Textilbündnis: KiK veröffentlicht Roadmap

Nach einem etwas holprigen Start bei seiner Gründung im Jahr 2014 hat das Bündnis für nachhaltige Textilien fünf Jahre später zum ersten Mal Fortschrittsberichte und Maßnahmepläne für eine nachhaltige textile Lieferkette aller 120 Mitglieder vorliegen. Dazu gehört auch der Textildiscounter KiK (Mitglied seit 2015), der am Montag seine Roadmap für das Jahr 2019 und seinen Fortschrittsbericht veröffentlichte, aus dem hervorgeht, dass alle Nachhaltigkeitsziele für das Jahr 2018 erreicht wurden.

„Die Veröffentlichung ist für uns ein wichtiges Zeichen, um Transparenz über unsere Nachhaltigkeitsarbeit herzustellen. Unsere Ziele sind realistisch, umsetzbar und tragen dazu bei, die Produktionsbedingungen zu verbessern. Die Verpflichtung, eine Roadmap zu erstellen, ist ein guter Ansporn, bereits bestehende Nachhaltigkeitsaktivitäten zu verstärken und als gesamte Textilbranche Verbesserungen zu erzielen“, erklärte Ansgar Lohmann, Bereichsleiter Corporate Social Responsibility bei KiK, in einer Pressemitteilung vom Montag.

Existenzlöhne stehen ganz oben auf der Agenda

Zu einem der wichtigsten Ziele gehört eine Maßnahme der Bündnismitglieder, die auf die Zahlung existenzsichernder Löhne für Beschäftigte in Produktionsländern abzielt. Hierzu wird sich KiK an der geplanten Bündnisinitiative zu existenzsichernden Löhnen in Kambodscha beteiligen, deren Ziel ein flächendeckender Tarifvertrag für die Beschäftigten ist. Zusätzlich wird das sogenannte Self-Assessment von ACT zu den bestehenden Einkaufspraktiken durchgeführt und Lieferanten in Pakistan zum Thema existenzsichernde Löhne geschult.

Was die Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit über die eigene Lieferkette hinaus angeht, dehnt KiK sein soziales Engagement in Bangladesch aus und ermöglicht neben den bereits unterstützten 1.600 Kindern und Jugendlichen durch die finanzielle Trägerschaft für eine weitere Schule in Chittagong 400 weiteren einen geregelten Schulbesuch.

Zudem erweitert KiK seine CSR-Aktivitäten auf weitere Akteure der textilen Vorkette. Hierzu werden zusätzliche Lieferanten auf Ebene der Nassprozesse erfasst und auditiert sowie weitere Lieferanten der Vorkette auf die Einhaltung des Verhaltenskodexes verpflichtet. KiK hat eine Analyse zur Ermittlung der Risiken und der potenziellen negativen Auswirkungen seiner Geschäftstätigkeit durchgeführt und hierzu den im Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte beschriebenen „Due Diligence“-Prozess implementiert.

Anteil nachhaltiger Baumwolle nur bei 1 Prozent

Was den Anteil nachhaltiger Baumwolle angeht, so hinkt KiK dem Durchschnitt der Bündnismitglieder hinterher: Während der Anteil von nachhaltiger und Bio-Baumwolle auf rund ein Drittel gesteigert werden konnte und damit nahe an der Zielmarke von 35 Prozent für 2020 liegt, steigerte KiK den eigenen Anteil nur auf 1 Prozent, was in absoluten Zahlen einer Steigerung von 151 Tonnen auf 335 Tonnen entspricht.

Was das Chemikalien- und Umweltmanagement angeht, haben sich die Bündnismitglieder verpflichtet, ab diesem Jahr 160 kritische Chemikalien nicht mehr für die Textilherstellung zu verwenden. KiK hat sich laut seiner Roadmap das Ziel gesetzt, die ZDHC-Konformität seiner eingesetzten chemischen Produkten in der Lieferkette zu steigern und wird dazu ein Pilotprojekt zur Ermittlung und gegebenenfalls Förderung der ZDHC-Konformität in Kooperation mit ein bis zwei ausgewählten Lieferanten ausarbeiten.

Chemikalien- und Umweltmanagement sind ebenfalls Priorität

Was die ordnungsgemäße und umweltgerechte Betriebsführung angeht, so wird KiK Produzenten bei der Erarbeitung einer Richtlinie zur Führung eines ordentlichen Chemikalieninventars unterstützen sowie Informationen zur ZDHC-Konformität von Textilchemikalien in die ‘KiK Good Housekeeping Guidelines’ integrieren. Auch die Kommunikation des Abwasserstandards ‘ZDHC Foundational’ soll an 100 Prozent der Produzenten und Geschäftspartner erfolgen.

Die Roadmap sowie der Fortschrittsbericht von KiK und aller weiteren Mitglieder sind auf der Website des Textilbündnisses einsehbar. „Mehr Transparenz war nie“, stellte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), in einer Pressemitteilung vom Montag fest. „Das deutsche Textilbündnis ist ein gelungenes Beispiel gemeinsamen Engagements von Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Standardorganisationen, der Bundesrepublik und der Wirtschaft. Wichtig ist eine weitere Internationalisierung, um in den globalen Lieferbeziehungen nachhaltig Veränderungen zu erreichen.“

Aber Maßnahmepläne allein bringen noch keine Veränderungen; sie müssen auch umgesetzt und zu konkret belegbaren verbesserten Lebensbedingungen für die Beschäftigten führen. Eine weitere Schwäche des Bündnisses wurde von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) angesprochen: „In Deutschland haben sich 50 Prozent der Textilbranche dem Textilbündnis angeschlossen. 100 Prozent sollten den Weg zu nachhaltiger, fair und ökologisch produzierter Kleidung gehen“, verlangte er laut DPA. Wann dies geschehen wird, bleibt abzuwarten.

Foto: KiK Nachhaltigkeitsbericht 2017

 

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