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SeeFeel hilft sehbehinderten und blinden Menschen bei der Auswahl ihrer Kleidung

Von FashionUnited

28. Apr. 2022

Business

Bild: SeeFeel

Jemandem, der blind oder sehbehindert ist, ist es egal, wie seine Kleidung aussieht, weil er sie nicht sehen kann. Dies ist eine der hartnäckigen und unserer Meinung nach verkehrten Meinungen, die über Kleidung für Sehbehinderte bestehen. Denn jeder hat es verdient, gut auszusehen und mit Selbstvertrauen aus der Tür zu gehen, meint die Designerin Rachel Lourens. Mit ihrer Marke SeeFeel ermöglicht sie blinden und sehbehinderten Menschen, ihre Kleidung selbst im Geschäft auszusuchen und jeden Morgen (richtig) anzuziehen.

Lourens machte vor zwei Jahren seinen Abschluss und hatte eine Vorliebe für Stoffe und Texturen. „Ich wollte etwas machen, das Wirkung hat. Die Arbeit mit Texturen brachte mich auf die Idee, dass sehbehinderte und blinde Menschen Kleidung mit mehr Textur mögen könnten." Daraufhin begann sie, die Vorlieben und Herausforderungen zu recherchieren, die blinde und sehbehinderte Menschen in Bezug auf Kleidung haben – und so wurde SeeFeel geboren. „Da ich selbst sehend bin, habe ich viele Interviews geführt, um herauszufinden, wie sich sehbehinderte Menschen bewegen und durch ihre Wohnungen gehen, aber auch, wie sie ihre Kleidung auswählen und anziehen." Sie weist darauf hin, dass es für blinde und sehbehinderte Menschen besonders wichtig ist, immer ordentlich und aufgeräumt auszusehen. „Der erste Eindruck sollte nicht so aussehen: 'Du siehst nicht gut aus, das liegt daran, dass du blind bist'. Darüber hinaus ist Kleidung auch für sie eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Die Menschen unterschätzen wirklich die Bedeutung von Kleidung, auch für Menschen mit Sehbehinderungen".

bild: SeeFeel

Ihre Arbeit zeigt, dass nicht nur sehende Menschen Vorurteile über Kleidung für Sehbehinderte haben, sondern dass es auch unter Sehbehinderten Vorurteile gibt. „Die Leute, die die ersten Entwürfe anprobierten, waren überrascht, dass ein angepasstes Kleidungsstück nicht hässlich oder altmodisch ist", sagt Lourens. Die Idee ist, modische Kleidungsstücke herzustellen, die in irgendeiner Form mit Stoffen manipuliert werden, so dass es immer etwas Interessantes zu fühlen gibt. „Aber", so betont sie, „die Kleidung ist für alle da. Für Menschen mit und ohne Sehbehinderung".

Bild: SeeFeel

In ihren Entwürfen verarbeitet sie zum Beispiel Plissee und kombiniert Denim mit Wolle. Das Etikett in der Kleidung hat eine größere Schrift mit kontrastierende Farben, um sie besonders gut lesbar zu machen. Es gibt Aufschluss über die Größe, den Preis und die Farbe. „Auf den meisten Carelabels stehen so viele Informationen in so kleiner Schrift, dass es fast unmöglich ist, sie zu lesen. Die Etiketten enthalten auch einen QR-Code zur Website, so dass eine ausführliche Beschreibung gelesen und auch angehört werden kann, sowie die Informationen in Blindenschrift. Die Artikel sind mit einem 3D-Logo versehen, so dass Menschen mit Behinderungen die Rückseite des Artikels ertasten können, so dass er immer richtig herum angezogen wird." Lourens' Arbeit ermöglicht es, Inklusion und Barrierefreiheit in der Bekleidungsindustrie auf eine ganz andere Art und Weise zu betrachten, denn obwohl die Ergänzungen von SeeFeel praktisch sind, sind sie nicht übermäßig komplex. Somit setzt SeeFeel ein Zeichen für die Barrierefreiheit in der Modewelt für Menschen mit Sehbehinderungen.

SeeFeel will die Einkaufsstraße für alle zugänglicher machen

SeeFeel hat kürzlich eine Crowdfunding-Aktion abgeschlossen, mit der Lourens das Angebot erweitern möchte. Es ist geplant, vier neue Kleidungsstücke in das Sortiment aufzunehmen und den Lagerbestand zu vergrößern, um die Lieferzeiten zu verkürzen. Im Moment mache sie nur Damenmode und das wolle sie erst einmal richtig machen, sagt sie im Telefoninterview. Aber sie schließt auch die Herrenmode nicht aus. Alle Artikel werden in den Niederlanden und so nachhaltig wie möglich produziert. Zurzeit kostet ein Oberteil beispielsweise 80 Euro und eine Jeansjacke 140 Euro. Die Kosten für die Produktion in den Niederlanden und die Kombination mit viel Handarbeit verursachen den höheren Preis. „Das ist schwierig, denn oft sind die Menschen in meiner Zielgruppe nicht diejenigen, die viel Geld ausgeben können. Das ist immer noch ein Problem, über das ich nachdenke: Wie kann ich das lösen?"

Bild: SeeFeel

Die Unternehmerin träumt groß: was ihre eigene Marke betrifft, möchte Lourens in jeder Provinzhauptstadt der Niederlande mindestens ein Geschäft haben. Hier kommt auch das Crowdfunding ins Spiel, denn um das zu realisieren, muss es natürlich genügend Lagerbestand geben. Zweitens wünscht sie sich, dass in jeder niederländischen Stadt mindestens eine ganze Einkaufsstraße für alle zugänglich ist, denn auch das ist noch eine Herausforderung. „Aber das ist ein langfristiges Ziel. Eine solche Herausforderung hält einen auf Trab."

Rachel Lourens, oprichter van SeeFeel. Bild: SeeFeel

Dieser übersetzte Beitrag erschien zuvor auf FashionUnited.nl. Übersetzung und Bearbeitung: Karenita Haalck

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