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Indonesische Arbeiter:innen verlangen 5,5 Millionen US-Dollar von Uniqlo und s.Oliver

Von Simone Preuss

21. Apr. 2022

Business

Bild: Clean Clothes Campaign

Die beiden Modekonzerne Uniqlo und s.Oliver wurden jüngst in einem offenen Brief indonesischer Arbeiter:innen aufgefordert, die ihnen zustehenden Entschädigungszahlungen zu tätigen.

Vor genau sieben Jahren, am 22. April 2015, schloss die indonesische Bekleidungsfabrik Jaba Garmindo ihre Pforten und setzte damit mehr als 2.000 Arbeiter:innen auf die Straße. Diese haben sich seitdem mit verschiedenen Gelegenheitsjobs wie Muscheln säubern oder Straßenhändler:innen im informellen Sektor über Wasser gehalten.

Das Geld fehlt jedoch an allen Ecken und Enden und viele mussten ihre Kinder aus der Schule nehmen, da sie sich Schulgebühren, Uniformen und Bücher nicht mehr leisten können. Das Problem sind 5,5 Millionen US-Dollar (rund 5,05 Millionen Euro) an Entschädigungszahlungen, die bislang noch ausstehen.

Wer zahlt bei Bankrott?

In dem offenen Brief wenden sich die Arbeiter:innen direkt an den Fast Retailing Vorsitzenden und größten Aktionär Tadashi Yanai sowie s.Oliver-CEO Claus-Dietrich Lahrs. Sie verweisen auf das persönliche Vermögen von Yanai in Höhe von 26,4 Milliarden US-Dollar (rund 24,23 Milliarden Euro) und Lahrs Erfahrung mit Luxusmode.

„Was uns passiert ist, ist kein Geheimnis vor Ihnen, es wurde sogar ein Dokumentarfilm über unseren Fall gedreht, und Sie kennen den Bericht der Fair Labor Association, in dem empfohlen wird, dass Ihre beiden Marken einen bedeutenden Betrag in einen Hilfsfonds für uns einzahlen. Aber Sie tun es trotzdem nicht. Sie behaupten, Sie seien uns nichts schuldig, aber es sind Ihre Produkte, die wir hergestellt haben. Was würde es kosten, damit Sie zahlen? Wie verzweifelt sollen wir sein, bevor Sie das Richtige tun?“, heißt es in dem Brief, der auf der Website der Clean Clothes Campaign eingesehen werden kann.

S.Oliver erkennt moralische Verpflichtung an

Die Unternehmen haben bisher keine Zahlungen getätigt. S. Oliver bestätigte jedoch gegenüber FashionUnited, alle Vorwürfe im Laufe der Jahre ernst genommen zu haben und derzeit in laufenden Gesprächen zu sein, um einer moralischen Verpflichtung nachzukommen. Rechtlich wurde dem Rottendorfer Unternehmen in einer Untersuchung der Fair Labour Association (FLA) keine Verpflichtung zugesprochen, hatte s.Oliver doch alle Rechnungen beglichen. Zudem war die Marke kein Haupteinkäufer und damit nicht am Bankrott der Fabrik beteiligt - dieser wird auf finanzielle Misswirtschaft zurückgeführt.

„Die s.Oliver Group erkennt eine allgemeine Verantwortung gegenüber allen an, die in ihrer Wertschöpfungskette arbeiten, auch in diesem speziellen Fall. Daher steht das Unternehmen in engem Kontakt mit der FLA und der Fair Wear Foundation, um den Prozess und das Engagement für die ehemaligen Arbeiter:innen der Fabrik Jaba Garmindo zu besprechen und einen Beitrag zu einem Hilfsfonds für sie zu leisten“, heißt es in einer Stellungnahme von s.Oliver.

Fast Retailing bezieht sich auf Beendung der Geschäftsbeziehungen

Fast Retailing bestätigte in einer 2018 veröffentlichten Stellungnahme, Jaba Garmindo von Oktober 2012 bis Oktober 2014 mit der Produktion von Kleidung für die Marke Uniqlo beauftragt zu haben, dann jedoch wegen Qualitätsproblemen und Lieferschwierigkeiten die Geschäftsbeziehungen eingestellt und alle Bestellungen bis zu dem Zeitpunkt bezahlt zu haben.

„Fast Retailing hat keine rechtliche Verpflichtung in dieser Angelegenheit, einschließlich der Verantwortung, ehemalige PT Jaba Garmindo Mitarbeiter:innen finanziell zu entschädigen“, heißt es in der Stellungnahme vom 18. Januar 2018.

„Obwohl Fast Retailing rechtlich nicht verpflichtet ist, hat das Unternehmen Mitgefühl mit den von PT Jaba Garmindo Betroffenen. Dementsprechend hat das Unternehmen angeboten, mit den relevanten Parteien zusammenzuarbeiten, um die Wiederbeschäftigung von arbeitslosen Mitarbeiter:innen zu erleichtern. Darüber hinaus führt Fast Retailing derzeit Gespräche mit Interessenvertreter:innen aus der gesamten Branche über Methoden, die Arbeitnehmer:innen in der Bekleidungsindustrie vor ähnlichen Szenarien in der Zukunft schützen könnten“, heißt es weiter.

Mitgefühl ist die beste Werbung

Wie die Situation in Folge der Covid-Pandemie gezeigt hat, ist dies nicht geschehen und auch hier mussten Fabriken und damit Arbeiter:innen lange auf ihnen zustehende Zahlungen warten. FashionUnited hat Fast Retailing wegen einer aktuelleren Stellungnahme kontaktiert und wird diesen Bericht entsprechend ergänzen, sollte diese eingehen.

Bei der eingeforderten Summe handelt es sich um einen pro-Kopf-Betrag von 2.750 US-Dollar (rund 2.500 Euro) und selbst die Gesamtsumme 5,5 Millionen US-Dollar sind ein geringer Betrag verglichen mit dem durchschnittlichen Werbebudget eines Bekleidungskonzerns. Diese scheinen noch nicht erkannt zu haben, dass eine mitfühlende Geste die beste Werbung und Beweis für die Integrität eines Unternehmens ist.

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