Kreislaufwirtschaft in der Mode: Europäischer Markt bis 2030 auf 100 Milliarden Euro geschätzt

Der europäische Markt für Kreislaufwirtschaft in der Mode könnte bis 2030 die 100-Milliarden-Euro-Marke überschreiten. Diese Zahl wurde am Donnerstag von der Fédération de la mode circulaire (FMC) veröffentlicht. Sie verdeutlicht die wirtschaftliche Stärke eines Marktes, der einst eine Nische war, aber heute für die Unternehmen der Branche Priorität hat.

Ein enormes wirtschaftliches Gewicht

Die Prognose von 100 Milliarden Euro für die Kreislaufwirtschaft in der Mode im Jahr 2030 entspricht mehr als 58 Prozent des aktuellen Umsatzes der gesamten europäischen Textilindustrie. Dieser liegt laut Daten von Euratex bei 170 Milliarden Euro. Das wirtschaftliche Gewicht der vier Säulen der Kreislaufwirtschaft – neu erfinden, wiederverwenden, reparieren und recyceln – stellt somit mehr als nur eine Chance dar, sondern die Zukunft.

Produkte aus Ökodesign machen derzeit etwa sechs Prozent des europäischen Modemarktes aus. Angetrieben durch regulatorische Entwicklungen könnte ihr Anteil bis 2030 auf fast 15 Prozent steigen. Damit könnten sie allein rund 71 Milliarden Euro erwirtschaften. Die FMC erinnert daran, dass die Designphase für fast 80 Prozent der Umweltauswirkungen eines Artikels verantwortlich ist. Daher ist dieser Schritt entscheidend, um die großflächige Entwicklung von Reparatur-, Wiederverwendungs- und Recyclingmodellen zu gewährleisten.

Europäische Gesetzgebung: Ein Katalysator für Investitionen

Vor allem aber unterstreicht der Bericht die entscheidende Rolle neuer Vorschriften bei der Förderung von Nachfrage und Investitionen. Die Harmonisierung der Systeme zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) erweist sich als einer der wirksamsten Hebel zur Strukturierung des Marktes.

Europa produziert jährlich rund 12,6 Millionen Tonnen Textilabfälle. Davon werden heute jedoch nur etwa 20 Prozent getrennt gesammelt. Durch die Übertragung der Entsorgungskosten auf die Hersteller:innen ermöglicht die EPR die Finanzierung der notwendigen Infrastruktur für Sammlung, Sortierung und Recycling. Hinzu kommen der digitale Produktpass DPP und Projekte für eine Kreislauf-Mehrwertsteuer. Diese sollen die Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit der Branche erhöhen.

Eine strategische Neuausrichtung der Wertschöpfungsketten

Die Unterstützung lokaler Reparaturdienste und des Recyclings stärkt die Widerstandsfähigkeit strategischer textiler Lieferketten und schafft langfristig Werte. Mina Bishop, Senior Managerin für Kreislaufwirtschaft bei KPMG, erklärt die Bedeutung dieses Wandels: „Jahrelang wurde die Kreislaufwirtschaft in der Mode ausschließlich als Nachhaltigkeitsthema behandelt. Unsere Studie zeigt, dass es sich auch um ein strategisches und industrielles Thema handelt.“

Maxime Delavallée, Präsident der Fédération de la mode circulaire, bestätigt die Schlüsselrolle der öffentlichen Institutionen: „Unsere Studie zeigt, dass Regulierung ein starker Beschleuniger für die Kreislaufwirtschaft in der Mode sein kann.“ Er merkt an, dass angepasste steuerliche Maßnahmen, wie eine Kreislauf-Mehrwertsteuer, dazu beitragen würden, Reparatur und Wiederverkauf finanziell attraktiver zu machen. Dies würde es dem europäischen Markt ermöglichen, einen erheblichen Teil der für 2030 identifizierten Chancen im Wert von 104 Milliarden Euro zu nutzen.

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