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„Luxus, der Sinn ergibt": Mantù startet strategisch in Deutschland

Mantù expandiert nach Deutschland. Das italienische Ready-to-Wear-Label von Angela Picozzi hat sich den Münchner Die Kaufleute Showroom als Partner für den deutschsprachigen Markt gesichert. Ein strategischer Schritt für eine Marke, die bereits seit über einem Jahrzehnt in den USA und Japan etabliert und weltweit in 75 bis 80 Verkaufspunkten vertreten ist.

Strategische Expansion nach Deutschland

Mantùs Eintritt in den deutschsprachigen Markt ist der nächste logische Schritt nach den USA, Japan und ersten Erfolgen im arabischen Raum. Die Partnerschaft mit dem Die Kaufleute Showroom entstand jedoch fast zufällig. Picozzi erzählte, man habe die Münchner Agentur ursprünglich wegen eines anderen Projekts getroffen.

Die Entscheidung fiel dennoch nicht willkürlich, sondern weil die Verbraucher:innenbasis perfekt zu Mantùs Philosophie passt: „Qualitätsorientiert, anspruchsvoll und wertschätzend gegenüber dezentem Luxus", so Picozzi. Überstürzt wird beim Aufbau der Präsenz in Deutschland dennoch nichts. „Wenn der Markt bereit ist und wir den richtigen Partner haben, gibt es keinen Grund, sich zu beeilen und Fehler zu machen. Wir brauchen Stabilität und nachhaltiges Wachstum."

Angela Picozzi Credits: Mantù

Neben Deutschland stehen auch andere Märkte im Fokus. Die Zusammenarbeit mit Maison Pyramide für den arabischen Markt läuft bereits, die Niederlande sind ebenfalls geplant. China und Malaysia stehen auf dem Radar, aber es sei noch zu früh. „Wir müssen diese Märkte erst verstehen", so Picozzi.

Erste Erfahrungen in Märkten jenseits des Heimatlandes sammelt die Marke schon seit Jahren. Die Expansion startete vor über einem Jahrzehnt in den Vereinigten Staaten, Japan folgte kurz darauf. Beide Märkte sind bis heute die wichtigsten für Mantù. „Die USA waren uns gegenüber sehr offen. Kund:innen schätzten unsere Geschichte und verstanden den Unterschied zwischen dem, was wir tun, und dem, was andere Marken tun. Japan war ähnlich. Diese Märkte schätzen Qualität, Liebe zum Detail und die Geschichte hinter dem Produkt."

Mantù SS26 Credits: Mantù

Interessanterweise ist ausgerechnet Italien ein schwieriger Markt für Mantù. „In Italien geben Kund:innen der Marke viel Wertschätzung, sie ist aber noch nicht so bekannt", erklärt Picozzi. Kollaborationen mit Multibrand-Stores – in Capri, Portofino, Neapel und im Cipriani in Venedig – sollen das nun ändern.

Ein Familienerbe: Von Margiela bis Mantù

Picozzis Mutter Graziella gilt als eine der einflussreichsten technischen Schnittmacherinnen ihrer Generation. Ihre Expertise war entscheidend für die Arbeit von Martin Margiela in seiner frühen Solo-Karriere. Nachdem sie zuvor ihre eigene Marke Deni Cler gegründet hatte, holte sie Margiela 1988 als Beraterin an Bord. Margiela benötigte damals dringend eine rechte Hand, die seine bahnbrechenden Entwürfe in tatsächliche Kleidungsstücke umsetzen konnte.

„Selbst wenn man gute Designer:innen hat, aber nur schlechte Schnittmacher:innen, wird dabei nichts Richtiges herauskommen", reflektiert Picozzi im Gespräch mit FashionUnited. Diese Philosophie wurde zum Fundament für Castor Fashion, das Prototyping- und Produktionsunternehmen, das sie später in Mantua gründete – etwa 45 Kilometer von Verona entfernt.

