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Neubau Eyewear: "Die Krise hat das Konsumverhalten der Endkunden stark beeinflusst"

Von Barbara Russ

30. Dez. 2020

Das Jahr 2020 war für alle modischen Segmente ein schwieriges. Wie eine österreichische Brillenmarke, die Brillen mit Nachhaltigkeit im Herzen entwirft und herstellt, das Jahr erlebt hat, fragte FashionUnited Daniel Liktor, Global Brand Director Neubau Eyewear. Im Interview über das Krisenjahr und das Brillengeschäft, erzählt er auch über seine Hoffnung für die Zukunft der Modebranche.

Herr Liktor, mit Brillen haben Sie im Vergleich zu anderen Modesparten das Glück, dass sie medizinisch notwendig sind. Haben Sie die Coronakrise dennoch gespürt?

Da wir international tätig sind haben wir die Coronakrise, insbesondere die Lockdowns in mehreren Phasen durchlebt. Vor allem im Frühjahr gab es einen wirtschaftlichen Einbruch, da während dem ersten Lockdown auch viele Optiker ihre Geschäfte schließen mussten. Zudem wurden seit Februar 2020 alle relevanten internationalen Fachmessen abgesagt. Diese starke Reduktion der physischen Kontakte zu unseren B2B-Kunden merken wir auch in den Zahlen. Wir haben natürlich versucht unsere Kunden dennoch bestmöglich zu betreuen – über Telefonate, Emails und Newsletter.

Bild: Daniel Liktor, Global Brand Director Neubau Eyewear

Wurde die Krise von staatlicher Seite in Österreich für Unternehmen gut gemanagt?

Generell befinden wir uns in Zentraleuropa in einer sehr glücklichen Lage. Sowohl den Unternehmen als auch den Arbeitnehmern steht ein solider Sozialstaat mit ausreichend finanziellen Mitteln und einer funktionierenden Struktur zur Seite, diese außergewöhnliche Krise zu bewältigen. Ich konnte zwischen den Hilfen in Österreich und dem, was ich von Freunden und Kollegen in Deutschland erfahren habe, keine markanten Unterschiede feststellen.

Wie präsentieren Sie aktuell Ihre neuen Modelle und hat Corona das verändert?

Aktuell verbringen wir sehr viel Zeit vor unseren Bildschirmen, um bestmöglich mit Kunden, Presse, Influencern und auch Endkunden in Kontakt zu bleiben. Für Anfang des kommenden Jahres planen wir eine „Roadshow“ in Europa, um unseren Kunden in ‚Corona‘-gerechten Einzelterminen unsere neuen Kollektionen auch persönlich präsentieren zu können.

Wo und wie haben Sie Ihre Händler getroffen oder gesprochen? Wurde anders geordert?

Bestellungen werden bei uns normalerweise größtenteils durch unsere Mitarbeiter im Außendienst aufgenommen, Nachbestellungen oder Reklamationen werden durch unseren Kundenservice abgewickelt. Durch die Umstände kommen nun auch vermehrt Bestellungen auf digitalem Wege zu uns: per Mail oder über unseren B2B-Shop.

Haben die Konsumenten anders eingekauft als sonst? Wurde mehr online gekauft und wie schwierig ist das bei Brillen?

Der Online-Umsatz hat sich definitiv gesteigert und auch der Kontakt mit Endkunden über beispielsweise Social Media hat zugenommen. Es haben uns merklich mehr Fragen zum Thema Nachhaltigkeit und den Optionen unsere Brillen käuflich zu erwerben erreicht.

Haben Sie in den letzten Monaten einen neuen Trend erkennen können?

Die Krise hat das Konsumverhalten der Endkunden stark beeinflusst. In der gesamten Fashion-Branche wurden vermehrt klare Statements in Richtung Nachhaltigkeit gesetzt. Mit unserem Motto „Neubau pioneers sustainable avantgarde“ und den dahinter befindlichen Fakten, stoßen wir bei unseren Kunden auf offene Ohren. Das Wie und Wo Produkte produziert werden, spielt auf Seite der Konsumenten eine noch gewichtigere Rolle als vor der Krise.

Welches Fazit ziehen Sie aus der Coronazeit für Ihr Label und Ihre Art, Business zu machen?

Ganz klar: wir sind auf dem richtigen Weg! Wir wollen weiterhin die nachhaltigen Vorreiter in der Brillenbranche, aber auch in der Fashion-Industrie sein, unsere Sicht auf Dinge hinterfragen und neue Wege gehen. Ganz nach dem Credo: Kleine Veränderungen können Großes bewegen. Wir werden in Zukunft noch gezielter darauf achten, dass wir ausschließlich mit Premium-Vertriebspartnern zusammenarbeiten, die bereit sind, unsere Markenphilosophie mitzutragen. Bei der Bestimmung unserer Fokusmärkte setzen wir bei Neubau ab Januar 2021 auf Länder und Regionen mit dem höchsten Potential und einer visionären Käuferschaft. So wird das Label Neubau Eyewear sich fortan rückbesinnen und den Fokus zunächst auf Europa legen. Das ist für uns eine konsequente Entscheidung in Richtung Zukunft.

Können Sie der Ausnahmesituation etwas Positives abgewinnen?

Definitiv. Wir konnten die Zeit sehr gut nutzen und haben viele interne Strukturen beleuchtet und neu organisiert. So wird Neubau ab 1.1.2021 ein eigenständiges Unternehmen, das sehr zielgerichtet und unabhängig agieren kann. Unter dem Leitgedanken „Changing the Perspective“ verfolgt die Brand mit der organisatorischen Abkopplung vom Mutterkonzern Silhouette eine chancenreiche Strategie, die neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit, Premium-Design und folglich beim Wachstum setzen soll. Unter dem Credo „Sustainable Avantgarde“ berufen wir uns mit unserer angepassten Strategie auf eine klare Design-Vision und konzentrieren uns fortan mit distinktem Design von Sonnen- und Optikbrillen auf das Premium-Segment. Mit der Neugestaltung des Portfolios verfolgen wir mit Neubau den zentralen Leitgedanken, dass High-End-Accessoires und der respektvolle Umgang mit Natur und Mensch vereinbar sind. Um dies umzusetzen, treffen wir eine bewusste Entscheidung hin zu einem konzentrierten Angebot, das der neuen, zeitgemäßen Ausrichtung Ausdruck verleiht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Mode?

Dass sich die Industrie weg von Fast hin zu Slow Fashion und der damit verbundenen Handwerkskunst entwickelt. Wir wünschen uns mehr Premium-Produkte und -Marken am Markt, für die es selbstverständlich ist eine soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen.

Bilder: 1. Daniel Liktor, 2. Neubau Eyewear Kampagnenbilder, mit freundlicher Genehmigung der Marke