Frasers Group stockt Anteil an Hugo Boss weiter auf
Der britische Einzelhandelskonzern Frasers Group, zu dem unter anderem Sports Direct, House of Fraser und die Luxuskette Flannels gehören, hat seine Beteiligung am deutschen Premiummodelabel Hugo Boss nach Abschluss des freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots deutlich ausgebaut. Frasers hält nun 47,89 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte und bleibt damit größter Einzelaktionär, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.
Frasers hatte das Angebot für alle nicht direkt vom Konzern gehaltenen Namensstückaktien am 10. Juni 2026 angekündigt und das Angebotsdokument am 25. Juni veröffentlicht. Die zusätzliche Annahmefrist endete am 13. August. Im Rahmen des Verfahrens erhielt Frasers gültige Annahmeerklärungen für 12.157.598 Hugo-Boss-Aktien, was rund 17,62 Prozent des Grundkapitals entspricht. Zusammen mit der bestehenden Direktbeteiligung hält der Konzern nun 33.054.959 Aktien des Modehauses. Bezugsgröße sind 69.016.167 ausstehende Aktien.
Aufsichtsrat betont bestehende Strukturen
Hugo Boss hat das Ergebnis am Dienstag zur Kenntnis genommen und bekräftigt, an Strategie und Governance festzuhalten. „Wir schätzen das anhaltende, langfristige Engagement der Frasers Group für Hugo Boss und freuen uns darauf, eine konstruktive Beziehung zu ihr als unserem größten Einzelaktionär aufrechtzuerhalten“, sagte Aufsichtsratschef Stephan Sturm. Der Aufsichtsrat werde die erfolgreiche Umsetzung der Strategie „Claim 5 Touchdown“ weiter unterstützen und bleibe dabei dem etablierten Governance-Gerüst des Unternehmens verpflichtet sowie dem besten Interesse von Hugo Boss und aller Stakeholder.
Vorstandschef Daniel Grieder dankte den Aktionär:innen und begrüßte die Unterstützung von Frasers für die langfristige strategische Ausrichtung. „Unser Fokus bleibt klar. Wir setzen ‚Claim 5 Touchdown‘ diszipliniert um und sind entschlossen, die erheblichen Chancen zu nutzen, die vor uns liegen“, sagte er. Mit starken Marken, engagierten globalen Teams und einer soliden Finanzlage sei das Unternehmen gut aufgestellt, um erhebliches Wertschöpfungspotenzial zu erschließen.
Die im Dezember 2025 vorgestellte Strategie legt den Kurs bis 2028 fest und setzt auf die Stärkung der Markensubstanz, eine hochwertigere Distribution und eine bessere operative Leistung. Nach Unternehmensangaben hat sie im ersten Halbjahr 2026 bereits zu einer höheren Ergebnisqualität, gestiegener Produktivität und einer starken Cash-Generierung geführt.
Ein Übernahmeversuch seit Mitte Juni
Frasers bemüht sich seit Mitte Juni um die Kontrolle über den im MDax notierten Modekonzern. Am 10. Juni kündigte die Gruppe das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot an, Ende Juni bestätigte sie den Preis von 38 Euro je Aktie, ohne nachzubessern. Die erste Annahmefrist endete am 27. Juli.
Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss empfahlen Anfang Juli einstimmig, das Angebot abzulehnen. Der Preis spiegele „den eigenständigen Wert und das zukünftige Wertschöpfungspotenzial nicht angemessen wider“, hieß es damals. Die Offerte sei zuvor einem unabhängigen Prüfungsverfahren unterzogen worden. Der Aufschlag lag bei lediglich rund vier Prozent, bewertet wurde Hugo Boss mit etwa 2,7 Milliarden Euro. Knapp ein Fünftel der Anteilseigner:innen nahm das Angebot dennoch an.
Noch während der Angebotsfrist baute Frasers seine Position aus. Am 21. Juli teilte der Konzern mit, die Beteiligung um rund 3,69 Prozentpunkte auf knapp 30,3 Prozent erhöht zu haben, und überschritt damit die Schwelle von 30 Prozent, die nach deutschem Recht grundsätzlich ein Pflichtangebot auslöst. Am 27. Juli gab die Europäische Kommission das Vorhaben fusionskontrollrechtlich frei und erfüllte damit die letzte im Angebotsdokument festgelegte Bedingung. Hinter Frasers steht der britische Unternehmer Mike Ashley.
Was Frasers nun tun kann
Mit 47,89 Prozent liegt Frasers knapp unter der absoluten Mehrheit, dürfte auf Hauptversammlungen mit üblicher Präsenz aber regelmäßig über die Stimmenmehrheit verfügen. Weitere Aktien kann der Konzern über den Markt zukaufen. Erwirbt Frasers Anteile außerhalb der Börse zu einem höheren Preis als im Angebot, müsste es die Differenz nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz auch jenen Aktionär:innen nachzahlen, die die Offerte angenommen haben.
Spekulationen um die Führungsspitze
Parallel zum Anteilsaufbau wird über personelle Konsequenzen spekuliert. Nach einem Bericht der britischen Zeitung The Times prüft Frasers, den eigenen Chief Executive Officer Michael Murray an die Spitze von Hugo Boss zu setzen. Murray, Schwiegersohn Ashleys, führt den britischen Konzern seit 2022 und sitzt seit Mai 2025 im Aufsichtsrat von Hugo Boss. Ein vergleichbares Muster hatte Frasers bereits bei Boohoo verfolgt, wo die Gruppe nach dem Aufbau einer großen Beteiligung einen Wechsel an der Vorstandsspitze forderte. Vor diesem Hintergrund erhält Sturms Verweis auf das etablierte Governance-Gerüst zusätzliches Gewicht.
Hugo Boss steht derweil unter Druck. Der Konzern, den der frühere Tommy-Hilfiger-Chef Grieder seit 2021 führt, verzeichnete 2025 einen Umsatzrückgang von rund einem Prozent und begründete dies mit der schwachen Nachfrage in Großbritannien und China. Im Dezember senkte das Unternehmen seine Prognose für den Betriebsgewinn 2026. Mit Umsatzwachstum rechnet Hugo Boss erst wieder für 2027. Die Aktie notiert etwa 50 Prozent unter ihrem Stand vom Juli 2023.
Dieser Beitrag wurde am am 18. August 2026 um 13.05 Uhr mit einer Stellungnahme von Hugo Boss aktualisiert
Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt.
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