Geox verbessert Ergebnis trotz Umsatzeinbruch

Der italienische Schuhhersteller Geox S.p.A. schloss das erste Halbjahr 2026 mit einem Umsatz von 270,4 Millionen Euro ab, ein Rückgang von 11,4 Prozent oder rund 35 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zu konstanten Wechselkursen betrug das Minus 11,6 Prozent, auf vergleichbarer Basis 8,8 Prozent. Letztere Zahl berücksichtigt die Auswirkungen bewusster Filialschließungen und der Trennung von unrentablen Vertriebskanälen. Der Rückgang betraf nahezu alle Vertriebskanäle und Regionen.

Die Rentabilität verbesserte sich dagegen deutlich. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 37,8 Millionen Euro. Die Rohertragsmarge verbesserte sich auf 52,6 von 51,2 Prozent, was Geox auf eine Optimierung der Kollektion und des Kanalmix zurückführt.

Unter dem Strich stand ein Verlust von 3,9 Millionen Euro nach 4,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Bereinigt blieb der Verlust mit 3,1 Millionen Euro unverändert. Belastend wirkte das Finanzergebnis, das sich von minus 2,5 auf minus 6,5 Millionen Euro verschlechterte. Die Zinsaufwendungen sanken zwar von 3,0 auf 2,3 Millionen Euro, dafür fielen die Währungsgewinne der russischen Tochtergesellschaft von 4,9 auf 0,3 Millionen Euro.

„Geox sah sich einem herausfordernden und stark schrumpfenden Markt gegenüber, der bereits von einem extrem harten Wettbewerb sowie von natürlichen und anderen außergewöhnlichen Ereignissen belastet war", sagte Geox-Geschäftsführer Francesco Di Giovanni laut einer Mitteilung vom Mittwoch. Das Unternehmen habe alle in seinem Einflussbereich liegenden Maßnahmen ergriffen, um die Rentabilität wiederherzustellen, auch auf die Gefahr hin, Verkaufsvolumen zu verlieren.

Die Maßnahmen zur Effizienzsteigerung der Kostenstruktur ermöglichten im Berichtszeitraum Einsparungen von 19,1 Millionen Euro. Die bereinigten Betriebskosten sanken auf 136,6 Millionen Euro von 155,7 Millionen Euro, ihr Anteil am Umsatz auf 50,5 von 51,0 Prozent. Den größten Beitrag leisteten die Verwaltungskosten mit einem Rückgang um 14,2 Millionen Euro auf 113,5 Millionen Euro, was das Unternehmen auf geringere Personal- und Beratungskosten sowie auf den Abbau von Logistikkosten und Filialen zurückführt. Grundlage ist ein im zweiten Halbjahr 2025 aufgelegtes Programm zur Verkleinerung der operativen Struktur.

Die Bankschulden lagen zum 30. Juni 2026 bei 95,3 Millionen Euro, verglichen mit 100,5 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Gegenüber dem Jahresende 2025 stiegen sie allerdings um 2,7 Millionen Euro, was Geox mit dem saisonalen Mittelabfluss im ersten Halbjahr erklärt. Das Nettoumlaufvermögen sank auf 125,6 Millionen Euro von 141,7 Millionen Euro, die Vorräte auf 194,4 Millionen Euro von 246,9 Millionen Euro. Bezogen auf den Umsatz der vergangenen zwölf Monate blieb das Betriebskapital mit 21,9 Prozent nahezu unverändert, weil der Umsatz im gleichen Tempo zurückging.

„Die Rationalisierungsmaßnahmen in den Produktionsprozessen und bei der Wahl von Zeitpunkten und Methoden der Beschaffung brachten wirtschaftliche Vorteile und verbesserten vor allem die Verschuldungssituation deutlich", erklärte Di Giovanni. Trotz des Umsatzrückgangs lasse sich nun ein Rückgang der Bankschulden auf 40 bis 45 Millionen Euro prognostizieren. Ende 2025 hätten sie noch bei rund 93 Millionen Euro gelegen. Getragen wird der Abbau maßgeblich von einer Kapitalerhöhung über 30 Millionen Euro, die als zweite Phase im dritten Quartal umgesetzt werden soll. Sie beruht auf einer Rahmenvereinbarung mit den kreditgebenden Banken und der Mehrheitsaktionärin LIR.

