• Home
  • Nachrichten
  • Business
  • EU-Indien-Freihandelsabkommen: Wie es die Wettbewerbsbedingungen für die Textil- und Bekleidungsindustrie angleicht

EU-Indien-Freihandelsabkommen: Wie es die Wettbewerbsbedingungen für die Textil- und Bekleidungsindustrie angleicht

Für viele BranchenInsider:innen, die sich seit Jahren in globalen Lieferketten bewegen, markiert die formelle Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen Indien und der EU (FTA) am 27. Januar 2026 den Beginn einer neuen Ära. Jahrzehntelang fühlten sich indische Exporteure:innen benachteiligt: Sie sahen sich mit hohen Zöllen konfrontiert, während Nachbarländer wie Bangladesch und Vietnam einen bevorzugten Zugang zu wichtigen Märkten wie der Europäischen Union genossen. Dieser Kommentar untersucht die wichtigsten Veränderungen, die dieses Abkommen für die Textil- und Bekleidungslandschaft in Indien und der EU mit sich bringen wird.

Angleichung der globalen Wettbewerbsbedingungen

Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren ist die „Zollmauer“ gefallen, die indische Handwerkskunst von europäischen Verkaufsflächen trennte. Bisher unterlagen indische Kleidungsstücke Einfuhrzöllen zwischen 4 und 12 Prozent. Für Konfektionskleidung (RMG) betrugen sie 9,6 bis 12 Prozent; Baumwollstoffe wurden mit 4 bis 10 Prozent besteuert und Kunstfasern (MMF) mit 12 Prozent. Heimtextilien wie Leinen und Handtücher unterlagen Zöllen von 6 bis 12 Prozent und technische Textilien von 8 bis 12 Prozent.

Letztendlich geht es nicht nur um den Preis, sondern um Gleichberechtigung. „Der zollfreie Zugang für indische Bekleidung zum EU-Markt wird das Blatt entscheidend zugunsten Indiens wenden und unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Markt verbessern“, kommentiert A. Sakthivel laut The Secretariat. Er ist Vorsitzender des Apparel Export Promotion Council (AEPC), der vom indischen Textilministerium gefördert wird.

Über das fertige Kleidungsstück hinaus wirkt sich das FTA auf die gesamte Wertschöpfungskette von ‘Farm to Fashion’ aus. Exporteure:innen von Garnen und Stoffen, die bisher mit nachteiligen Zöllen konfrontiert waren, sehen nun einen klaren Weg zum Markt. Der Indian Cotton Textiles Export Promotion Council (Texprocil) hat diesen zollfreien Zugang lange angestrebt. Ein solches Abkommen würde „die Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen, die mit den Landwirt:innen verbundenen Wertschöpfungsketten stärken und Indiens Präsenz auf dem EU-Markt deutlich erhöhen“, wird er in The Hindu zitiert.

Obwohl Indien schon immer eine große Baumwollmacht war, fördert das FTA eine Verlagerung hin zu hochwertigen Kunstfasern und technischen Textilien. Der Wegfall des Zolls von 12 Prozent auf Bekleidung aus Kunstfasern ermöglicht es indischen Designer:innen, in den Segmenten Performance- und Activewear zu konkurrieren. Sammir Dattani, Geschäftsführer des Garnherstellers Sanathan Textiles, erklärte gegenüber Textile Excellence, dass das Abkommen als „strategischer Wendepunkt“ diene. Es steigert direkt die Kostenwettbewerbsfähigkeit in verschiedenen Endverbrauchssegmenten, einschließlich Automobil- und technischer Stoffe.

Zur rechten Zeit: Wiederherstellung der Exportdynamik

Die indische Bekleidungs- und Textilindustrie ist optimistisch und stützt sich auf aggressive Wachstumsprognosen. Die EU ist nach den USA der zweitgrößte Exportmarkt für Indien. Daher wird erwartet, dass der Abbau von Handelshemmnissen das Auftragsvolumen vervielfachen wird. Branchenführer:innen prognostizieren bereits eine Verdoppelung der Lieferungen. „Dieses Abkommen wird den Bekleidungsexporten einen erheblichen Schub verleihen, die sich in den nächsten drei Jahren voraussichtlich verdoppeln werden“, so Sakthivel laut Economic Times.