Castor verbindet handwerkliches Können mit industrieller Präzision und bietet Design, Prototyping und vollständige Produktionsdienstleistungen für in Italien hergestellte Modekollektionen an. Die Kund:innen stammen allesamt aus dem Luxussegment und umfassen Namen wie Elie Saab, Gabriela Hearst, Giambattista Valli und Longchamp. Das Unternehmen verzeichnete zuletzt ein zweistelliges Wachstum mit einer durchschnittlichen Steigerung von 30 Prozent in den vergangenen Jahren – in einer Zeit, in der viele Luxusmarken kämpfen. „Wir bleiben unseren Werten treu. Wir täuschen die Menschen nicht. Wir garantieren Qualität", erklärt Picozzi den Erfolg.

Mantù SS26 Credits: Mantù

Eine strategische Partnerschaft mit einer Industriegruppe ermöglicht es Castor zudem, Produkte komplett zu vertikalisieren – vom Garn bis zum fertigen Kleidungsstück – und damit Lösungen für Preisprobleme zu finden, ohne die Qualität zu kompromittieren. „Was wir bieten, ist nicht nur die Herstellung, es ist die Übersetzung von Ideen in ein Produkt, das im realen Markt funktioniert", so die Geschäftsführerin.

Neben der Produktion in Italien arbeitet das Unternehmen auch mit Partner:innen in Europa, etwa in Albanien. „Wir bevorzugen ein korrekt gemachtes Made in Europe gegenüber einem Made in Italy, das kein echtes Made in Italy ist", betont Picozzi.

Mantù: Die Marke mit der geheimen Zutat

In diesem Umfeld wurde 2008 Mantù 2008 geboren, ein Label, das sowohl Castors technische Meisterschaft als auch Picozzis Wunsch widerspiegelt, eine Marke zu schaffen, die mit der Endkundin in Verbindung tritt. Das Label basiert auf der Philosophie, Kreativität mit Praktikabilität zu verbinden. Picozzi betont, dass Mantù für echte Frauen entworfen wird, mit Kleidungsstücken, die tragbar, gut geschnitten und elegant dezent sind. Die Passform bezeichnet sie als „geheime Zutat" der Marke: „Wenn man es nicht anprobiert, sieht man es nicht."

Diese Liebe zum Detail geht so weit, dass Mantù die Schnitte für verschiedene Märkte anpasst. „In Japan müssen die Ausschnitte höher sein, in Amerika wollen sie eine andere Passform." Diese enge Verbindung zwischen Produktentwicklung und Marktkenntnis ist ungewöhnlich in der Branche. „Normalerweise sind Schnittmacher:innen nicht mit dem Markt oder der Endkundin verbunden. Das ist unsere Stärke."

Mantù SS26 Credits: Mantù

Möglich wird das durch die sich gegenseitig verstärkende Beziehung zwischen Mantù und Castor. Mantù liefert Einblicke in Verbraucher:innenpräferenzen und Markttrends, während Castor technische Präzision und Zuverlässigkeit in der Produktion gewährleistet. „Mantù lernte von Castor, dass Aufmerksamkeit für die Endkund:innen entscheidend ist und dass Präsentation wichtig ist. Castor lernte von Mantù, dass Kleidungsstücke pünktlich ankommen müssen, damit Geschäfte sie verkaufen können." „Was du kaufst und was du siehst, ist der Preis, den du bekommst", erklärt Picozzi die Transparenz-Philosophie. Mantù passt sich steigenden Kosten an, indem es sorgfältig Stoffe auswählt, Einstiegsoptionen anbietet und Produktionsprozesse optimiert. „Die Stoffpreise sind stark gestiegen, aber wir wissen, wie wir damit umgehen. Qualität bleibt unsere Priorität."

In der Zukunft konzentriert sich Mantù weiterhin auf Großhandelspartnerschaften, erkundet selektiv Online-Verkäufe und plant die Eröffnung von Einzelhandelsgeschäften mit strategischen Investor:innen. „Das Hauptziel ist es, mit Kund:innen zu arbeiten, die solide sind, die das Produkt kaufen und verkaufen. Gesundes, zuverlässiges Wachstum ist die Priorität. Wir gehen zu Händler:innen und erklären, warum das Produkt existiert und was es besonders macht. Sonst ist es nur ein weiteres Label im Regal."


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