Kreativ-Beben bei Calvin Klein und McQueen, Shein umgeht Zoll und Paris knackt Social-Media-Rekord – was die Woche bewegte
Die Warenhauskette Galeria hat zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz angemeldet, und die Unternehmensberatung Roland Berger soll nun Investoren suchen. Gleichzeitig reißt die Serie an Führungswechseln nicht ab: Veronica Leoni verlässt Calvin Klein, Seán McGirr geht bei McQueen, und bei Douglas übernimmt Jean-Marc Bellaiche die Spitze. Brunello Cucinelli hebt seine Umsatzprognose auf zwölf Prozent an, und die Pariser Fashion Week erzielt mit 795,6 Millionen US-Dollar Earned Media Value einen Social-Media-Rekord. Im Handel sorgen Decathlon in einer Hamburger Ikea-Filiale und ein gemeinsamer Store von Globetrotter und Fjällräven in Berlin für neue Konzepte.
Business
Galeria soll im Auftrag des vorläufigen Insolvenzverwalters Frank Kebekus von Roland Berger bei der Investorensuche unterstützt werden. Kebekus rechnet Anfang Januar 2027 mit Klarheit über die infrage kommenden Interessenten. Für 9.650 der 11.250 Beschäftigten zahlt die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzgeld; die Gehälter aller Mitarbeitenden belaufen sich auf knapp 25 Millionen Euro im Monat. Der Betrieb in den 83 Filialen läuft vorerst weiter, welche Standorte schließen müssen, ist offen.
Hirmer modernisiert sein Münchner Stammhaus in der Kaufingerstraße unter dem Motto „A New Tradition“. Das Angebot soll jünger werden und um Non-Fashion-Produkte wachsen. Der Verkauf des Gebäudes an den Investor Erich Schwaiger ist gescheitert, weil das Amtsgericht München am 6. Oktober das Insolvenzverfahren über dessen Erwerbsgesellschaft eröffnete. Geschäftsführer Gerhard Kränzle will das Haus in jedem Fall als „die erste Adresse für Männermode“ erhalten.
Brunello Cucinelli erwartet für 2026 nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von zwölf Prozent. In den ersten neun Monaten erzielte der Konzern 1,12 Milliarden Euro, wobei der Einzelhandel mit 19 Prozent deutlich stärker wuchs als der Großhandel mit vier Prozent. Takko steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 7,1 Prozent auf 676 Millionen Euro, die bereinigte EBITDA-Marge liegt bei 17,7 Prozent. Geschäftsführer Martino Pessina will bis 2028 rund 300 neue Standorte eröffnen und rechnet mit Blick auf den Iran-Krieg für 2027 mit steigenden Warenkosten.
Richemont und der Schmuckhändler Signet Jewelers verhandeln laut Bloomberg über einen Beitritt zum Global Diamond Consortium, das den Diamantenkonzern De Beers von Anglo American übernehmen will. Das Konsortium unter Leitung des früheren De-Beers-Chefs Gareth Penny gilt seit Juli als bevorzugter Bieter. Bestätigt hat das Interesse bislang keine der Parteien.
Shein hat am Mittwoch in Spanien als erstem europäischen Land seinen kooperativen Logistikdienst gestartet, der mit GLS, FedEx und CTT Routen nach Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal abdeckt. Laut Artikel umgeht das Unternehmen damit die Folgen der abgeschafften EU-Zollfreigrenze von 150 Euro, während spanische Händler stärker von der Plattform abhängig werden. Wie unvorbereitet viele Marken bei der Compliance sind, zeigt eine Umfrage von TrusTrace unter 57 Fachleuten: 21 Prozent hatten bereits Lieferungen an US-Grenzen beschlagnahmt bekommen, und 60 Prozent nennen den Widerstand oder die begrenzten Fähigkeiten der Lieferanten als Haupthindernis.
Launchmetrics stellt KI-gestützte Tools vor, die Medienberichterstattung über Marken inhaltlich auswerten, statt nur die Reichweite zu messen. Der „AI Visibility Score“ misst auf einer Skala von null bis 100, wie Marken in KI-generierten Antworten erscheinen. Ralph Lauren erzielte im ersten Quartal einen Media Impact Value von 82,8 Millionen US-Dollar.
