Gucci setzt für Wachstum auf mehr Inhouse-Produktion

Gucci sucht nach neuen Wegen, die steigende Nachfrage aus China effizient und nachhaltig zu bedienen. Das italienische Modehaus tritt in die Fußstapfen anderer Luxusmarken wie Burberry und Louis Vuitton, die bereits mehr Produkte Inhouse fertigen lassen.

Dazu hat Gucci vor kurzem zehn lokale Lieferanten gekauft und will zehn weitere folgen lassen. So soll das, was die Marke als Inhouse-Produktion versteht, hauptsächlich durch die Gründung von Joint Ventures mit externen Werkstätten oder durch die Vergabe von Exklusivverträgen erreicht werden.

Wie Reuters berichtet, handelt es sich bei diesen Lieferanten um "kleine, fast familäre Fertigungsstätten, die über Know-how verfügen, aber sich oft darüber im Unklaren sind, wie sie nachhaltig produzieren können sind oder deren Nachfolge nicht geklärt ist", sagte Olivier Salomon von Alix Partners.

Gucci investiert in 10 bis 20 lokale Lieferanten, um die Vorlaufzeit zu verkürzen und die Lieferkette zu optimieren

”Wir wollen die Vorlaufzeit reduzieren, und das ist nicht möglich, wenn die Lieferanten zu klein sind", sagte Guccis CEO Marco Bizzarri Reportern auf Gucci's neuem 'ArtLab' Standort außerhalb von Florenz, wo Prototypen von Taschen und Schuhen gefertigt werden sollen.

Die italienische Marke zielt darauf ab, die Zeit zwischen der Konzeption eines Produkts und der Lieferung im Laden zu halbieren. So soll auch die Produktionskapazität erreicht werden, die das Modehaus benötigt, um seinen ehrgeizigen Verkaufszielen gerecht zu werden.

"Wir müssen auch sicherstellen, dass andere Marken die Nachfrage nicht abgreifen. Wegen des Wachstums, das wir haben, müssen wir unsere Handwerker schützen", fügte Bizzarri hinzu.

Da besonders traditionelle Fähigkeiten gefragt sind, versuchen Modemarken auch, in einer Zeit radikaler Materialieninnovationen der Mode internes Know-how aufzubauen.

Bizzarri nannte als Beispiel etwa Leder, das in Laboratorien angebaut wurde, als einen potentiellen Branchenveränderer, auch wenn dies noch in der Zukunft läge. Guccis ArtLab soll vor allem Forschung und Entwicklung vorantreiben. Die Marke will so, neue und alte Produktionsmethoden perfektionieren.

”Wenn man die Produktion integriert, kann man viel mehr in Sachen Innovation experimentieren", sagte Bizzarri.

Gucci plant außerdem, den Einsatz unabhängiger Zulieferer langfristig auf 40 Prozent seiner Lederwarenproduktion zu reduzieren. Aktuell liegt der Anteil bei 75 Prozent, wie die "Financial Times" berichtete.

10 Milliarden Euro im Verkauf “kein unerreichbares Ziel"

Im Juni, während des Investoren-Tages der Firma, sagte Bizzarri auch, dass "die Langlebigkeit der Marke nicht auf dem Spiel steht". Er weigerte sich jedoch, einen Termin zu nennen, an dem es erwartet die 10 Milliarden Euro (11,8 Milliarden USD) Umsatzbarriere zu durchbrechen. "Ich glaube nicht, dass dies ein unerreichbares Ziele ist", bestätigte der CEO des Unternehmens und fügte hinzu, dass Gucci das Ziel "eher früher als später" erreichen wird.

In einer Präsentation für die Investoren sagte Bizzarri, Gucci werde sein Wachstumstempo beibehalten, indem er den Rest seines Filialnetzes in das neue Gucci-Image umwandele, wodurch die Ladenfläche um drei Prozent vergrößert und der E-Commerce verdreifacht würde. Das zu Kering gehörende Label machte 2017 rund 6 Milliarden Euro (7 Milliarden US-Dollar) Umsatz.

Bild: Gucci Menswear, Gucci Official Website

Dieser Artikel erschien zuvor auf Fashionunited.uk. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.