Euratex präsentiert Strategie für Aufschwung nach Corona

Der europäische Bekleidungs- und Textilverband Euratex hat eine Strategie für die Zukunft entwickelt, laut der die aktuelle Corona-Krise in eine Chance verwandelt werden soll. Teil der Strategie, die auf der letzten Hauptversammlung angenommen wurde, ist es, die Branche „digitaler, nachhaltiger und agiler“ zu machen. Dementsprechend wurden fünf Vorreiterinitiativen in kritischen Bereichen identifiziert. Auf der Hauptversammlung wurde zudem Alberto Paccanelli erneut zum Präsidenten gewählt und Jean-François Gribomont, Gregory Marchant, Hadi Karasu und Bodo Bölzle zu Vizepräsidenten ernannt.

Während europäische Textil- und Bekleidungsunternehmen entscheidend dazu beigetragen haben, in der Krise kurzfristig Abhilfe zu schaffen - zum Beispiel durch die Umstellung ihrer Produktion oder eine erhöhte Produktion von PSA - müssen nun langfristige Ziele in Angriff genommen werden, die einen Erneuerungsprozess des Sektors und seiner Wertschöpfungskette sowie eine wettbewerbsfähigere und grünere Zukunft beinhalten, so Eurotex.

„Europa sollte die strategische Bedeutung des europäischen Textil- und Bekleidungssektors unterstützen, die Entwicklung eines integrierten Ökosystems mit der EU und ihren Nachbarländern fördern, in Innovation und Fertigkeiten investieren und die Zirkularität zu einer Quelle der Wettbewerbsfähigkeit machen. Der Einsatz dieser dauerhaften Maßnahmen muss jetzt geschehen“, warnt Euratex in einer Mitteilung vom Freitag.

Euratex entwickelt fünf Kerninitiativen

Die erste Initiative besteht darin, die Versorgung zu garantieren und belastbare Wertschöpfungsketten in Europa für kritische PSA und andere Textilprodukte aufzubauen, um eine Krise dieser Größenordnung in Zukunft zu vermeiden. Dazu gehört der Aufbau einer starken europäischen Textilallianz. Die zweite Initiative soll sicherstellen, dass die vorhandenen Arbeitskräfte, die immer älter werden (35 Prozent sind älter als 50 Jahre), weiterqualifiziert werden, um einer sich rasch wandelnden Industrie gerecht zu werden und gut ausgebildete junge Arbeitnehmer und Fachkräfte anzuziehen, um Innovation und Digitalisierung zu fördern.

Bei der dritten Initiative geht es um die Investition in innovative und nachhaltige Textilien und die Förderung der Zirkularität durch engagierte öffentlich-private Partnerschaften (PPPs) auf EU-Ebene, um die Kreislaufwirtschaft zu einer Quelle der Wettbewerbsfähigkeit zu machen. „Diese PPPs werden Forschung, Innovation, Pilotversuche und Präsentationen in kritischen Bereichen wie der digitalen Fertigung und den Lieferketten bündeln und beschleunigen“, sagt Euratex voraus.

Als vierte Initiative will Euratex in Europa fünf Recycling-Zentren in der Nähe bestehender Textil- und Bekleidungsregionen einrichten und somit Rohstoffe durch Sammeln, Sortieren, Verarbeiten und Wiederverwerten aus bei der Produktion anfallenden Textilabfällen und gebrauchten Textilien herstellen.

Bei der fünften Initiative geht es darum, einen freien und fairen Handel für Textil- und Bekleidungsunternehmen zu gewährleisten und ein integriertes Ökosystem mit den langjährigen Partnern der EU zu fördern, damit Waren in Zukunft nicht wieder durch nationale Instanzen an den Grenzen blockiert werden. „Ein erster Schritt sollte darin bestehen, die Pan-Euro-Med-Zone als ein integriertes Ökosystem zu fördern und die Marktchancen zu nutzen, die sich aus anderen EU-Freihandelsabkommen ergeben“, schlägt Eurotex vor.

„Diese Krise hat gezeigt, wie wichtig unsere Industrie ist, und jetzt ist es mehr denn je essentiell, die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Ökosystems zu entwickeln. Das ‘EU Next Generation’-Paket kann eine wichtige Rolle spielen und die Textil- und Bekleidungsindustrie in ihrer Renaissance unterstützen“, kommentiert Paccanelli.

Als Stimme der europäischen Textil- und Bekleidungsindustrie vertritt Euratex etwa 170.000 Unternehmen (davon 90 Prozent kleine Unternehmen), die etwa 1,7 Millionen Arbeitnehmer beschäftigen. Im Jahr 2019 erwirtschaftete die Branche Exporte in Höhe von über 61 Milliarden Euro, durchlief aber, wie jüngste Eurostat-Daten zeigen, ein schwieriges Jahr mit rückläufiger Beschäftigung und einer zum ersten Mal negativen Umsatzentwicklung seit 2012-13. Prognosen zufolge könnte der Sektor im Jahr 2020 einen Umsatzverlust von 50 Milliarden Euro erleiden.

Ein effektiver kurzfristiger Zugang zu Liquidität, die rasche Wiedereröffnung von Geschäften und Unternehmen, ein gezieltes öffentliches Beschaffungswesen, gut funktionierende Märkte und Versorgungsketten und das Stoppen zusätzlicher regulatorischer Belastungen sind Maßnahmen zur raschen Erholung, die Euratex für die Branche für unerlässlich hält.

Bild: Euratex

 

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