Luxusbranche erholt sich, doch der Glanz vergangener Jahre bleibt vorerst aus
Der Umsatz großer Luxusmarken zeigte im ersten Halbjahr nach einer Phase der Verlangsamung wieder Wachstum. Die Belebung wird vor allem von den Vereinigten Staaten und einer vorsichtigen Verbesserung des chinesischen Marktes getragen. Das Niveau der Jahre direkt nach der Pandemie bleibt jedoch außer Reichweite, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.
Der französische Weltmarktführer LVMH meldete am Montag ein vergleichbares Umsatzwachstum von zwei Prozent für das erste Halbjahr, wobei sich das Wachstum im zweiten Quartal beschleunigte. Das französische Modehaus Hermès schnitt mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von gut sechs Prozent stärker ab. Auch bei dem Hersteller der Birkin-Tasche nahm das Wachstum im zweiten Quartal weiter zu.
Auch der französische Luxuskonzern Kering, der in den letzten Jahren mit der nachlassenden Anziehungskraft seiner Flaggschiffmarke Gucci zu kämpfen hatte, meldete ein leichtes Umsatzwachstum im zweiten Quartal. Dies war das erste Mal seit zwei Jahren, woraufhin die Aktie des Konzerns an der Börse höher schloss.
Obwohl der Konflikt im Nahen Osten die Nachfrage nach Luxusprodukten weiterhin beeinflusste, kehren die Konsument:innen allmählich in die Luxusboutiquen zurück. Laut der Unternehmensberatung Bain & Company verlor der Luxusmarkt zwischen 2024 und 2025 rund 20 Millionen Kund:innen, nachdem in den Vorjahren bereits etwa 50 Millionen abgesprungen waren. Preiserhöhungen, Zweifel an der Produktqualität und die abkühlende chinesische Wirtschaft spielten dabei eine wichtige Rolle.
Für die Erholung im ersten Halbjahr konnten sich die Luxusunternehmen vor allem auf den amerikanischen Markt verlassen. Die starke Leistung der Finanzmärkte und das Vermögenswachstum bei wohlhabenden Konsument:innen kurbelten dort die Nachfrage an.
Fokus auf kreative Erneuerung und aufstrebende Kund:innen
Zudem zeigen die Maßnahmen, die Unternehmen ergriffen haben, um die Wachstumsverlangsamung aufzufangen, erste Ergebnisse. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Bindung der sogenannten ‘aufstrebenden’ Kund:innen. Diese Konsument:innen gehören nicht zu den Superreichen, tragen aber maßgeblich zum Verkaufsvolumen bei.
„Unternehmen, denen es gelingt, die Mittelschicht und die aufstrebenden Kund:innen an sich zu binden, schneiden besser ab“, sagt Luca Solca, Branchenspezialist bei Bernstein, gegenüber AFP. „Es gibt viele ‘Luxuswaisen’: Menschen, die gerne Luxusprodukte kaufen würden, sich diese aber nicht leisten können.“
Auch die Wechsel an der kreativen Spitze der Modehäuser zeigen laut der Branche erste Wirkung. LVMH führt das beschleunigte Wachstum im zweiten Quartal unter anderem auf den Erfolg der ersten Entwürfe von Jonathan Anderson für das französische Modehaus Christian Dior zurück.
„Die Mode erholt sich dank kreativer Erneuerung durch eine neue Generation von Kreativdirektor:innen; dazu gehören Michael Rider bei Celine, Sarah Burton bei Givenchy und Maria Grazia Chiuri bei Fendi. Die Modehäuser kehren zu den Grundlagen zurück: Produkt, Kreation und Erlebnis“, so Christophe Caïs, Direktor der Luxusberatung CXG, gegenüber AFP.
Zudem verzeichnen Luxusunternehmen ein erneuertes Interesse aus China. Dieser Markt war jahrelang ein wichtiger Wachstumsmotor, verlor aber durch die wirtschaftliche Abkühlung im Land an Kraft.
Analyst:innen bezweifeln jedoch, ob die außergewöhnlichen Wachstumsraten von vor einigen Jahren zurückkehren werden. Der chinesische Markt hat ihrer Meinung nach noch nicht zu seiner früheren Dynamik zurückgefunden.
Der Vorstandsvorsitzende von Hermès, Axel Dumas, sagte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen, dass er „noch keine grundlegende Erholung“ in der Region sehe. Seiner Meinung nach ist die Situation zwar stabil, aber es fehle die frühere Dynamik.
„Die Branche wird das zweistellige Wachstum der Jahre 2021 bis 2023 nicht wieder erreichen, und das ist gesund. Diese Jahre waren eine post-pandemische Anomalie, angetrieben durch angesparte Ersparnisse und Preisinflation. Was wir jetzt sehen, ist eine Rückkehr zu einem Wachstum, das verdient werden muss, anstatt selbstverständlich zu sein“, schließt Caïs.
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