Medien: Marke Bally steht unter Aufsicht des Konkursamts
Die Zukunft der Schweizer Marke Bally, die zur US-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Regent LP gehört, trübt sich weiter ein. Die Markenrechte sollen unter die Aufsicht des Konkursamts Lugano gestellt worden sein, berichten verschiedene Medien unter Berufung auf die Schweizer Tageszeitung La Regione. Zuvor hatte das Bezirksgericht Lugano die Übertragung der Markenrechte an die Aare LLC, ein im Mai gegründetes US-Unternehmen, blockiert.
Die Schweizer Presse berichtet, dass diese Vorgänge den Verdacht einer gezielten Entwertung des Unternehmens nähren. Ziel sei es, die Vermögenswerte ohne die Last der Altschulden von rund 100 Millionen Schweizer Franken zurückzuerwerben. Regent soll zudem das Angebot des Schweizer Unternehmers Roberto Martullo abgelehnt haben, der 2024 den Schuhhersteller Künzli übernommen hatte. Dieser sei am gesamten Unternehmen einschließlich der Marke interessiert gewesen. Gegenüber La Regione erklärte Martullo, dass die Übernahme ohne die Marke, die als wichtigster Vermögenswert gilt, keinen Sinn ergebe.
FashionUnited hat Regent um eine Stellungnahme gebeten.
Gewerkschaft fordert Klarheit
„Die in La Regione veröffentlichten Informationen zur Situation von Bally werfen immer ernstere Fragen bezüglich der dem Unternehmen ab dem 15. Juni gewährten Nachlassstundung auf", teilte die Tessiner Gewerkschaft OCST am 24. Juli mit. Die christlich-soziale OCST ist die größte Gewerkschaft des Kantons und hat über 40.000 Mitglieder aus allen Branchen und Berufen.
„Öffentlichen Berichten zufolge hat der Unternehmer Roberto Martullo ein Übernahmeangebot unterbreitet. Dieses zielte darauf ab, einen Teil der Geschäftstätigkeit, einige Arbeitsplätze und die Marke zu erhalten", so die Gewerkschaft. „Sollte sich die Ablehnung dieses Vorschlags bestätigen, wird es umso dringlicher zu verstehen, welche unternehmerische Strategie für Bally verfolgt wird. Zudem muss geklärt werden, welche konkreten Perspektiven für die Arbeitnehmer:innen bestehen."
„In den letzten Monaten hat die OCST immer wieder betont, dass unser Kanton Unternehmer:innen braucht, die durch Arbeit, Produktion und lokale Verankerung Werte schaffen. Wir brauchen keine Operationen, die Gefahr laufen, nur Schulden und soziale Folgen zu hinterlassen", betonen die Gewerkschaftsvertreter:innen in der Mitteilung. „Wenn sich bestätigt, dass ein Kaufangebot, das Aktivitäten, Arbeitsplätze und Lieferantenbeziehungen sichern könnte, abgelehnt wurde, muss die Eigentümerseite erklären, welche besseren Alternativen sie verfolgt. Sie muss auch begründen, warum dieser Vorschlag nicht als prüfenswert erachtet wurde."
„Die OCST will weder die Behörden bei der Sachverhaltsfeststellung ersetzen noch Spekulationen schüren", bekräftigt die Gewerkschaft. „Die Ereignisse der letzten Monate werfen jedoch Fragen auf, auf die Arbeitnehmer:innen, Gläubiger:innen und die Öffentlichkeit klare Antworten verdienen. Dies reicht von der Verschlechterung der finanziellen Lage über die laufenden Verfahren bis hin zu den Diskussionen über die strategischen Vermögenswerte des Unternehmens." Die Gewerkschaft vertraue darauf, dass die zuständigen Behörden den Fall mit größter Aufmerksamkeit verfolgen und alle notwendigen Untersuchungen durchführen.
Mitte Juni war über die Bally Schuhfabriken AG die provisorische Nachlassstundung verhängt worden, ein Verfahren, das einen drohenden Konkurs abwenden soll. Die Verschuldung dieser Gesellschaft wurde von der OCST auf rund 20 Millionen Schweizer Franken geschätzt. Betroffen sind noch rund 100 Beschäftigte in der Verwaltung, die über die Schließung der Fabrik hinaus tätig bleiben sollten. Vor zwei Jahren arbeiteten am Tessiner Standort noch etwa 250 Personen. Regent hatte Bally im August 2024 von der JAB Holding übernommen.
Bereits im Mai war ein Sozialplan vereinbart worden, nachdem 27 Entlassungen auf Ende August angekündigt worden waren. Während der Verhandlungen hatte die OCST ausdrücklich Garantien für die Bereitstellung der notwendigen Mittel gefordert, mit denen die Begleitmaßnahmen für die betroffenen Arbeitnehmer:innen finanziert werden sollten. Bally habe auf diese Forderungen stets positiv geantwortet und die eingegangenen Verpflichtungen bestätigt, betonte die OCST.
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