Gucci: Schönheit ohne Filter

"Die Suche nach körperlicher Perfektion ist illusorisch, denn Perfektion ist innerlich." Es klingt lächerlich und ein bisschen naiv, doch genau das ist das Ziel – und es ist Alessandro Michele, der es sagt. Er sagte es an diesem Wochenende in der neu lancierten Werbekampagne zur Feier der ersten Lippenstift-Kollektion von Gucci. Die Kampagne zeigt Körper, bei denen Perfektion nicht mehr der heilige Gral ist. Diese Art von Körper ist in der Modewelt nicht ungewöhnlich, aber sie ist völlig neu im Beauty-Sektor, der durch die kontinuierliche und massive Verwendung von Bildern mit wirklich übernatürlich schönen Gesichtern gekennzeichnet ist, die bis zur Unkenntlichmachung retuschiert wurden.

Die Kampagne wurde am Wochenende auf Instagram vorgestellt und soll einen erstarkenden Trend fördern, der eine Rückkehr zur Natürlichkeit befürwortet. Alessandro Michele ist der Kopf hinter dieser neuen Kampagne, er selbst segnete alles für diese Kampagne ab. Der künstlerische Leiter der italienischen Marke hat etwas geschafft, was Karl Lagerfeld und Hedi Slimane nie erreicht haben: er hat die Kontrolle über die Mode- und die Beauty-Sparte eines einzigen großen Hauses inne. Dazu muss gesagt werden, dass die Kering-Gruppe und Marco Bizzarri, Präsident von Gucci, falsch läge, nicht massiv auf sein Talent zu setzen. Seit seinem Eintritt bei Gucci Anfang 2015 hat Alessandro Michele die Trends angeführt und der florentinischen Marke außergewöhnliches Wachstum beschert.

Guccis Wachstum verlangsamt sich

Jedoch ist auch bekannt, dass das außergewöhnliche Wachstum von Gucci rückläufig ist. Diese Verlangsamung des Wachstums ist in der Tat eine Normalisierung. Es ist durchaus richtig, dass die Leistung des italienischen Unternehmens in den Jahren 2017 und 2018 über den Erwartungen lag: +44,6 Prozent Umsatzwachstum im Jahr 2017, +36,9 Prozent im Jahr 2018. In den letzten vier Quartalen lag das organische Wachstum der Marke bei 40 Prozent, dann 48, dann 35, dann 28 Prozent. Im Vergleich zum vergangenen Quartal waren es schließlich „nur“ 20 Prozent. Das Wachstum normalisierte sich im Einklang mit den Prognosen des Konzerns. "Aufgrund seiner Größe konnte Gucci auf diese Weise gar nicht weiter wachsen", sagte Jean-Marc Duplaix, CFO von Kering, gegenüber der Presse. Im vergangenen Quartal erreichte der Umsatz von Gucci 2,3 Milliarden Euro. Im gleichen Quartal erzielte Kering einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro.

Um das Wachstum weiter zu fördern, setzt Gucci nun also auf Beauty. Ergänzt wird dieser Beauty-Launch durch den lang erwarteten Start einer ersten Kollektion von Echtschmuck Anfang Juli – einem Bereich, in den vorzudringen sich das Unternehmen im Gegensatz zu den Flaggschiffmarken der LVMH-Gruppe noch nie zuvor gewagt hat. So feiert Dior Joaillerie im Juni in Venedig das 20-jährige Bestehen der von Victoire de Castellane entworfenen Haute Joaillerie. Zur Einweihung seines hochkarätigen Juweliergeschäfts entschied sich Gucci für Paris. Auch kann das italienische Unternehmen auf die Uhrenbranche zählen: Piero Braga, der 2016 zum CEO von Gucci Watches ernannt wurde, sagte in diesem Jahr auf der Baselword-Show, dass man bald Uhren von etwas höherer Qualität anbieten wolle.

Bild: Gucci Facebook

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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