Europas Textilindustrie schrumpft – Importe mehr als doppelt so hoch wie Exporte
Der Euratex-Bericht „Facts & Key Figures 2026" weist für 2025 sinkende Exporte, ein Umsatzminus von 1,5 Prozent und einen Beschäftigungsrückgang von 2,8 Prozent aus.
Die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie verliert weiter an Boden gegenüber der Konkurrenz aus Drittstaaten.
Die Exporte gingen 2025 um 2,9 Prozent auf 61 Milliarden Euro zurück, während die Importe um 1,1 Prozent auf 122 Milliarden Euro zulegten. Das geht aus dem im Juni veröffentlichten Bericht „Facts & Key Figures 2026" des europäischen Dachverbands der Textil- und Bekleidungsindustrie Euratex hervor, der auf Berechnungen des Verbands anhand von Eurostat-Daten beruht. Die Einfuhren lagen damit bei mehr als dem Doppelten der Ausfuhren, das Handelsdefizit weitet sich weiter aus. Rund ein Drittel der in Europa verkauften Textil- und Bekleidungsprodukte wird in China hergestellt.
Zugleich zeichnet der Bericht ein Bild wachsenden Drucks im Inneren. Der Branchenumsatz sank um 1,5 Prozent auf 166 Milliarden Euro, die Beschäftigung um 2,8 Prozent auf knapp 1,2 Millionen Menschen. Zehn Jahre zuvor hatte der Sektor noch mehr als 1,5 Millionen Beschäftigte gezählt. Von den 194.500 Unternehmen in der EU-27 sind 99,7 Prozent kleine und mittlere Betriebe. Deutschland ist nach Italien der zweitgrößte Standort und stellte 2024 mit rund 7.000 Unternehmen und 118.000 Beschäftigten 17 Prozent der EU-Exporte.
E-Commerce verschärft den Wettbewerbsdruck
Zusätzlichen Druck erzeugt der Onlinehandel. Die Menge der Pakete mit geringem Warenwert, die in die Europäische Union gelangen, hat sich seit 2022 von 1,4 auf 5,9 Milliarden Sendungen vervierfacht, wie aus den Zollüberwachungsdaten der Europäischen Kommission hervorgeht, die der Bericht auswertet. Diese Kleinsendungen stehen für 98 Prozent der eingeführten Artikel, aber nur für zwei Prozent des Importwerts, bei durchschnittlichen Preisen von weniger als neun Euro je Stück. Damit entstehe ein ungleiches Spielfeld für europäische Produzenten, die hohe Umwelt-, Sozial- und Produktstandards einhalten müssen, so Euratex.
Weit hinter den eigenen Ansprüchen liegt die Branche beim Recycling. Von den 13,3 Millionen Tonnen Textilabfall aus Verbraucherhand, die 2025 in Europa anfielen, wurden nur etwa 1,5 Millionen Tonnen erfasst und sortiert. Der Aufbau eines funktionsfähigen Textil-zu-Textil-Systems bis 2035 erfordert nach diesen Berechnungen acht bis elf Milliarden Euro an Anfangsinvestitionen sowie jährlich fünf bis 6,5 Milliarden Euro im Betrieb. Der Bericht stützt sich hier auf die Studie „Advancing textile circularity" von Boston Consulting Group und ReHubs vom März dieses Jahres.
Gleichzeitig hebt der Verband die Widerstandsfähigkeit der Branche hervor. Die Wertschöpfung je Beschäftigten stieg binnen zehn Jahren von 27.000 auf 39.100 Euro, die Kohlendioxidemissionen je Euro Wertschöpfung sanken von über 160 Gramm im Jahr 2008 auf 66 Gramm im Jahr 2024. Daraus leitet Euratex ab, dass sich Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit gemeinsam voranbringen ließen.
Generaldirektor Dirk Vantyghem und Präsident Mario Jorge Machado fordern im Vorwort bezahlbare Energie, freien, aber faireren Handel und eine „Made in Europe"-Strategie, die auf Transparenz und Qualität statt auf Protektionismus setze. Die Ziele seien erreichbar, sofern die Branche als das strategische Gut behandelt werde, das sie sei.
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