Gap hebt Gewinnprognose an und wechselt die Old-Navy-Spitze aus
Der US-amerikanische Bekleidungsspezialist Gap Inc. hat seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres bekannt gegeben, das am 1. August 2026 endete. Der Nettoumsatz sank im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar, die Vergleichsumsätze gingen um ein Prozent zurück. Die Filialumsätze fielen um drei Prozent. Zum Quartalsende betrieb der Konzern 2.471 eigene Standorte, hinzu kommen rund 1.000 Franchisefilialen. Der Online-Umsatz sank um ein Prozent und machte 35 Prozent des gesamten Nettoumsatzes aus.
Um der Schwäche in seiner größten Division zu begegnen, gab Gap die Ernennung von Michael Francis zum President und Chief Executive Officer von Old Navy bekannt. Die Ernennung tritt am 2. November 2026 in Kraft.
„Obwohl die Umsatzergebnisse im zweiten Quartal leicht unter den Erwartungen lagen, trugen die anhaltende operative und finanzielle Disziplin zu einer starken Bruttomarge bei – sodass das Unternehmen die Gewinnerwartungen übertreffen konnte", sagte President und Chief Executive Officer Richard Dickson.
„Wir sind besonders stolz auf die Dynamik der Marke Gap, die ein weiteres Quartal mit zweistelligen Vergleichsumsätzen verzeichnete. Bei Old Navy haben wir noch Arbeit vor uns, aber wir verstehen die Faktoren, die die Performance beeinflusst haben, und ergreifen gezielte Maßnahmen, die bereits zu verbesserten Ergebnissen führen", fügte Dickson hinzu.
Zollrückerstattungen heben das ausgewiesene Ergebnis
Die ausgewiesene Bruttomarge lag bei 52,8 Prozent, ein Anstieg von 1.140 Basispunkten im Jahresvergleich. Der Wert wurde fast vollständig durch einen Nettoeffekt aus erwarteten Zollrückerstattungen im Rahmen des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) getragen. Dahinter stehen Rückerstattungen von rund 512 Millionen US-Dollar, denen eine Zusage von etwa 95 Millionen US-Dollar an bestimmte Lieferanten gegenübersteht. Zugeflossen sind im Quartal bislang 95 Millionen US-Dollar zuzüglich fünf Millionen US-Dollar Zinserträge, der Rest wird im dritten Quartal erwartet. Die bereinigte Bruttomarge, die diesen Effekt ausschließt, stieg um 20 Basispunkte auf 41,4 Prozent.
Entsprechend weit liegen ausgewiesene und bereinigte Ergebnisse auseinander. Das ausgewiesene operative Ergebnis belief sich auf 676 Millionen US-Dollar bei einer operativen Marge von 18,5 Prozent, gegenüber 292 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Bereinigt lag das operative Ergebnis bei 259 Millionen US-Dollar und die operative Marge bei 7,1 Prozent. Der ausgewiesene Nettogewinn stieg auf 501 Millionen US-Dollar oder 1,38 US-Dollar je verwässerter Aktie, nach 216 Millionen US-Dollar oder 0,57 US-Dollar im Vorjahr. Der bereinigte Nettogewinn ging dagegen auf 190 Millionen US-Dollar zurück, das entspricht 0,52 US-Dollar je verwässerter Aktie. Analystenerwartungen von 0,48 US-Dollar übertraf der Konzern damit trotzdem. Die Aktie legte nachbörslich zweistellig zu.
Seit Jahresbeginn hat Gap 726 Millionen US-Dollar über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionär:innen zurückgegeben.
Unterschiedliche Markenperformance im Portfolio
Die vier Marken des Konzerns entwickelten sich im zweiten Quartal deutlich auseinander.
Gap: Der Nettoumsatz stieg um neun Prozent auf 844 Millionen US-Dollar, die Vergleichsumsätze legten um zehn Prozent zu. Eine starke Nachfrage in Schlüsselkategorien wie Denim, Fleece sowie Kinder- und Babymode trieb die zweistellige Dynamik an.
