Oeko-Tex: "Rückverfolgbarkeit wird zur Voraussetzung für den Marktzugang"

Rückverfolgbarkeit (Traceability) wird in der Bekleidungsindustrie zunehmend nicht mehr als Wettbewerbsvorteil wahrgenommen, sondern als Voraussetzung für den Marktzugang. So lautet die Kernaussage des gerade veröffentlichten Jahresberichts von Oeko-Tex. Denn neue gesetzliche Anforderungen in der EU, den USA und Kanada verlangen von Unternehmen immer häufiger, nachweisen zu können, woher Produkte und Rohstoffe stammen und wie sie hergestellt wurden. Unternehmen, die ihre Lieferkette vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt dokumentieren können, sind dadurch besser auf Zollkontrollen, regulatorische Prüfungen und Handelsbeschränkungen vorbereitet.

Zahl der Organic Cotton-Zertifizierungen stieg massiv an

Diesen Wandel belegt Oeko-Tex mit der eigenen Entwicklung. So ist die Zahl der Oeko-Tex Organic Cotton-Zertifizierungen innerhalb eines Jahres um 214 Prozent gestiegen. Zertifizierte Bio-Baumwolle ist inzwischen über Lieferkettenpartner:innen in mehr als 20 Ländern verfügbar. Auch die Nachfrage weiterer Labels aus der Oeko-Tex Familie stieg, etwa bei „Made In Green“, einem Label mit verifizierten Lieferkettendaten, das um mehr als 13 Prozent zulegte. Insgesamt wurden fünf Prozent mehr Oeko-Tex Zertifikate und Labels ausgegeben als im Vorjahr. Einen Rückgang um sechs Prozent verzeichnete lediglich der Oeko-Tex Leather Standard, während das bekannteste Siegel, der Oeko-Tex Standard 100, auf dem gleichen Niveau verharrte.

„Wenn ich mir die jüngsten Veränderungen in unserer Branche anschaue, bin ich mir einer Sache sicher, über die wir uns alle einig sind: Vertrauen ist zu unserer wertvollsten Währung geworden“, erklärt Dr. Alfred J. Beerli, CEO von Oeko-Tex. Trotz der komplexen neuen Vorschriften sieht er eine große Chance im Wandel: „Bei Oeko-Tex waren wir schon immer davon überzeugt, dass echter Fortschritt dann entsteht, wenn Transparenz über die bloße Einhaltung von Vorschriften hinausgeht. Unser Wachstum von 5 Prozent bei allen ausgestellten Zertifikaten und Labels in diesem Jahr beweist, dass die Branche diese Überzeugung teilt.“

EmpCo Richtlinie startet Ende September

Der regulatorische Stichtag für Nachhaltigkeitsbehauptungen rückt näher. Ab dem 27. September 2026 verlangt die EmpCo-Richtlinie der EU, dass Nachhaltigkeitssiegel auf Zertifizierungssystemen basieren, die von unabhängigen Dritten überprüft wurden. Selbst erklärte Öko-Siegel dürfen dann nicht mehr verwendet werden. Oeko-Tex-Zertifikate und Produktkennzeichnungen bleiben auch über dieses Datum hinaus konform, was laut Oeko-Tex zu einem großen Teil der Grund dafür ist, warum sich die Nachfrage in diesem Jahr so erhöht hat. CEO Beerli: "Was im September 2026 Gesetz wird, fordern wir bereits seit mehr als drei Jahrzehnten. Wir sind außerordentlich gut aufgestellt, um Unternehmen und Marken dabei zu unterstützen, diese strengen neuen Anforderungen zu erfüllen.“

Ziel: Ausbau der digitalen Rückverfolgbarkeit

Um die Digitalisierung der Rückverfolgbarkeit weiterzuentwickeln, ist Oeko-Tex in diesem Jahr zudem eine Partnerschaft mit der Rückverfolgbarkeitsplattform TextileGenesis eingegangen - zunächst als Pilotprojekt im Bereich Organic Cotton. Auf diese Weise will Oeko-Tex den Fluss zertifizierter Bio-Baumwolle entlang der gesamten Lieferkette überprüfen und den Grundstein für mehr Transparenz bei Produkten und Standorten legen. "Durch die Digitalisierung der Transaktionen für Oeko-Tex Organic Cotton gestalten wir unsere Prozesse sicher, datengestützt und skalierbar", erklärt Beerli weiter. Sobald dieses Projekt etabliert ist, soll die Digitalisierung schrittweise auf andere Zertifizierungen und Labels ausgeweitet werden.


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