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JD.com und Tmall: Wer hat die Nase vorn?

Von Sharon Camara

12. Jan. 2022

Business

Tmall

Tmall und JD.com sind die beiden größten E-Commerce-Unternehmen in China. Beide Plattformen halten 75 Prozent des Marktes mit 50 Prozent für Tmall (mit über 500 Millionen Nutzer:innen) und 25 Prozent für JD.com.

Welche Gemeinsamkeiten, Rivalitäten, Ambitionen und Entwicklungen gibt es – und welche der beiden Plattformen ist weiter fortgeschritten? Welche bietet dem Handel und der Kundschaft mehr Vorteile? FashionUnited gibt darauf einige Antworten.

Die Gründung der Unternehmen

Die ehemalige Taobao Mall, Tmall, spaltete sich 2008 ab und wurde zu einer eigenen Website, die noch immer im Besitz der Alibaba-Gruppe ist. Die Einzelhandelsplattform bringt Unternehmen und Privatpersonen (B2C) zusammen. Tmall ermöglicht es chinesischen und internationalen Unternehmen, Produkte an Menschen auf dem chinesischen Festland, in Hongkong, Macao und Taiwan zu verkaufen. Es ist nach Taobao die zweitgrößte E-Commerce-Website der Welt.

Die Plattform JD.com, die sich zunächst auf Elektronikprodukte konzentrierte, hat ihr Angebot auf Delikatessen, Kosmetika und sogar Luxusgüter ausgeweitet. Das chinesische Unternehmen wurde 1998 von Liu Qiangdong gegründet.

Ein Tor zum Luxus

Im August 2017 eröffnete Tmall seinen Luxury Pavilion, in dem es internationale Luxusmarken vermarktet. JD.com steht dem in nichts nach. Einige Monate später, im Oktober, startet die Plattform TopLife. Sie zielt auf ein gehobenes Publikum ab, indem sie Luxusmarken wie Alexander McQueen, Saint Laurent, Balenciaga und Mulberry anbietet. Die Seite hat in den ersten drei Monaten ihres Bestehens über eine Million Nutzer:innen angezogen.

Im Laufe der Jahre haben sich viele Marken dem Tmall Luxury Pavilion angeschlossen. Dazu gehören Chanel, Gucci, Cartier, Kenzo, Guerlain, Givenchy, Fresh, Benefit, Rimowa, Tag Heuer, Zenith und Moët Hennessy.

Wenn man die Anzahl der angebotenen Marken vergleicht, ist der Tmall Luxury Pavillon TopLife einen Schritt voraus.

Alibaba

Zwei mächtige Männer stehen hinter den beiden Plattformen

Tmall wurde von Jack Ma, dem Gründer von Alibaba, ins Leben gerufen. Das E-Commerce-Konglomerat besitzt zahlreiche Unternehmen in diesem Bereich, wie die Bezahl-App Alipay, Alibaba Cloud oder das Supermarktkonzept Hema. Jack Ma, mit bürgerlichem Namen Ma Yun, ist ein chinesischer Geschäftsmann, der am 10. September 1964 in Hangzhou geboren wurde. Er ist bekannt dafür, mit Alibaba.com der erste Onlinehändler der Welt gewesen zu sein. Er war Vorsitzender der Alibaba Group, bis er am 10. September 2019 seinen Posten an Daniel Zhang übergab.

JD.com-Gründer Liu Qiangdong, auch bekannt als Richard Liu, wurde am 10. März 1973 in Suqian, Provinz Jiangsu, geboren. Liu Qiangdong stammt aus einer sehr einfachen Familie und studierte Soziologie an der Chinesischen Volksuniversität. 1998 gründete er mit seinen Ersparnissen JD Multimedia, ein Handelsunternehmen für den Verkauf von Elektronikprodukten. Ab 2008 und dank des wachsenden Erfolgs seines Unternehmens baute er den Katalog aus und beschränkte sich nicht mehr nur auf Elektronikartikel. Im September 2018 wurde Richard Liu in den USA verhaftet, nachdem ihm unangemessenes sexuelles Verhalten vorgeworfen wurde. Dieser Skandal wirkte sich auf das Vertrauen der Investierenden aus.

