Grüner Knopf: Die wichtigsten Fragen & Antworten

Vor sechs Jahren ereignete sich das schlimmste Industrieunglück in der Geschichte Bangladeschs. Mehr als 4000 Menschen wurden verschüttet, mindestens 1138 durch den Einsturz des Rana-Plaza Fabrikgebäudes getötet, wo etliche westliche Bekleidungskonzerne produzieren ließen. "Wir brauchen eine globale Verantwortungsethik in der Lieferkette", sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Am Montag führte er den Grünen Knopf ein, das weltweit erste staatliche Nachhaltigkeits-Label das helfen soll, die Textilherstellung zu verbessern. Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Wie sieht das Siegel aus und wo finde ich es?

Schwarze Schrift und anstelle des "o" ein grüner Knopf - so sieht das staatliche Siegel aus. Es wird am Kleidungsstück angebracht, entweder eingenäht oder angehängt. Manche Firmen weisen zunächst nur online bei ihren Produkten auf den Grünen Knopf hin. Vergeben wird das Label vom Bundesentwicklungsministerium an Hersteller, die den dafür nötigen Prüfungsprozess bestanden haben. Das Label verbindet soziale und ökologische Standards - Kriterien und Bedingungen dafür legt der Staat fest.

Welche sozialen Kriterien muss ein Produkt erfüllen?

Produkte mit dem Grünen Knopf müssen 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Zu den sozialen Kriterien gehören etwa Arbeitnehmerrechte wie der jeweils geltende gesetzliche Mindestlohn, bezahlte Überstunden und das Recht auf Nicht-Diskriminierung, außerdem ein Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit. Ebenfalls wichtig ist die Einhaltung von Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften am Arbeitsplatz - etwa Schutzkleidung, sauberes Trinkwasser und ein ausreichender Brandschutz.

Welche ökologischen Kriterien müssen erfüllt sein?

Während es bei den sozialen Standards um den Bereich Konfektion geht, drehen sich die Umweltkriterien um Anforderungen in der Textilveredelung, also beim Färben oder chemischen Nachrüsten der Kleidung. Wichtig sind hierbei etwa Mindestanforderungen an Abwasser und umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien. Außerdem gelten Vorgaben für die biologische Abbaubarkeit von Stoffen und den Grad der Luftverschmutzung.

Welche Standards gelten Unternehmen?

Neben sozialen und ökologischen Kriterien, die das Produkt erfüllen muss, gelten auch Sorgfaltspflichten des gesamten Unternehmens für Menschenrechte und Umwelt. Der Hersteller muss bereit sein, Risiken in der Lieferkette zu erkennen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Das Unternehmen muss außerdem transparent informieren und einen "effektiven Beschwerdemechanismus" haben. Der Ansatz, ein Unternehmen als Ganzes bei der Vergabe eines Siegels einzubeziehen ist eine interessante Neuerung, die verhindert, dass sich Unternehmen bloß mit einzelnen Zertifikaten einen grünen Anstrich geben.

Welche Hersteller und Produkte werden gelabelt?

Rund 70 Unternehmen haben Interesse am Grünen Knopf angemeldet, vom Eine-Frau-Startup über internationale Modekonzerne bis hin zu Marken. Auch ausländische Unternehmen sollen Interesse bekundet haben. Viele davon durchlaufen derzeit das Prüfverfahren, die ersten 27 starteten am Montag mit ersten Produkten mit dem Grünen Knopf. Beteiligt sind unter anderem Vaude, Tchibo, Aldi und Hessnatur, auch Marken wie Hugo Boss sollen noch dazukommen. Die Palette der Produkte reicht von Kleidung über Decken, Taschen, Matratzen, Regenschirme und Teppiche bis hin zu Brillenbändern und Moskitonetzen.

Wie läuft das Prüfverfahren ab, um den Grünen Knopf zu erhalten?

Der Grüne Knopf ist ein Metasiegel und soll den Dschungel dutzender existierender Label lichten. Wer den Knopf haben will, muss zuvor bereits eines oder mehrere der sieben vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) anerkannten Referenzsiegel erhalten haben und zwar so, dass alle sozialen und ökologischen Kriterien abgedeckt sind. Zu den zugelassenen Siegeln gehören: Blauer Engel, Fairtrade, Fair Wear Foundation, Oeko-Tex Made in Green, Blue-Sign, CradletoCradle Silver, Global Organic Textile Standard, Naturtextil IVN zertifiziert BEST und SA 8000. Prüfer für die Unternehmenskriterien sind etwa der TÜV und die Dekra, deren Unabhängigkeit die staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle sicherstellen will.

Was wird kritisiert?

Bislang schaut der Grüne Knopf erst auf die Prozesse Färben und Bleichen sowie Zuschneiden und Nähen der Textilien - und nicht auf das Baumwollfeld. Auch das Spinnen und Weben wird nicht kontrolliert, all das soll erst später kommen. Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft warnt, dass dadurch und durch "geschicktes Kombinieren" der Referenzsiegel die Gefahr bestehe, dass Verbraucher letztlich genmanipulierte Fasern kaufen.

Kritik gibt es außerdem daran, dass es Erleichterungen für kleine Firmen geben und bei in der EU produzierten Produkten der Nachweis über die Einhaltung von Sozialstandards gelockert werden soll. Einige Firmen kritisieren zudem einen teuren und hohen bürokratischen Aufwand.

Wie viel kostet es den Grünen Knopf zu beantragen?

In der Einführungsphase bis 30. Juni 2021 übernimmt das BMZ die Kosten für die Erstprüfung des Unternehmens; für die Kosten nach der ersten Zertifizierung müssen die Unternehmen selbst aufkommen.

Macht der Grüne Knopf die Textilbranche besser?

Die Hoffnung ist, dass der Grüne Knopf als klares Kennzeichen Verbrauchern dabei hilft, auf Nachhaltigkeit beim Kleidungskauf zu achten und durch die Orientierungshilfe mehr ökologisch und fair produzierte Textilien erwerben. Je mehr Unternehmen sich dem Grünen Knopf anschließen, desto verbreiteter werden auch die Mindeststandards, die das Siegel setzt. Es muss sich nun mit der Zeit zeigen, wie viele Unternehmen sich um das Siegel bewerben und wie hoch sich der Anteil ihres Sortiments mit dem Grünen Knopf entwickeln wird. Zum Start hat das neue Siegel verschiedenste Textilunternehmen zum Mitmachen bewegt, allerdings positionieren sich sowohl der Gesamtverband Textil+Mode als auch der Einzelhandelsverband bis jetzt gegen das Projekt.

Entwicklungsorganisationen bemängeln, dass der Grüne Knopf keine ambitionierten Standards für die Textilbranche setzt, um die herrschenden Produktionsbedingungen zu verbessern. Vielmehr bleiben die Kriterien sogar teils hinter den existierenden Höchststandards zurück. Die NGOs stören sich an der Freiwilligkeit des Siegels - nur ein Gesetz könne ihrer Meinung nach umfassende Veränderungen herbeiführen.

Wo gibt es mehr Informationen?

Auf der Webseite www.gruener-knopf.de werden die Kriterien für die Vergabe des Grünen Knopfs genau erklärt, für welche Waren er beantragt werden kann und die teilnehmenden Unternehmen aufgelistet. (FashionUnited/AFP)

Bild: BMZ | Agentur Tinkerbelle

 

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