Laufsport, Chefwechsel und Modehaus-Übernahmen – was die Woche bewegte

Der Laufsport bleibt das Feld, auf dem sich Sport- und Modemarken derzeit am sichtbarsten sortieren. On startet mit prominenter Verstärkung eine ganz neue Kategorie, rund um den Berlin-Marathon bespielen Marken die Stadt, und zwischen New Balance und Decathlon landet ein Streit um ein Logo vor Gericht. In den Führungsetagen war die Woche ebenso bewegt. Armani besetzt eine Kreativposition erstmals außerhalb der Familie, bei Hugo Boss sichert sich der Großaktionär den Aufsichtsratsvorsitz, und von Jil Sander über Lycra bis Just Brands wurden weitere Posten neu vergeben. Im deutschen Modehandel geht die Konsolidierung derweil weiter, während ein bekannter Hemdenhersteller einen Investor sucht.

Business

Eine der ältesten Affären der Luxusbranche bekommt neue Konturen. Eine Untersuchung der Nachrichtenagentur Reuters zeigt, dass LVMH bereits 2002 eine vertrauliche Vereinbarung über den Kauf von Hermès-Aktien schloss. Vertragspartner war der damalige Vermögensverwalter des Hermès-Erben Nicolas Puech.

Im deutschen Mittelstand wird die Eigentümerfrage konkreter. Der Bielefelder Hemdenhersteller Seidensticker hat einen strukturierten Prozess zur Gewinnung eines strategischen Investors eingeleitet und dafür eine M&A-Beratung mandatiert. Das Modehaus Hiestermann aus Bergen übernimmt zum Jahreswechsel das Modehaus Schlichtmann in Gronau samt gesamtem Team, der bisherige Inhaber geht nach mehr als 30 Jahren in den Ruhestand. Auf der Materialseite prüft das finnische Technologieunternehmen Spinnova die vollständige Übernahme des portugiesischen Garnspinners Tearfil und hat dazu eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet.

Im Laufsegment verschärft sich der Ton. New Balance hat zwei US-Töchter von Decathlon wegen Markenrechtsverletzung verklagt und fordert einen Rückruf. Strittig ist, ob das Zeichen der Decathlon-Laufmarke Kiprun als K oder gespiegelt als N gelesen wird. Der Handelsverbund Sport 2000 ordnet unterdessen sein 2017 gestartetes Netzwerk Sneaker Force neu und führt es künftig als Sportstyle Experts, um das Lifestyle-Segment sichtbarer zu machen. Ein Stück Sportgeschichte kehrt außerdem kurz zurück, denn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft läuft am 24. September in Amsterdam im Retro-Auswärtstrikot von 1990 auf, kurz vor dem Ende der Ära mit Adidas.

Bei den Geschäftszahlen überwog das Plus. Die Mytheresa-Mutter LuxExperience steigerte den Umsatz im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 auf 653,6 Millionen Euro. Amer Sports hob vor einem Investorentag die Prognose für das laufende Quartal an und rechnet nun mit einem Umsatzplus von 20 bis 22 Prozent. Takko Fashion erreichte mit 381 Millionen Euro den höchsten Quartalsumsatz der Unternehmensgeschichte, und Bijou Brigitte hob die Ergebnisprognose für 2026 an, allerdings vor allem wegen eines abgeschlossenen Rechtsfalls.

Im Handel wird um Bindung und Distanz zugleich gerungen. Mango hat sein überarbeitetes Treueprogramm auf sechs europäische Märkte ausgeweitet, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Primark dagegen plant den in Großbritannien angekündigten Lieferservice vorerst nicht für den deutschen Markt und bleibt hier bei Click & Collect. Die KaDeWe-Gruppe führt ihre drei Luxuswarenhäuser unter der neuen Dachmarke „Houses of KaDeWe" zusammen und gibt KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger damit einen gemeinsamen visuellen Auftritt.

