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Lange erwartet, endlich besiegelt: Das Handelsabkommen zwischen der EU und Indien bietet große Chancen

Nach insgesamt fast 20 Jahre andauernden Verhandlungen ist das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien nun beschlossen worden. Am Dienstag besiegelten Ursula von der Leyen, António Costa und Narendra Modi in Neu-Delhi das Abkommen. Mehrere Beobachter:innen bezeichnen es laut der Financial Times bereits als „Mother of all trade deals“, die Mutter aller Handelsabkommen. Die wirtschaftliche und geopolitische Tragweite des Textes geht weit über einfache Zollsenkungen hinaus.

Das Abkommen soll einen Handelskorridor zwischen zwei Wirtschaftsräumen schaffen, die fast zwei Milliarden Verbraucher:innen und rund ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts repräsentieren. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer zunehmenden Fragmentierung des internationalen Handels, wie AP News bei der offiziellen Ankündigung betonte.

Strukturell unausgewogene Handelsbeziehung

Schon vor der Unterzeichnung war der Handel zwischen der EU und Indien umfangreich, aber stark asymmetrisch. Im Jahr 2024 belief sich der Warenhandel laut RTL Infos auf rund 120 Milliarden Euro. Der Handel mit Dienstleistungen betrug fast 60 Milliarden Euro.

Für Neu-Delhi ist die Europäische Union der wichtigste Handelspartner. Indien macht jedoch nur etwa zwei Prozent des gesamten Warenhandels der EU aus. Dieses strukturelle Ungleichgewicht soll das neue Abkommen korrigieren. Die Beziehung wurde zudem bisher durch stark unterschiedliche Zölle beeinträchtigt. Die Union erhob durchschnittlich Zölle von etwa 3,8 Prozent. Indien hingegen verlangte fast 9,3 Prozent, wie die The Times of India vor dem Abkommen berichtete. Besonders hohe Zölle gab es in der Automobil-, Chemie- und Textilbranche.

Zölle: Das wirtschaftliche Herzstück des Abkommens

Die Senkung dieser Zölle ist daher das wirtschaftliche Rückgrat des Abkommens. Indien verpflichtet sich, die Zollschranken für mehr als 90 Prozent der europäischen Exporte abzubauen oder zu senken. Laut The Economic Times könnte dies für EU-Unternehmen jährliche Einsparungen von bis zu vier Milliarden Euro bedeuten. Die Zölle auf europäische Fahrzeuge lagen zuvor bei über 100 Prozent. Sie werden nun schrittweise und unter bestimmten Bedingungen auf etwa zehn Prozent gesenkt. Dies sei ein Wendepunkt für Premium-Hersteller, betonte die Financial Times. Auch Maschinen, Industrieanlagen, chemische und pharmazeutische Produkte sowie Weine profitieren von massiven Senkungen oder sogar dem vollständigen Wegfall von Zöllen. Dies stärkt die Attraktivität des indischen Marktes für die europäische Industrie.

Textilbranche: Großer Gewinner des Abkommens?

Mittelfristig könnte das Abkommen jedoch die größten strukturellen Auswirkungen im Textilsektor haben. Indien ist bereits ein wichtiger Akteur in der globalen Bekleidungsindustrie, auf dem europäischen Markt aber noch unterrepräsentiert.

Laut einer Mitteilung von Jefferies von Ende Januar importiert die Europäische Union jährlich Textilien und Bekleidung im Wert von über 125 Milliarden US-Dollar (105 Milliarden Euro). Der Markt wird derzeit zu 30 Prozent von China dominiert, während Indien nur einen Anteil von fünf bis sechs Prozent hat.

