René Lezard muss wieder auf Investorensuche gehen

Der Schwarzacher Bekleidungshersteller René Lezard sucht wieder nach Geldgebern. Der “Großinvestor” Cemsel Tekstil hat die Mehrheit der Unternehmensanteile bis jetzt nicht wie zuvor angekündigt übernommen. Jetzt weitet René Lezard seine Suche nach Investoren aus.

Der Istanbuler Textilproduzent Cemsel Tekstil hatte im vergangenen Oktober seinen Einstieg bei René Lezard bekanntgegeben, zeitnah übertrug das Unternehmen seine gesamte Beschaffung an Cemsel, der auch eine Beteiligung von 60 Prozent bei René Lezard anpeilte. Bis Mitte Juni sollte Yasar Esgin, Cemsel-Gründer und Mehrheitseigentümer der Modemarke More & More, im Zuge einer Kapitalerhöhung die Mehrheit übernehmen, aber dieser Schritt ist ausgeblieben.

Cemsel Tekstil hat keine Mehrheit an René Lezard übernommen

Die für den Einstieg Cemsels am 17. Dezember 2018 beschlossene Kapitalerhöhung sei nicht gezeichnet worden, sagte ein Sprecher von René Lezard telefonisch. Jetzt sucht das Unternehmen mithilfe von einer Kapitalerhöhung nach Investoren. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag beschloss der Aufsichtsrat das anfängliche Grundkapital der René Lezard Mode AG von 200.000 Euro zu erhöhen. Dafür sollen in den kommenden sechs Monaten bis zu 800.000 Stück Aktien ausgegeben werden. Die derzeitigen Aktionäre können im Bezugsverhältnis 1:4 neue Aktien zeichnen – was sie nicht beziehen, kann von Dritten gekauft werden.

Dass Yasar Esgin sich an der laufenden Kapitalerhöhung beteiligt, schloss der Sprecher von René Lezard nicht aus - gleichzeitig erwähnte er aber auch Gespräche mit anderen Interessenten: “Cemsel hat die Möglichkeit die neue Kapitalerhöhung zu zeichnen, mögliche andere Investoren sind auch interessiert.”

Wie steht es um René Lezard?

Wie es um die derzeitige Geschäftsbeziehung zwischen René Lezard und Cemsel Tekstil steht, ist unklar. Ungemütlich erscheint die Situation allerdings, wenn sich der zukünftige Produzent nun als Investor ziert. Die Unruhe wurde in den vergangenen Monaten spürbar als sich Herbert Schick und Sven Fritsche von ihren Aufsichtsratsposten bei René Lezard verabschiedeten. Beide waren Vertreter von Cemsel Tekstil. Der auf Unternehmensbeteiligungen spezialisierte Münchner Rechtsanwalt Sven Fritsche lehnte den für ihn vorgesehenen Aufsichtsratsvorsitz aufgrund von “Interessenkollision” ab, wie aus den Dokumenten für die Tagesordnung für die Hauptversammlung am 18. Juni hervorgeht.

Für die beiden ausgeschiedenen Mitglieder wurden nun Rechtsanwalt Ulrich-Peter Kinzl und Robert Kilian in den Aufsichtsrat gewählt. Den Aufsichtsratsvorsitz hat Ralf Meinerzag übernommen. Er ist Anleihen-Experte bei der Steubing AG, der Aktionärin von René Lezard, die die außerordentliche Hauptversammlung von dieser Woche einberufen hat. Wie er nun mit dem vom Aufsichtsrat bereits im Januar geäußerten Befund umgeht, bleibt mit Spannung abzuwarten.

Obwohl die Geschäftsergebnisse des von Januar bis März 2018 reichenden Rumpfgeschäftsjahres "wenig aussagefähig" seien, klingt in dem Bericht des Aufsichtsrats am Jahresanfang ein wenig Sorge durch. Im Rumpfjahr verbuchte René Lezard einen Verlust von 1,2 Millionen Euro bei einem Umsatz von 7,8 Millionen Euro. Die Entwicklung des ersten Quartals “führte im Aufsichtsrat zu ersten Überlegungen zu zukünftigen Alternativen einer weiter zu überarbeitenden Ausrichtung des Unternehmens”, hieß es in dem Bericht.

Der Münchener Anwalt von Cemsel Tekstil, Sven Fritsche, hat sich nicht zu den Vorgängen geäußert. Yasar Esgin konnte bisher für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Foto: Réne Lezard Facebook

 

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