Schweizer Uhrenexporte legen im August zu – US-Geschäft bricht ein
Die Schweizer Uhrenindustrie hat im August deutlich mehr Ware ins Ausland geliefert als ein Jahr zuvor. Während Frankreich, Großbritannien und Japan kräftig zulegten, brach der wichtigste Einzelmarkt USA ein.
Die Ausfuhren stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,1 Prozent auf 1,79 Milliarden Schweizer Franken, teilte der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) am Donnerstag mit. Der gleitende Zwölfmonatsdurchschnitt drehte damit erstmals seit zwei Jahren wieder ins Plus. Nach acht Monaten liegen die Exporte mit 17,24 Milliarden Franken 1,7 Prozent über dem Vorjahr. Einzuordnen ist das Monatsergebnis allerdings durch einen zusätzlichen Arbeitstag gegenüber dem August 2025.
Der Vergleich über zwei Jahre relativiert die Erholung. Gegenüber dem August 2024 liegen die Ausfuhren 8,9 Prozent im Minus, kumuliert reicht es gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 nur für ein Plus von 0,6 Prozent. Die Branche arbeitet sich also an ein Niveau heran, das sie vor zwei Jahren schon einmal hatte.
Auf Armbanduhren entfielen im August 1,70 Milliarden Franken, ein Plus von 8,6 Prozent. Anders als in den Vorjahren wuchs auch die Menge. Knapp 1,1 Millionen Uhren gingen ins Ausland, 9,5 Prozent oder rund 95.000 Stück mehr als im Vorjahresmonat. Alle Materialgruppen legten wertmäßig zu, besonders kräftig entwickelten sich Bicolor-Modelle aus Gold und Stahl mit 20,1 Prozent, während Edelmetalluhren um 6,9 Prozent und Stahlmodelle um 2,8 Prozent zulegten.
USA fallen trotz günstiger Vergleichsbasis zurück
Die Lieferungen in die Vereinigten Staaten sanken um 19,4 Prozent auf 197,5 Millionen Franken. Der Markt kommt damit noch auf einen Anteil von 11,0 Prozent an den gesamten Ausfuhren. Bemerkenswert ist der Rückgang, weil die Vergleichsbasis niedrig lag. Schon im August 2025 waren dort nur 245,1 Millionen Franken angekommen, nach 322,1 Millionen im August 2024. Gemessen an 2024 fehlen nun 38,7 Prozent. Über acht Monate bleiben die USA mit 3,08 Milliarden Franken dennoch klar der größte Absatzmarkt, 8,3 Prozent unter dem Vorjahr, aber 8,8 Prozent über 2024.
Hintergrund der starken Ausschläge ist die mehrfach geänderte US-Zollpolitik. Seit dem 24. Juli 2026 erheben die Vereinigten Staaten auf Schweizer Importe einen variablen Zusatzzoll von bis zu 12,5 Prozent. Grundlage ist eine Untersuchung nach Section 301 des US-Handelsgesetzes von 1974 zum Handel mit Waren aus Zwangsarbeit. Bestehende Meistbegünstigungszölle werden angerechnet. Liegt dieser bei einem Produkt beispielsweise bei fünf Prozent, beträgt der Zusatzzoll noch 7,5 Prozent. Zahlreiche Produktkategorien sind ausgenommen. Die Regelung ersetzt die seit Februar 2026 geltenden Zusatzzölle von zehn Prozent nach Section 122.
Die übrigen Hauptmärkte entwickelten sich gegenläufig. Großbritannien wuchs um 46,1 Prozent auf 164,7 Millionen Franken, Japan um 22,1 Prozent auf 135,8 Millionen und China um 15,8 Prozent auf 133,5 Millionen. Hongkong kam auf 117,6 Millionen Franken und Singapur auf 116,1 Millionen. Italien bildete mit einem Minus von 40,4 Prozent die Ausnahme unter den größeren europäischen Märkten.
Für den deutschen Markt weist die Statistik im August einen Zuwachs von 34,0 Prozent auf 103,3 Millionen Franken aus. Der Monatswert täuscht allerdings über die Jahresentwicklung hinweg. Über acht Monate liegt Deutschland mit 791,8 Millionen Franken 3,7 Prozent unter dem Vorjahr und 8,9 Prozent unter 2024, auf Rang neun der wichtigsten Absatzmärkte.
Frankreich verzerrt das Bild in Europa
Am auffälligsten ist die Entwicklung in Frankreich. Die Ausfuhren dorthin schnellten im August um 113,5 Prozent auf 157,3 Millionen Franken nach oben. Über acht Monate summieren sie sich auf 1,43 Milliarden Franken, ein Plus von 73,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 65,1 Prozent gegenüber 2024. Frankreich ist damit hinter den USA zum zweitwichtigsten Markt der Schweizer Uhrenindustrie aufgestiegen und hat Japan, Großbritannien und Hongkong hinter sich gelassen.
Der Verband rät bei den Ergebnissen der EU-Länder ausdrücklich zur Vorsicht. Die untypische Position Frankreichs könne nach dem Prinzip kommunizierender Röhren zulasten anderer Märkte der Region gehen.
Nach Preissegmenten wuchsen vor allem günstige Uhren unter 200 Franken mit 13,3 Prozent sowie das Luxussegment über 3.000 Franken mit 10,2 Prozent. Modelle zwischen 200 und 500 Franken legten um 6,1 Prozent zu. Einzig die mittlere Preisklasse zwischen 500 und 3.000 Franken gab leicht um 0,9 Prozent nach.
Wie fragil die Erholung ist, zeigt der Blick auf die Zulieferindustrie. Die Ausfuhren von Uhrwerken sanken in den ersten acht Monaten um 9,3 Prozent auf 94,4 Millionen Franken, die Stückzahlen um 7,6 Prozent. Auch längerfristig bleibt der Mengenrückgang die Konstante der Branche. Nach 16,93 Millionen exportierten Armbanduhren im Jahr 2023 waren es 2024 noch 15,34 Millionen und 2025 nur 14,59 Millionen.
Gesamtwirtschaft im Rücken, Handelspolitik als Risiko
Rückenwind kommt aus der Gesamtwirtschaft. Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes hob ihre Erwartung für das Schweizer Wirtschaftswachstum am Donnerstag deutlich an. Für 2026 rechnet sie nun mit einem Plus von 1,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt, im Juni waren es noch 0,9 Prozent gewesen. Für 2027 bleibt die Prognose bei 1,6 Prozent.
Einen wesentlichen Teil des Zuwachses schreibt die Expertengruppe dem Außenhandel zu. Gestützt werde er unter anderem durch die jüngste Abwertung des Schweizer Frankens, die wechselkursexponierte Bereiche der Exportwirtschaft entlastet. Für eine Branche, die seit Jahren unter der Stärke der eigenen Währung leidet, ist das eine spürbare Erleichterung.
Die Prognose steht allerdings unter Vorbehalt. Sie beruht auf der Annahme, dass die US-Importzölle im Wesentlichen auf dem aktuellen Niveau bleiben. Weitere Anpassungen der amerikanischen Handelspolitik hält die Expertengruppe für möglich. Als zusätzliche Risiken nennt sie den Konflikt im Mittleren Osten und anhaltend hohe Energiepreise.
Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt.
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