Old Navy: Der Nettoumsatz sank um vier Prozent auf 2,1 Milliarden US-Dollar, die Vergleichsumsätze gingen ebenfalls um vier Prozent zurück. Das Unternehmen führt das auf eine erwartete Schwäche im saisonalen Sortiment der Damenmode sowie auf einen unerwarteten Rückgang der Kundenfrequenz zurück. Laut CNBC ist es der erste negative Vergleichsumsatz der Marke seit dem zweiten Quartal 2023.
Banana Republic: Der Nettoumsatz wuchs um ein Prozent auf 478 Millionen US-Dollar, gestützt durch einen Anstieg der Vergleichsumsätze von drei Prozent, ausgewogen zwischen Herren- und Damenmode.
Athleta: Der Nettoumsatz sank um zwölf Prozent auf 264 Millionen US-Dollar, die Vergleichsumsätze gingen ebenfalls um zwölf Prozent zurück. Die Sportmarke konzentriert sich derzeit auf einen operativen Neuaufbau.
Führungswechsel bei Old Navy
Francis, der im Frühjahr 2026 als Chief Customer Officer von Old Navy und Leiter der gemeinsamen Marketingdienste zur Gruppe gestoßen war, tritt die Nachfolge von Haio Barbeito an, der in eine beratende Funktion wechselt. Nach Angaben des Unternehmens habe Old Navy seit Beginn seiner Transformation ein Umsatzwachstum von nahezu einer halben Milliarde US-Dollar erzielt. Dickson bezeichnete den Wechsel gegenüber CNBC als geplanten Übergang ohne Strategiewechsel.
Francis verfügt über vier Jahrzehnte Erfahrung als Führungskraft im Einzelhandel. Er war 26 Jahre bei Target tätig, davon über ein Jahrzehnt als Chief Marketing Officer, und beriet ein Jahrzehnt lang Vorstand und Verwaltungsrat von Walmart. Hinzu kommen Stationen bei JCPenney und DreamWorks Animation. In seiner neuen Funktion wird er sich auf die Weiterentwicklung der Omnichannel-Kundenerlebnisse, die Verbesserung der Filialumsetzung und die Wiederherstellung der kommerziellen Dynamik in der Damenmode sowie in den Kernkategorien für Familien konzentrieren.
Zollerleichterungen und aktualisierter Ausblick für das Geschäftsjahr 2026
Nach der Aktualisierung der Section-301-Regelungen im Juli erwartet die Gruppe zusätzliche Zollerleichterungen von 15 Millionen US-Dollar netto. Diese kommen dem Bruttogewinn des Gesamtjahres zugute, vorwiegend im vierten Quartal.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 hat Gap Inc. seinen Ausblick für den Nettoumsatz auf ein Wachstum von ein Prozent bis 1,5 Prozent gesenkt, zuvor lag die Spanne bei ein bis zwei Prozent. Die Revision berücksichtigt Vergleichsumsätze bei Old Navy von null bis minus ein Prozent. Dem stehen höhere Erwartungen für die Marke Gap gegenüber, wo die Vergleichsumsätze nun im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich wachsen sollen. Die bereinigte operative Marge wird zwischen 7,4 Prozent und 7,6 Prozent prognostiziert, nach zuvor 7,3 bis 7,5 Prozent. Den bereinigten verwässerten Gewinn je Aktie hebt der Konzern auf 2,35 US-Dollar bis 2,45 US-Dollar an, von zuvor 2,30 bis 2,40 US-Dollar. Ausgewiesen werden 3,77 US-Dollar bis 3,87 US-Dollar erwartet.
Für das dritte Quartal erwartet der Einzelhändler ein Nettoumsatzwachstum von 1,5 Prozent bis 2,5 Prozent bei einer Bruttomargenausweitung zwischen 25 und 75 Basispunkten.
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