Mode
Die Pariser Fashion Week für Damenmode Frühjahr/Sommer 2027 erzielte laut Karla Otto und Lefty mit 795,6 Millionen US-Dollar Earned Media Value einen Rekord, 59 Prozent mehr als im Vorjahr. Mailand kam auf 311 Millionen, London auf 27,3 Millionen US-Dollar. Dior (plus 297 Prozent) und Schiaparelli (plus 343 Prozent) führen die Rangliste an. Kleineren Marken rät die Journalistin Saveria Mendella, statt dem Algorithmus auf menschliche Kuration, Dark Social und Mikro-Influencer zu setzen.
Auch kleinere Modewochen wachsen: Die vierte Yerevan Fashion Week fand vom 8. bis 11. Oktober in Jerewan statt und umfasste mehr als 20 Schauen und einen Showroom mit über 40 Marken. Mehrere Schauen liefen an Kulturstätten, etwa in den Ruinen der Kathedrale von Swartnoz. In Chișinău zeigte die Moldovan Brands Runway über vier Tage mehr als 15 Marken, darunter Alexandru Rotari mit einer Show in einer noch betriebenen Mine. Das Publikumsinteresse hat sich laut Kreativchefin Nata Mitereva nahezu verdreifacht, und die EU importierte 2025 Bekleidung im Wert von 215 Millionen Euro aus Moldau.
Die Streetstyle-Trends der vier großen Modewochen für Frühjahr/Sommer 2027 reichen von Blumen, Strass und Pailletten bis zu Tourist-Core und dem Comeback spitzer Schuhe. Für Herbst/Winter 28/29 haben WGSN und Coloro fünf Schlüsselfarben ausgewählt, darunter das tiefe Rot Bloodstone und Liminal Yellow, das vom A24-Horrorfilm „Backrooms“ inspiriert ist.
Woolrich Europe verzichtet ab dem 1. Januar 2027 auf Tierpelz in neuen Kleidungsstücken für den europäischen Markt, nachdem die Fur Free Alliance mit über 200.000 E-Mails und Demonstrationen Druck gemacht hatte. Die Marke tritt dem „Fur Free Retailer Programme“ mit rund 1.700 Mitgliedern bei und folgt Canada Goose, Moncler, Napapijri und Parajumpers.
Under Armour und die Londoner Designerin Feng Chen Wang präsentierten am Mittwoch in Shanghai ihre Kollektion „Rebel Daughter“, die Funktionsstoffe mit asiatischen Elementen wie Ruyi-Knotenverschlüssen verbindet. Zum Auftakt gehört ein erster gemeinsamer Schuh, eine aktualisierte Version des „UA Flare“. Louis Vuitton hat zum Start des zweiten Partnerschaftsjahres die formelle Kleidung und Reisebekleidung für Real Madrid für die Saison 2026/2027 erneuert; das Modehaus verantwortet den Entwurf für die Fußballteams der Herren und Damen sowie das Basketballteam der Herren.
Die Münchner Oui Gruppe startet mit „18Ply – a knitter's project“ eine Strickwaren-Marke für Herbst/Winter 2027/28. Die Order beginnt im Januar, die Preise liegen im Kern zwischen 199 und 399 Euro, ausgewählte Teile kosten bis zu 650 Euro.
Personalien
Die Saison der Abschiede in der Kreativwelt geht weiter: Veronica Leoni verlässt nach vier Saisons Calvin Klein Collection, Seán McGirr nach drei Jahren McQueen. Beide Wechsel folgen weniger als eine Woche auf den Abschied von Anthony Vaccarello bei Saint Laurent. Bei Chanel ist Bruno Pavlovsky aus dem Verwaltungsrat von Chanel Limited zurückgetreten, behält aber seine operativen Posten als Präsident der Modesparte und von Chanel SAS. Der Schritt gehört zur Umstrukturierung hin zu einem Verwaltungsrat aus unabhängigen Direktorinnen und Direktoren.
Douglas bekommt am 1. November einen neuen Vorstandschef: Jean-Marc Bellaiche löst für vier Jahre Sander van der Laan ab. Das Unternehmen hat den Jahresausblick bereits zweimal gekürzt, und die Aktie notiert auf einem Rekordtief. Bei Deichmann übernimmt der 47-jährige Österreicher Günther Helm am 1. Januar 2027 als Geschäftsführender Direktor die Verantwortung für Verkauf, Bau und Expansion. Zuvor war er unter anderem Geschäftsführer der Drogeriekette Müller.