Entwicklung

Im November 2010 startete Taobao Mall mit einem unabhängigen Domainnamen, tmall.com, der für den B2C-Handel bestimmt war, während Taobao sich auf C2C-Händler konzentrierte. Aus diesem Anlass wurde eine Werbekampagne im Wert von 30 Millionen US-Dollar gestartet, um bei den Menschen für die beiden Plattformen zu werben.

Im Oktober 2011 erlebte Tmall.com zwei aufeinanderfolgende Protestwellen aufgrund einer deutlichen Erhöhung der Gebühren für Verkäufer:innen. Diese Erhöhung zielte nach Angaben des Unternehmens darauf ab, falsche Angebote (Fälschungen, Artikel in schlechtem Zustand oder schlechter Service) auszusortieren. Gleichzeitig konnten Handelnde mit den besten Service- und Qualitätsbewertungen teilweise oder vollständig entschädigt werden.

Laut Alexa ist Tmall.com im Juli 2014 die 18. meistbesuchte Website der Welt und steht an siebter Stelle in China. Im November 2020 ist sie die drittgrößte Website weltweit und die größte in China.

Im Juli 2018 kündigten Eurovet und Tmall eine langfristige strategische Partnerschaft an. Eine Partnerschaft, die zur Entstehung von Projekten in Europa und China, aber auch auf in Übersee führen wird. Im September 2019 ging Tmall eine Partnerschaft mit der Mailänder Fashion Week ein. Eine Vereinbarung, die darauf abzielt, chinesische Designer im Rahmen des Projekts „Tmall China Cool“ in den Vordergrund zu stellen. Im April 2021 kündigte Tmall den Umzug seiner Teams von seinem Hauptsitz in Hangzhou in sein neues Zentrum in Shanghai an.

Derweil wurde JD.com 2014 an der amerikanischen Börse NASDAQ eingeführt, wo die Plattform mit 1,78 Milliarden US-Dollar notiert wurde. 2015 beschloss Uniqlo, JD.com.zu meiden, da die Plattform „nicht in Uniqlos E-Commerce-Strategie in China passt“, so ein Sprecher des Konzerns. Uniqlo behält jedoch seinen Platz bei dem Konkurrenten Tmall bei.

Seit 2017 baut JD.com seine Präsenz in westlichen Ländern aus und startete Büros in New York, Paris, London und Mailand. Mit der Niederlassung in Frankreich möchte JD.com Luxus- und Kosmetikmarken auf seine Plattform locken. Im Juni 2018 investierte Google mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar in das Unternehmen, um die Vertriebsdienste weltweit auszubauen. Da der Gründer und Mehrheitsaktionär von JD.com, Richard Liu, in einen Fall von sexueller Belästigung verwickelt ist, sieht sich JD.com mit der Zurückhaltung an der Börse konfrontiert. Um sein Geschäft wieder in Gang zu bringen, kündigte das Unternehmen einen umfassenden Umstrukturierungsplan an. JD.com plant, alle seine Aktien zurückzukaufen, um besser für die enormen Veränderungen in der E-Commerce-Branche gerüstet zu sein.

Im Juni 2020 beantragte JD.com den Börsengang in Hongkong, trotz der Drohungen, die Peking mit seinem Gesetzentwurf zur nationalen Sicherheit ausspricht.

Fazit

Wie die offiziellen Zahlen und Rankings zeigen, bleibt Tmall vor JD.com der Marktführer im Online-Einzelhandel. Obwohl sie ihre Führungsposition nie verloren hat, wird die von Jack Ma ins Leben gerufene Website von ihrem direkten Konkurrenten und Zweitplatzierten auf dem Markt für Onlineverkäufe, JD.com, genau beobachtet und täglich herausgefordert. Jede der Plattformen bietet der Kundschaft und dem Handel wichtige Vorteile, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

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Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.

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