Deutschlands größte Parfümeriekette kämpft auf dem Heimatmarkt mit Umsatzrückgängen. Tina Müller will das mit mehr Mut zu Experimenten und einem höherwertigen Angebot ändern. Doch die Konkurrenz ist hart.

Der deutsche Parfum- und Kosmetikmarkt ist umkämpft - das hat zuletzt auch Douglas zu spüren bekommen. Zwar konnte das Schönheits-Imperium europaweit seine Umsätze auch durch Zukäufe kräftig steigern. Doch daheim läuft das Geschäft der größten Parfümeriekette des Landes schleppender.

Die neue Douglas-Chefin Tina Müller will das nun ändern. Die Managerin, die bei ihrem vorigen Arbeitgeber Opel für die Kampagne «Umparken im Kopf» verantwortlich war, hat Douglas vier Monate nach ihrem Amtsantritt deshalb eine Schönheitskur verordnet. Das Beauty-Netz, das europaweit über 2500 Läden und 17 Online-Shops betreibt, soll im Angebot, aber auch im Auftreten wieder hochwertiger positioniert werden. In Deutschland will man bereits Ende April/Anfang Mai die Gestaltung der Filialen deutlich überarbeiten. Sogar der traditionsreiche Schriftzug soll aufgefrischt werden.

Müller steht unter Druck. Denn der Wettbewerb um den Milliardenmarkt mit Duftwässerchen und Schönheitsprodukten wird immer härter. Die Drogeriemarkt-Ketten dm und Rossmann haben in den vergangenen Jahren ihr Angebot an Kosmetik Schritt für Schritt ausgebaut - und das mit einigem Erfolg. «Unsere Zahlen zeigen, dass Umsatz- und Absatzbedeutung der Drogeriemärkte weiter ansteigen», berichtet der Kosmetikexperte des Marktforschers Nielsen, Enrico Krien.

Dabei beschränken sich die Drogeriemärkte durchaus nicht auf das Billigsegment, sondern gehen auch mit Prestigedüften von Armani, Calvin Klein oder Jil Sander auf Kundenfang. Auch Aldi reizt die Parfümeriehändler immer wieder mit Aktionsangeboten von Edeldüften.

Zusätzlich drängt mit der französischen Kette Sephora, einer Tochter des Luxuskonzerns LVMH (Dior, Louis Vuitton), ein neuer Wettbewerber auf den Markt, der vor allem bei jungen Kundinnen gut ankommt.

Und auch im Internet wächst die Konkurrenz. Neben bereits etablierten Händlern wie Parfumdreams und Flaconi will noch in diesem Monat auch der Online-Modehändler Zalando ins Beauty-Geschäft einsteigen. Kosmetik und Parfüm seien eine ideale Ergänzung zum aktuellen Modeangebot, ist Zalando-Co-Chef Rubin Ritter überzeugt. Mehrere hundert Millionen Euro im Jahr hofft der Händler hier langfristig umsetzen zu können. Schließlich kann Zalando künftig als erster den passenden Lippenstift und Nagellack zum neuen Outfit empfehlen.

Dass so viele Unternehmen in den Markt wollen, hat einen einfachen Grund. Laut einer Prognose der Unternehmensberatung A.T. Kearney werden die Online-Umsätze mit Schönheits- und Körperpflegeprodukten in Europa bis 2019 jährlich um über acht Prozent steigen - getrieben durch Vorlieben der jungen Generation, der sogenannten Millennials.

«Die Millennials schminken sich deutlich mehr als die Müttergeneration. Diese Generation hat eine hohe Affinität zur Kosmetik», betont Müller. Die junge Zielgruppe will Douglas künftig stärker ins Visier nehmen - und dafür auch mit Trendscouts in den USA und Asien auf die Suche nach der nächsten hippen, neuen Marke gehen.

Auch sonst will die neue Chefin dem Schönheits-Imperium mehr Dynamik verpassen. In Paris können Douglas-Kunden ihre Online-Bestellungen bereits gegen Aufpreis noch am selben Tag erhalten. Bald soll auch in der ersten deutschen Stadt ein Test mit der Blitz-Zustellung laufen. Gleichzeitig soll der Online-Shop modernisiert werden. Und es sollen mehr Service-Angebote kommen. Denkbar sei es etwa, in Berliner Filialen ein Abend-Make-up für Nachtschwärmer anzubieten.

Außerdem will Müller stärker mit neuen Ladenformaten experimentieren. Angedacht sind reine Kosmetik-Stores in besonders guten Lagen und ein Format, das die Themen Schönheit und Gesundheit verbindet und auch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel anbietet. «Wir werden in Zukunft mehr ausprobieren», verspricht Müller. (dpa)

 

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