Mango befördert Marlies Hersbach ab Januar 2027 zur Personalchefin; sie berichtet direkt an Geschäftsführer Toni Ruiz. Ihr Vorgänger David Payeras verlässt das Unternehmen im Januar 2027. Bei Marimekko geht Technologiechef Mikki Inkeroinen mit sofortiger Wirkung, bis zu einer Nachfolge leitet Jarno Kartela den Bereich kommissarisch.
La Sportiva ernennt Roberto Fortunato zum Geschäftsführer und öffnet das Management damit erstmals für externe Führungskräfte; der bisherige General Manager Marcello Favagrossa scheidet aus. Beim dänischen Label Bareen ist Sebastian Skøtt seit Oktober Vertriebsleiter. Zuvor war er fast zehn Jahre bei Les Deux und sieht großes Potenzial an der Schnittstelle von Streetwear und Activewear.
Einzelhandel
Pull&Bear hat seine Fläche im Stuttgarter Milaneo Center um rund 200 Quadratmeter erweitert und den Store nach dem aktuellen Konzept umgebaut, mit assistierten Self-Checkouts und einem Pick-up-Point für online bestellte Ware. Max Mara hat die Boutique in der Münchner Theatinerstraße mit einem neuen Retail-Konzept wiedereröffnet. Auf 960 Quadratmetern und drei Etagen ist sie das zweitgrößte Geschäft der Marke weltweit.
Globetrotter und Fjällräven planen für das Frühjahr 2027 einen gemeinsamen Store auf rund 800 Quadratmetern in der Rosenthaler Straße am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte. In Hamburg-Altona zieht Decathlon als erster Sportartikelhändler in Deutschland in eine Ikea-Filiale. Im kommenden Sommer soll dort auf rund 4.600 Quadratmetern der bislang größte Store der Region mit Schwerpunkt auf Wassersport und Radsport eröffnen.
Der Wäschespezialist Mey hat in Bregenz eine weitere Filiale seines Concept-Store-Formats Mes Amis eröffnet; Geschäftsführer Matthias Mey will testen, wie das Konzept in einer Region mit begrenztem Angebot an hochwertiger Wäsche ankommt. Der Teamsport-Ausstatter Jako eröffnete in Groß Rosenburg mit dem Teamshop89 Salzland die erste Filiale in Sachsen-Anhalt und den 47. Standort des Konzepts.
Das Madrider Streetwear-Label Yuxus eröffnet zwei Pop-up-Stores: in Berlin in der Linienstraße 111 vom 30. Oktober bis 1. November und in Paris in der Rue de Turenne 21 vom 6. bis 8. November. Berlin ist das Deutschland-Debüt mit eigener Ladenfläche. Die Pariser Marke Yves Salomon erweitert ihre Präsenz in China mit saisonalen Verkaufsflächen in Shanghai, Peking und Chengdu, obwohl Moncler, Dolce & Gabbana und die Kering-Gruppe Pelz verboten haben. Die Marke verweist auf einen 2020 eingeführten „Resource Pact“, mit dem sie die Pelzproduktion stark reduzieren will.
Kultur
Louis Vuitton widmet das neue Travel Book „Tempo Point“ der fiktiven Metropole aus dem K/DA-Universum von League of Legends. Das Buch entstand mit Riot Games und vereint 70 Illustrationen, eine Biografie der Gruppe und einen Reisebericht; die Collector's Edition enthält eine Vinylplatte mit der neuen K/DA-EP.
Guido Maria Kretschmer hält Berlin im Podcast „Dein Ernst“ mit Benjamin von Stuckrad-Barre für „wirklich eine raue Stadt“ und beklagt, dass Menschen im Tiergarten ihren Müll zurücklassen. Der 61-Jährige zog vor einigen Jahren nach Hamburg, Berlin bleibt für ihn dennoch positiv besetzt. Harald Glööckler sagt in der SWR-Sendung „Nachtcafé“: „Ich bin eigentlich sehr scheu.“ Obwohl Events zu seinem Geschäft gehören, geht der 61-Jährige nach eigenen Angaben nicht gern hin.
Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt
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