Dennoch betonte der CEO, dass Ssense den Betrieb wie gewohnt fortführen werde und die Mitarbeitenden weiterhin Gehälter und Sozialleistungen erhalten.

Sind US-Zölle schuld an den finanziellen Problemen?

Die finanziellen Schwierigkeiten des in Montreal ansässigen Unternehmens wurden durch veränderte Handelspolitik in den USA verschärft. Ssense verwies auf die von der Trump-Regierung verhängten 25-Prozent-Zölle auf kanadische Importe sowie auf das Ende der sogenannten de minimis-Ausnahme, die zuvor die zollfreie Einfuhr von Waren im Wert unter 800 US-Dollar erlaubte. Beide Faktoren hätten maßgeblich zur Insolvenzanmeldung beigetragen.

Die Abkühlung im Luxussegment stellte Ssense im vergangenen Jahr vor mehrere Herausforderungen. Laut Business of Fashion sanken die Umsätze des Händlers im ersten Halbjahr 2025 im Jahresvergleich um 28 Prozent. Zudem habe das Unternehmen im Mai mehr als 100 Stellen gestrichen, was rund acht Prozent der damaligen Belegschaft entsprach.


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