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Lenzing Nachhaltigkeitsbericht 2024: Netto-Null-Ziel rückt näher

Von Simone Preuss

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Hauptsitz im österreichischen Lenzing. Bild: Lenzing

Der österreichische Faserhersteller Lenzing AG hat neben seinem Geschäftsbericht auch den Nachhaltigkeitsbericht 2024 veröffentlicht, und zwar erstmals in Übereinstimmung mit den Vorschriften der European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Demnach aktualisierte die Lenzing AG 2024 ihre Klimaziele, um ihr Engagement für den Klimaschutz an den Zielen des Übereinkommens von Paris zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius auszurichten. Sie ist eigenen Aussagen zufolge derzeit „der einzige Produzent von regenerierten Zellulosefasern mit einem überprüften, wissenschaftlich fundierten Netto-Null-Ziel“.

Die folgenden acht Themen wurden als wesentlich definiert: Klima & Energie, Wasser & Verschmutzung, Biodiversität & Ökosysteme, Kreislaufwirtschaft & Ressourcen, verantwortungsvolle Holzbeschaffung, nachhaltige Innovationen & Produkte, Menschenrechte & faire Arbeitspraktiken, Unternehmensethik und Transparenz.

Um sowohl die kurzfristigen als auch langfristigen wissenschaftlich fundierten Ziele zu erreichen, setzt Lenzing derzeit einen Klimaaktionsplan um, der Bestandteil der Unternehmensstrategie ist und vom Vorstand genehmigt wurde. In den vergangenen Jahren investierte das Unternehmen etwa in eine Photovoltaikanlage und ein Biomassekraftwerk für ihre österreichischen Standorte.

Zudem investierte der Konzern mehr als 200 Millionen Euro, um die Produktionsstandorte in China und Indonesien zu modernisieren. Die Umbaumaßnahmen, die neben der Umrüstung auf Kapazitäten für Spezialfasern auch die Reduzierung der spezifischen Emissionen zum Ziel hatten, wurden 2023 umgesetzt. Mit der Inbetriebnahme zweier Gasturbinen am chinesischen Standort erreichte Lenzing im Berichtsjahr einen weiteren Meilenstein bei der Umstellung der Energieversorgung von Kohle auf Erdgas.

CO2-Emissionen

Der Konzern gibt zu, dass die Herstellung von Faserzellstoff­ und Fasern energieintensive Prozesse seien, die für ihn eine Herausforderung darstelle. Das Unternehmen verzichtet daher soweit wie möglich auf fossile Energie und ersetzt diese durch erneuerbare Energiequellen. Investitionen in hochmoderne Technologien und Herstellungsprozesse mit geringer CO2-Emission haben hier dazu beigetragen, die Energieeffizienz zu erhöhen und die gesamten Treibhausgas-Emissionen des Unternehmens zu verringern. Die Non-Profit-Organisation CDP setzte das Unternehmen daher zum vierten Mal in Folge auf die A-Liste in der Kategorie „Klimawandel“.

Die Lenzing AG konnte die spezifischen Treibhausgasemissionen seit 2017 um 41 Prozent verringern und ist damit auf Kurs, ihre wissenschaftlich fundierten Ziele zu erreichen.

Abwasseremissionen

Neben der vollständigen Inbetriebnahme einer modernisierten Abwasseraufbereitungsanlage am indonesischen Standort führte Lenzing im Berichtsjahr auch weitere Maßnahmen zur Implementierung einer neuen Abwasseraufbereitungsanlage am Standort Grimsby (UK) durch. Die Inbetriebnahme der Anlage, in die Lenzing seit 2021 24 Millionen Euro investiert, ist für 2025 geplant. Nach Abschluss dieses Projekts sollen die Abwasseremissionen am Standort um bis zu 80 Prozent reduziert werden.

Nachhaltige Innovationen

Lenzing präsentiert zudem hydrophobe Zellulosefasern für nachhaltige Vliesstoffe, die durch ihre Eigenschaft, Flüssigkeiten an ihrer Oberfläche weiterzuleiten, völlig neue Produktlösungen für Hygieneanwendungen bieten, welche bis dato nur durch den Einsatz von Kunststoffasern erzielt werden konnten.

Gemeinsam mit dem Technologie-Start-up Exponent Envirotech wurde eine wasserlose Färbetechnologie für regenerierte Zellulosefasern eingeführt, die den Wasser- und Farbstoff­verbrauch um 95 Prozent beziehungsweise 40 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen wasserbasierten Färbeverfahren verringert.

Textilrecycling

Im Bereich Textilabfälle arbeitete Lenzing gemeinsam mit dem Experten für Lederalternativen Recyc Leather neue Schuhmaterialien aus Tencel Lyocellfasern und recycelten Lederfasern auf den Markt, die sich durch geringere Umweltauswirkungen auszeichnen.

Das Projekt „Glacial Threads: From Forests to Future Textiles“ verbindet Gletscherschutz und Textilrecycling: Gemeinsam mit Partnern arbeitet Lenzing derzeit daran, Geotextilien aus biologisch abbaubaren Lenzing-Fasern nach ihrer Verwendung zu neuen Textilfasern zu verarbeiten. Das Pilotprojekt wurde bei den CNMI Sustainable Fashion Awards 2024 in Mailand mit dem „Biodiversity and Water Award“ ausgezeichnet.

Im Rahmen des im letzten Jahr ins Leben gerufenen Projekts Cellfil, das mit 6,9 Millionen Euro durch die EU mitfinanziert wird, arbeitet Lenzing mit der Non-Profit-Organisation RTDS Gruppe und 13 weiteren Partnern aus Forschung und Industrie zusammen, um die Skalierung von Lyocell-Filamenten zu fördern.

Seit 2021 arbeitet Lenzing zudem mit dem schwedischen Zellstoffproduzenten Södra zusammen, um gemeinsam neue Verfahren für das Recyceln von Alttextilien im industriellen Maßstab zu entwickeln. Das Projekt wurde 2023 im Rahmen des Programmes LIFE 2022 mit einem Zuschuss der EU von 10 Millionen Euro unterstützt.

Der Faserhersteller stellte zum gleichen Zeitpunkt auch die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2024 vor.

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