Auf der Regulierungsseite nimmt der Druck auf Billigimporte zu. Das Europäische Parlament hat einer Bearbeitungsgebühr für kleine Pakete aus Drittstaaten ab November zugestimmt, zahlen sollen die Handelsplattformen, die Höhe legt die EU-Kommission noch fest. Parallel protestierten Aktivist:innen von Greenpeace vor einem Berliner Pop-up-Store von Shein gegen Wegwerfmode. Einen anderen Weg geht Hessnatur, das als erstes Unternehmen den neuen Global Responsible Textile Standard nutzt, mit dem sich künftig auch Fasern außerhalb des Bio-Bereichs zertifizieren lassen.

In New York ging es um Selbstvergewisserung und um einen Eklat. Die New York Fashion Week setzte nach Jahren der Debatte über ihre Relevanz demonstrativ auf lokale Talente und heimische Fertigung. Überschattet wurde die Woche von einer körperlichen Auseinandersetzung bei einer Schau, nach der der Chef des Modeverbands CFDA beurlaubt wurde. Er entschuldigte sich öffentlich und räumte ein, unangemessen reagiert zu haben.

Mode

Der größte Kategoriestart der Woche kommt aus der Schweiz. On steigt in den Fußballmarkt ein und holt dafür Kylian Mbappé als Entwicklungspartner und globalen Markenbotschafter, Thierry Henry übernimmt die Position des Director of Football. Technologisch will die Marke ihr robotergestütztes Sprühverfahren LightSpray auf die Anforderungen des Profifußballs übertragen.

Wie stark der Laufsport inzwischen als Handelsmoment gilt, zeigt sich in Berlin. Zum BMW Berlin-Marathon am Sonntag, 27. September, richten Zalando, Hoka und Soar eigene Flächen und Programme in der Stadt ein, vom mehrtägigen Eventraum am Kurfürstendamm bis zum temporären Hub mit Blick auf die Strecke. Erwartet werden deutlich über 56.000 Aktive aus mehr als 160 Nationen.

Von den Laufstegen kommen drei klare Linien. In New York ersetzen Fransen für Frühjahr/Sommer 2027 das seit dieser Saison verbotene Pelzmaterial und liefern Bewegung, Tiefe und taktilen Luxus. Die Seoul Fashion Week setzte in derselben Saison auf neu interpretierte Trenchcoats, monochromes Weiß, Kobaltblau und Denim. In der Herrenmode wiederum löst der Schnürschuh den klobigen Sneaker ab, von Dior Homme über Egonlab bis Louis Vuitton, allerdings in weicherer und lässigerer Auslegung.

Zum Schluss ein Blick auf die Arbeitsbedingungen hinter den Kollektionen. Anlässlich der abgesagten Galliano-Ausstellung des Metropolitan Museum of Art fragt ein Kommentar, wie viel sich am Pakt zwischen der Mode und ihren Kreativen tatsächlich geändert hat. Die Branche spreche heute über Burnout und mentale Gesundheit, der Produktionsdruck aber sei weitgehend unberührt geblieben.

Personalien

Den meistbeachteten Machtwechsel vollzog Hugo Boss. Zunächst legte Aufsichtsratschef Stephan Sturm sein Mandat zum 15. Oktober nieder, nachdem die Frasers Group ihre Unterstützung infrage gestellt hatte. Wenige Tage später wurde Michael Murray, Vorstandschef von Frasers, zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Der britische Großaktionär hält fast 48 Prozent und strebt weiter die Mehrheit an.

Im Luxussegment wurde gleich mehrfach neu besetzt. Dario Vitale übernimmt mit sofortiger Wirkung die Kreativdirektion für Emporio Armani und die Accessoires von Giorgio Armani und ist damit der erste Designer auf diesen Positionen, der nicht zur Familie Armani gehört. Bei Jil Sander trat Marco Viganò die Nachfolge an der Spitze an, zuvor war er bei Moncler tätig. Kering beförderte Sophie Maddaloni zur General Secretary und holte sie damit ins Executive Committee, und bei Autry übernimmt Danilo Piarulli nach 13 Jahren bei Golden Goose die Geschäftsführung.

