FCG-Studie: So wichtig ist Deutschlands Modesektor

Deutschlands Modesektor hat es während der Coronavirus-Pandemie nicht einfach. Eine Studie des Fashion Council Germany ruft zum Auftakt der Berliner Modewoche in Erinnerung, wie wichtig die Branche ist und wie sie wettbewerbsfähig bleibt.

Der Modeverband kämpft seit seiner Gründung für die politische Anerkennung der Mode als Kulturgut. Die Studie ‘The Status of German Fashion 2021’ wurde in Auftrag gegeben, um die Branche in ihrer Vielfalt zu erfassen.

Deutschlands Modesektor in Zahlen

Etwa 1,3 Millionen Menschen sind in der Modeindustrie beschäftigt, schätzt die Studie. Die Branche trug 2019 rund 66 Milliarden Euro – etwa 2 Prozent – zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei. In gleichen Jahr generierte sie 36 Milliarden Euro an Steuereinnahmen, wobei ein Großteil aus Mehrwertsteuerzahlungen und Lohnsteuern stammte.

Im europäischen Vergleich der 175 größten Modemarken belegt Deutschland beim Gesamtumsatz den zweiten Platz. „Obwohl in diesen Zahlen die zahlreichen unabhängigen Designer und Marken nicht enthalten sind, zeigen sie deutlich, dass Deutschland eine hoch relevante Nation als Modestandort ist”, heißt es in der von dem Prognoseunternehmen Oxford Economics durchgeführten Studie.

Deutschland ist auch einer der größten Textilproduzenten in der EU. Die Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie betrug 2018 3,1 Milliarden Euro. Damit befindet sich Deutschland auf dem zweiten Platz hinter Italien, dessen Wertschöpfung bei 5,5 Milliarden Euro lag.

Einige globale Player, unbekannter Rest

Deutsche Modemarken stehen für hochwertige Verarbeitung und zeitloses Design zu einem günstigen Preis-Qualitäts-Verhältnis, sagten die 44 Experten, die für die Studie befragt wurden. Die Unternehmen der Branche stehen auch im Ruf sehr zuverlässig zu sein. „Deutschland wird auch als bedeutender Innovator im Bereich der technischen synthetischen Textilien gesehen”, heißt es in der Studie. Denn ein großer Teil der Textilproduktion die hierzulande verblieben ist, liegt in diesem Bereich.

Angesichts der relativen Größe der Branche, ist die deutsche Modeindustrie weltweit aber unterrepräsentiert und besitzt nur eine geringe Sichtbarkeit, finden die befragten Experten. Neben einer handvoll global bekannter Modemarken, wie die großen Sportartikelkonzerne Adidas und Puma, sind andere Brands global kaum bekannt.

Die geringe Sichtbarkeit sei teilweise darauf zurückführen, dass die Modeindustrie nicht als Kulturgut anerkannt wird und ihr daher die breit angelegte Förderung fehlt, die Konkurrenten in Ländern wie Frankreich, Italien und Großbritannien seit Jahrzehnten bekommen, so die Umfrageteilnehmer.

Chancen und Risiken der deutschen Modeindustrie

Die deutsche Modebranche ist gut aufgestellt, um auf den Trend der nachhaltigen Mode zu reagieren: Durch hochwertige Verarbeitung kaufen Kunden weniger, dafür aber bessere und langlebigere Produkte. Die Expertise deutscher Hersteller bei Textilien und Herstellungsprozessen bedeutet auch, dass sie bei nachhaltigeren Technologien gut aufgestellt sind.

„Um den globalen Marktanteil zu halten, wird die deutsche Modeindustrie weiterhin investieren müssen, um an der Spitze der Modetechnologie zu bleiben, da Schwellenländer in diesem Bereich heranreifen”, so die Studie. Insbesondere China dürfte sich mittelfristig zu einem starken Konkurrenten bei technischen Stoffen und der Produktion von Anlagen zur Textilherstellung entwickeln.

Bild: Berliner Salon x MBFW 2021

 

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