„Um 50 Jahre zurückgeworfen“: europäische Modebranche reagiert auf bevorstehende „Grönland-Zölle“
Die europäische Modebranche hat bereits mit schnellen geopolitischen Veränderungen, bevorstehenden Regulierungen und unvorhersehbaren Umweltbedingungen zu kämpfen. Als ob das nicht genug wäre, fügte US-Präsident Donald Trump an diesem Wochenende weitere Sorgen hinzu. Acht Länder, die Grönlands Souveränität unterstützen, sehen sich mit einem zusätzlichen Zoll von zehn Prozent konfrontiert. Betroffen sind Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Der Zoll gilt für „alle Waren“ ab dem 1. Februar und soll am 1. Juni auf 25 Prozent erhöht werden.
Die Modebranche reagierte mit einer Mischung aus Besorgnis und strategischer Erschöpfung. Während einige Führungskräfte einfach auf einen weiteren TACO-Moment („Trump Always Chickens Out“) und eine anschließende Kehrtwende warten, hoffen andere auf ein günstiges Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA zur Rechtmäßigkeit des Zolls. Einzelhändler:innen warnten vor einem sofortigen Preisanstieg von zehn bis 15 Prozent auf europäische Importe wie französisches Leder, italienische Seide oder britische Wolle.
Branchenstimmen zwischen Abwarten und Sorge
„Während Luxusgiganten eine weitere seismische Verschiebung überwinden könnten, besteht die Befürchtung, dass kleinere, unabhängige Designer:innen nicht überleben werden. Es wird erwartet, dass aufstrebende Konsument:innen aus dem Markt gedrängt werden“, kommentierte Helen Brocklebank, Chief Executive Officer (CEO) von Walpole, dem offiziellen britischen Verband für Luxusgüter, laut The Guardian.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) kritisierte Trumps Vorgehen, Wirtschaft mit politischen Ambitionen zu verknüpfen. „Hochbrisante politische Ziele werden in unzulässiger Weise mit Wirtschaftssanktionen in Verbindung gebracht“, so DIHK-Vorstandsmitglied Volker Treier laut Guardian.
„Diese Zölle werden eine weitere Belastung für Unternehmen in unserem ganzen Land sein. Der Einsatz von Zöllen gegen Verbündete ist völlig falsch“, erklärte der britische Premierminister Keir Starmer laut Yahoo News. Er wurde zur Stimmung bei britischen Traditionsmarken und im britischen Luxussektor befragt.
„Europäische Designer:innen könnten am Ende hauptsächlich in Europa verkaufen; amerikanische Designer:innen könnten hauptsächlich in Amerika verkaufen. Das könnte die Branche um 50 Jahre zurückwerfen“, fasste der Branchenanalyst und CEO von Tomorrow London Limited, Stefano Martinetto, laut The Guardian zusammen. Er kommentierte damit den möglichen vollständigen Zusammenbruch des transatlantischen Modehandels.
Wie passen sich Luxuskonzerne an?
Der französische Luxusgigant LVMH verfolgt einen vorsichtigen, mehrstufigen Ansatz, da 23 Prozent seines Umsatzes aus dem US-Markt stammen. Analyst:innen von Morgan Stanley zufolge hat LVMH zwar normalerweise eine hohe Preissetzungsmacht. Der Luxuskonzern, zu dem Marken wie Louis Vuitton, Christian Dior, Fendi und Bulgari gehören, kann diese Zölle jedoch nur teilweise ausgleichen. Dies bestätigt die von Brocklebank geäußerte Befürchtung: Es besteht das Risiko, dass einkommensschwächere (aufstrebende) Konsument:innen, die bereits von der Inflation betroffen sind, verdrängt werden.
Im gesamten Januar hat LVMH die Lieferungen von Lederwaren und Parfums in US-Lagerhäuser beschleunigt, um die Frist am 1. Februar einzuhalten. Expert:innen gehen davon aus, dass es gegen Ende des ersten Quartals selektive Preiserhöhungen von acht bis zwölf Prozent geben könnte. Betroffen wären Kernprodukte wie die „Louis Vuitton Speedy“ oder die „Dior Lady Bag“.
Der französische Luxuskonzern Kering, zu dem Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent, Balenciaga, Bottega Veneta und andere gehören, befindet sich in einer verletzlicheren Position, da er an der Neuausrichtung der Marke Gucci arbeitet.
Im Gegensatz zu LVMH wird Kering wahrscheinlich einen Teil der Zollkosten selbst tragen, anstatt sie zu 100 Prozent an die Verbraucher:innen weiterzugeben. Das Unternehmen befürchtet, dass ein Preisanstieg die Erholung von Gucci behindern könnte.
Berichten zufolge erwägt der Luxuskonzerneine Harmonisierung der globalen Preise: Während die Preise in Europa und Asien nur leicht angehoben werden, soll die Erhöhungen in den USA moderat ausfallen. Dies soll US-amerikanische Tourist:innen davon abhalten, ihre Einkäufe in europäischen Metropolen zu tätigen, um die durch Zölle erhöhten Inlandspreise zu umgehen.
Die französische Luxusmarke Hermès signalisierte, dass sie die vollen Kosten der Zölle wahrscheinlich direkt an ihre US-amerikanische Kundschaft weitergeben werde. Damit setzt das Unternehmen darauf, dass extrem vermögende Personen, die auf Wartelisten für „Kelly“- und „Birkin“-Bags stehen, einen „Grönland-Zuschlag“ von zehn bis 25 Prozent akzeptieren.
Viele CEOs von Luxusmarken sind derzeit auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie versuchen, auf eine „Luxus-Ausnahme“ hinzuwirken, ähnlich wie sie in früheren Handelsstreitigkeiten gewährt wurde. Sollte jedoch bis zum 1. Februar keine Einigung erzielt werden, würde die erste Welle von Preiserhöhungen wahrscheinlich bis Mitte des Monats auf den US-amerikanischen E-Commerce-Websites sichtbar werden.
Was bedeutet das für US-Marken?
Die Europäische Union bevorzugt derzeit eine „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Eskalation und weicht von ihrer üblichen diplomatischen Zurückhaltung ab. Eine darauffolgende „Handels-Bazooka“ könnte bedeuten, dass die EU mit einem Maßnahmenpaket zurückschlägt. Dieses würde auf in den USA hergestellte Kleidung und Denim abzielen und somit ikonische amerikanische Marken wie Nike, Ralph Lauren, Levi Strauss und andere treffen.
Sollten diese Maßnahmen umgesetzt werden, könnten die europäischen Einzelhandelspreise von US-Marken fast über Nacht um 15 bis 20 Prozent steigen. Dies würde wahrscheinlich zu einer Umleitungsstrategie führen, bei der sie versuchen, Waren über nicht betroffene EU-Länder wie Spanien oder Italien zu verschicken.
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