Digitalgeschäft mit dem stärksten Rückgang

Im Großhandel sank der Umsatz um 13 Prozent auf 87,5 Millionen Euro, was Geox auf einen geringeren Ordereingang für die Kollektion Frühjahr/Sommer 2026 in allen Kernmärkten zurückführt. Der eigene Einzelhandel gab um 8,5 Prozent auf 113,5 Millionen Euro nach, davon rund 3,9 Millionen Euro durch Filialschließungen und rund 6,9 Millionen Euro durch rückläufige Kundenfrequenz. Den stärksten Einbruch verzeichnete das Digitalgeschäft mit einem Minus von 14 Prozent auf 69,3 Millionen Euro. Die eigene Website legte flächenbereinigt um 9,2 Prozent zu, konnte die geringeren Bestellvolumina aus dem Onlinegroßhandel und von Marktplätzen aber nicht ausgleichen.

Regional entwickelte sich der Heimatmarkt Italien mit einem Minus von 7,5 Prozent auf 83,7 Millionen Euro am robustesten. Im übrigen Europa ging der Umsatz um 9,5 Prozent auf 131 Millionen Euro zurück, belastet vor allem von der Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) sowie in Frankreich. Die übrigen Länder brachen um 20,6 Prozent auf 55,7 Millionen Euro ein, was Geox auf die Lage im Nahen Osten, in Afrika und in Russland zurückführt. In Russland sank der Umsatz um 6,5 Millionen Euro auf rund 13,5 Millionen Euro und damit auf etwa fünf Prozent des Konzernumsatzes. Schuhe steuerten 248,7 Millionen Euro zum Gesamtumsatz bei, ein Minus von 11,4 Prozent, Bekleidung 21,7 Millionen Euro und damit 12,1 Prozent weniger.

Das Filialnetz umfasste zum 30. Juni 2026 noch 525 Geox Shops, davon 231 in eigener Regie. Im ersten Halbjahr eröffneten 13 Geschäfte, 58 wurden geschlossen. Der Rückbau betraf überwiegend Partnerflächen. Die Zahl der eigenen Läden sank binnen eines Jahres von 238 auf 231, die der Franchise-Verkaufsstellen von 126 auf 98 und die der Shops unter Lizenzvertrag von 127 auf 96.

Geox entwickelt und patentiert die Climasandal

Im ersten Halbjahr 2026 entwickelte und patentierte Geox ein neues Produkt, die Climasandal. In ausgewählten Geschäften war eine Vorabversion erhältlich. Es handelt sich um eine Sandale für Damen und Herren, die auf der intern entwickelten und patentierten Technologie „Ventilated Cushioning System" basiert. Diese ermögliche eine aktive Belüftung, die durch die natürliche Gehbewegung entstehe, so das Unternehmen. Die Sandale sei in den Testgeschäften innerhalb weniger Wochen ausverkauft gewesen und werde ein Schlüsselprodukt der Saison Frühjahr/Sommer 2027. Sandalen machen nach Angaben von Geox mindestens die Hälfte des Frühjahr-Sommer-Geschäfts aus. Für dieselbe Saison kündigte das Unternehmen zudem die erste Kollektion aus einer Zusammenarbeit mit einem international renommierten Designstudio an, das es nicht namentlich nennt.

Ausblick

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Geox einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Bereich auf rund 550 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT soll bei rund 21 Millionen Euro nach neun Millionen Euro liegen. Die zuvor kommunizierten Prognosen für 2026 aus dem Industrieplan vom März 2025 sind nach Angaben des Unternehmens seit dem 13. Mai 2026 nicht mehr gültig. Einen aktualisierten Plan für die Jahre 2027 bis 2029 will Geox im September 2026 vorlegen. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Prognosen angesichts des makroökonomischen und geopolitischen Umfelds mit erheblicher Unsicherheit behaftet sind.


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