Die Abschaffung der europäischen Zölle, die bisher zwischen zehn und 16 Prozent lagen, kommt zu einem besonders wichtigen und günstigen Zeitpunkt. Indische Textilexporteure sehen sich in den USA mit Zöllen von bis zu 50 Prozent konfrontiert. Dies stärkt automatisch die Attraktivität des europäischen Marktes als vorrangiger Absatzmarkt. Für europäische Marken und Händler könnte diese Entwicklung die Diversifizierung der Lieferanten beschleunigen. Sie könnte auch die Liefermengen sichern und die Kosten in einem von volatilen globalen Lieferketten geprägten Umfeld stabilisieren.

Auswirkungen auf die europäische textile Wertschöpfungskette

Für die europäische textile Wertschöpfungskette eröffnet das Abkommen mehrere gleichzeitige Dynamiken:

  • eine schrittweise Verlagerung der Beschaffung aus China heraus, vor dem Hintergrund handelspolitischer Spannungen und zunehmenden regulatorischen Drucks.
  • eine qualitative Aufwertung der Beschaffung, da Indien über anerkanntes Know-how bei Baumwolle, Spinnerei, Weberei und komplexen Veredelungen verfügt.
  • eine Chance zur teilweisen Rückverlagerung von Fertigungsschritten mit hoher Wertschöpfung nach Europa, wie Design, Prototyping, Endlogistik oder Qualitätskontrolle.
  • eine Verringerung des Reputationsrisikos im Zusammenhang mit dem „Made in China“, ohne auf Zonen mit hoher regulatorischer und sozialer Unsicherheit auszuweichen, da Indien bereits über transparentere rechtliche Rahmenbedingungen für europäische Auftraggeber:innen verfügt.

Langfristig könnte diese Dynamik Indien als ernsthafte industrielle Alternative zu China etablieren. Gleichzeitig könnte Europa wieder eine zentrale Rolle bei Design, Qualitätssicherung und der finalen Veredelung von Textilprodukten einnehmen.

Moderatere Gewinne für die Automobil- und Luftfahrtindustrie

Im Gegensatz dazu könnten einige europäische Industriesektoren nur schrittweise profitieren. In der Automobilindustrie eröffnet die Senkung der indischen Zölle zwar neue Perspektiven, die tatsächlichen Auswirkungen sind jedoch differenziert zu betrachten. Ein Großteil der europäischen Premium-Fahrzeuge wird bereits als Bausätze, die lokal montiert werden, nach Indien eingeführt. Dies begrenzt die unmittelbare Wirkung der Liberalisierung, wie Jefferies betont. In der Luftfahrt könnte die Senkung der Zölle auf Flugzeuge und Ersatzteile die Kosten senken. Der Nettoeffekt wird jedoch teilweise durch die indische Binnensteuer ausgeglichen.

Weiterhin bestehende Reibungspunkte

Das Abkommen beseitigt jedoch nicht alle Spannungen. Handelshemmnisse außerhalb von Zöllen, insbesondere der europäische CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), bleiben laut Jefferies ein zentrales Anliegen für indische Exporteure.

Einige sensible Bereiche wie die Landwirtschaft oder bestimmte digitale Dienstleistungen bleiben vom unmittelbaren Geltungsbereich des Abkommens ausgeschlossen. Zudem könnte die Ratifizierung durch die nationalen Parlamente und das Europäische Parlament noch mehrere Monate dauern, wie die Financial Times anmerkte.

Neuer Schwung für europäische Wertschöpfungsketten

Auf makroökonomischer Ebene ist das Abkommen zwischen der EU und Indien Teil einer umfassenderen Neuordnung der globalen Wertschöpfungsketten. Es bietet Europa eine echte Alternative zur Abhängigkeit von Ostasien. Gleichzeitig ermöglicht es Indien, industriell aufzusteigen und mehr Wert auf den entwickelten Märkten zu schöpfen.

Für die europäische Textilindustrie geht es nicht nur um Kosten. Die Vereinbarung schafft ein Instrument, um wieder eine widerstandsfähigere und stärker diversifizierte Lieferkette aufzubauen. Diese soll besser auf die sozialen, ökologischen und politischen Anforderungen des Kontinents abgestimmt sein.

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