Auch im Sport- und Plattformgeschäft wurde umgebaut. Nike holte Alexandre Arnault, stellvertretender Geschäftsführer von Moët Hennessy, in den auf zwölf Mitglieder vergrößerten Verwaltungsrat. JD Sports Fashion ernannte John Mersho zum Chef des nordamerikanischen Geschäfts und Mike Grimes zum globalen Marketingleiter. Bei Ebay rückt Saskia Meier-Andrae auf eine neu geschaffene Europaposition und führt das gesamte EU-Marktplatzgeschäft, den deutschen Markt behält sie zusätzlich.

Im deutschsprachigen Raum ordneten mehrere Anbieter ihre Strukturen neu. Just Brands bündelt die DACH-Verantwortung ab 1. Oktober bei Andreas Firneburg, die bisherige Position des Country Managers Germany von PME Legend entfällt. Fynch-Hatton legt die Produktkompetenzen der Menswear laut einem Fachbericht erstmals in eine Hand und holt dafür Florian Diebel. Bei Wolford wurde der Vorstandsvertrag von Ralf Polito bis Juli 2028 verlängert, und die Lycra Company besetzte ihre Spitze rund ein halbes Jahr nach dem Insolvenzverfahren mit Hua Du neu.

Einzelhandel

Die Integration der ehemaligen Eckerle-Häuser nimmt Fahrt auf. Papenbreer eröffnete den Standort in der Hannoveraner Karmarschstraße unter eigenem Namen, wenige Tage später folgte das Augsburger Haus am Rathausplatz mit erweitertem Sortiment für Damen und Herren. Beide Flächen umfassen rund 900 Quadratmeter, der Erfurter Händler hatte Eckerle im November 2025 von der Hirmer Group übernommen.

Neue Flächen entstehen auch jenseits des Modehandels. Die Silhouette Group bringt ihr 2024 in Wien gestartetes Konzept House of Silhouette im Oktober erstmals nach Deutschland, an den Standort Hamburger Innenstadt. Die italienische Outerwear-Marke Duno ist mit einem langfristig angelegten Pop-up-Store im Berliner KaDeWe vertreten. Die Berliner Fishing- und Outdoor-Marke Nays startet ihre US-Expansion mit einer Fläche in der Lower East Side, die eher als Ausstellungsraum denn als Pop-up-Shop angelegt ist.

Wohin sich das Format Boutique entwickelt, zeigte eine Retail-Tour durch das Pariser Marais-Viertel. Marken inszenieren dort ihre Identität und machen aus der Verkaufsfläche einen Ort des Erlebens.

Messen

Paris versucht sich als europäische Bühne für Handelstechnologie zu etablieren. Die zweite Ausgabe der NRF Retail's Big Show Europe kam mit rund 300 Aussteller:innen auf ein Publikum aus mehr als 60 Ländern, je zur Hälfte aus Frankreich und dem Ausland. Die Veranstalterin widerspricht dem Vorwurf, es handele sich lediglich um ein Rebranding der früheren Paris Retail Week, und verweist auf die aus New York übernommenen Formate.

Kultur

Der Kunstbetrieb nimmt sich den Luxus vor. Der Künstler Tom Sachs hat sein New Yorker Studio in eine nachgebaute Chanel-Boutique verwandelt und zeigt dort bis zum 10. Oktober Kostüme, Möbel und Schmuck aus Sperrholz, Pappe und Lego. Das Haus selbst wurde dazu nach mehreren Medienberichten nicht konsultiert.

Ein Jubiläum wird zur Ausstellung. Hunkemöller zeigt ab dem 25. September im Internationaal Theater Amsterdam die Entwicklung der Lingerie seit dem späten neunzehnten Jahrhundert, am Leidseplein eröffnete die Marke 1886 ihr erstes Geschäft.

Zum Abschluss eine Werbedebatte. Die Schauspielerin Sydney Sweeney hat mit einer Kampagne für einen Sportwettenanbieter erneut Kritik ausgelöst, mehrere Athletinnen warfen ihr die Sexualisierung von Frauen im Sport vor.

Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt.


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