Skandal um Ausbeutung bei Zulieferern von Boohoo: Weitere Investoren schließen sich Millionenklage an

Die Klage von Aktionär:innen gegen den britischen Fast-Fashion-Anbieter Boohoo zieht weitere Kreise. Laut einem Bericht der Zeitung The Telegraph haben sich elf weitere institutionelle Investoren der Klage vor dem High Court angeschlossen. Dadurch kommen neue Forderungen in Höhe von rund zehn Millionen Britischen Pfund hinzu, womit die geforderte Gesamtsumme auf 245 Millionen Britische Pfund (289 Millionen Euro) steigt.

Zu den neuen Klägern gehören die Bank of Korea und der Stichting Shell Pensioenfonds. Letzterer ist der niederländische Pensionsfonds für Shell-Mitarbeiter:innen mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro. Auch öffentliche Pensionsfonds aus den USA wie der Illinois Municipal Retirement Fund und das Public Employees' Retirement System of Mississippi sind dabei.

Die Klage wurde ursprünglich im Mai 2024 vom California State Teachers' Retirement System eingereicht. Dieser verwaltet ein Vermögen von mehr als 417 Milliarden US-Dollar. Die Klage geht auf den Kurseinbruch von Boohoo im Jahr 2020 zurück.

Die Aktie fiel seinerzeit um 42 Prozent. Zuvor hatten Medienberichte aufgedeckt, dass Arbeiter:innen in den Fabriken in Leicester, die den Einzelhändler belieferten, nur 3,50 Britische Pfund pro Stunde erhielten. Dies lag unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Zudem arbeiteten sie unter beengten Verhältnissen. Einige Betriebe sollen während der Covid-19-Lockdowns heimlich geöffnet geblieben sein. Der Skandal vernichtete mehr als eine Milliarde Britische Pfund des Marktwerts von Boohoo.

Boohoo bestreitet Vorwürfe

Die Investoren werfen dem Mitbegründer Mahmud Kamani vor, von den Zuständen in den Fabriken in Leicester gewusst zu haben, bevor diese öffentlich wurden. Zudem habe das Unternehmen die Risiken nicht ordnungsgemäß offengelegt. In den beim High Court eingereichten Unterlagen erklärte die Londoner Anwaltskanzlei Fox Williams, die die Investoren vertritt, dass sich die Kläger auf „irreführende/unwahre Aussagen oder Unterlassungen“ des Unternehmens verlassen hätten.

Diese Haltung steht im Widerspruch zu der unabhängigen Untersuchung der Lieferkette von Boohoo. Diese wurde von der Anwältin Alison Levitt KC geleitet. Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die inakzeptablen Bedingungen in der Lieferkette „endemisch“ waren. Boohoo habe sie jedoch nicht absichtlich zugelassen oder vorsätzlich davon profitiert.

Ein Sprecher des Unternehmens, das sich 2025 in Debenhams Group umbenannte, vier Jahre nach der [Übernahme der insolventen Kaufhauskette]8https://fashionunited.de/nachrichten/business/boohoo-uebernimmt-markenrechte-und-onlinegeschaeft-von-debenhams/2021012538962), erklärte gegenüber FashionUnited: „Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe entschieden und wird sich energisch gegen jede Klage verteidigen.“

Insgesamt verklagen nun 58 Investoren den Einzelhändler. Darunter sind fünf private Anleger:innen, die sich kürzlich angeschlossen haben. 20 Investoren haben sich seit Beginn der Klage vor zwei Jahren zurückgezogen. Der Fall ist eine der aufsehenerregendsten ESG-bezogenen Wertpapierklagen vor englischen Gerichten. Er wird vor dem Commercial Court gemäß Abschnitt 90A des Financial Services and Markets Act verhandelt.


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