Der Zeitpunkt dieses FTA ist entscheidend, insbesondere angesichts der kürzlich auf dem US-Markt verhängten Zölle von 50 Prozent. Durch die Sicherung des europäischen Korridors diversifizieren indische Hersteller:innen ihr Risiko. „Der zollfreie Zugang bietet eine bedeutende Chance, insbesondere angesichts der Herausforderungen, denen wir in den USA gegenüberstehen“, bestätigte Sivaramakrishnan Ganapathi laut The Economic Times. Er ist Geschäftsführer von Gokaldas Exports, einem globalen Bekleidungshersteller und -exporteur aus Bengaluru. Er fügte hinzu, dass Europa die USA zwar nicht vollständig ersetzen werde, aber eine „rechtzeitige Entlastung“ biete.

Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen

Aber nicht nur die großen Akteur:innen werden profitieren. Das Herz der indischen Textil- und Bekleidungsindustrie schlägt in Clustern wie Tiruppur, Bengaluru und Noida. Dort hängen Millionen von Existenzen von starken Exporten ab. Das FTA soll eine Rettungsleine für diese Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe (KKMU) sein. Laut dem Presseinformationsbüro der Regierung (PIB) wird das Abkommen „die Produktion, die Kapazitätsauslastung und die Beschäftigung in den arbeitsintensiven KKMU-Clustern fördern“. So wird sichergestellt, dass die Vorteile des globalen Handels den 45 Millionen direkt im Sektor beschäftigten Menschen zugutekommen.

Europäische Einkäufer:innen gehören zu den anspruchsvollsten weltweit, wenn es um Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards (ESG) geht. Anstatt dies als Hürde zu sehen, betrachten indische Brancheninsider:innen das FTA als Anerkennung für ihre „grünen“ Investitionen. „Das FTA wird diese Bemühungen belohnen, indem es mehr Märkte öffnet und langfristige Käufer:innenbeziehungen in ganz Europa stärkt“, erklärt K. M. Subramanian laut Fibre2Fashion. Er ist Präsident der Tiruppur Exporters’ Association (TEA) und erwähnte insbesondere die führende Rolle der Region bei der Nulleinleitung von Flüssigkeiten und der Solarenergie.

Bessere Planbarkeit der Beschaffung

Für europäische Marken und Einzelhändler:innen geht es beim FTA nicht nur um niedrigere Kosten, sondern auch um Stabilität. Durch die Integration indischer Lieferant:innen in einen formellen Vertragsrahmen wird das Modell „Sourcing from India“ berechenbarer. Ein Artikel in der Global Textile Times legt nahe, dass das Abkommen „die regulatorische Zusammenarbeit, die Zollverfahren und den langfristigen Marktzugang verbessert“. Dies erleichtert es europäischen Einzelhändler:innen, sich von Fast Fashion weg und hin zu stabileren, langfristigen Lieferpartnerschaften zu bewegen.

Das Handelsabkommen ist eine zweiseitige Angelegenheit. Es nützt dem europäischen Maschinenbausektor ebenso wie dem indischen Bekleidungssektor. Um die steigende Nachfrage und die strengen Qualitätsstandards der EU zu erfüllen, müssen indische Fabriken modernisieren. Brancheninsider:innen erwarten daher einen starken Anstieg der Importe hochwertiger europäischer Textilmaschinen. Dies schafft eine Kreislaufwirtschaft, in der indische Hersteller:innen europäische Technologie verwenden, um Kleidung zu produzieren, die dann wieder an europäische Verbraucher:innen verkauft wird.

Der Weg nach vorn: Umsetzung und Chancen

Auch wenn die Tinte der Unterschriften auf dem Abkommen bereits trocken ist, beginnt jetzt die eigentliche Arbeit der Umsetzung. Rutger Bonsel zufolge, Geschäftsführer von Broekman Logistics India und der India-Netherlands Business Association, werden die Auswirkungen des FTA auf Logistik und Lieferketten spürbar sein. Es wird sich zeigen, „wie Lieferketten neu gestaltet werden, wie schnell Waren Grenzen überqueren und wie zuversichtlich Unternehmen in grenzüberschreitende Operationen investieren“.

Der Logistik- und Lieferkettenexperte warnt in seinem LinkedIn-Beitrag, dass „Zollentlastungen allein keine Wettbewerbsfähigkeit garantieren“. Für ihn wird die Logistikleistung zum entscheidenden Faktor. Unternehmen sollten sich drei entscheidende Fragen stellen: Können Vorlaufzeiten verkürzt werden? Kann der Lagerbestand näher an der Nachfrage positioniert werden? Können die Gesamtkosten der Lieferkette optimiert werden, nicht nur die Zollkomponente?

Ein weiterer Bereich liegt in der Zollabwicklung und den Ursprungsregeln (RoO). Dies ist Bonsel zufolge „eine der am meisten unterschätzten Errungenschaften des Abkommens“. „Schnellere, besser vorhersehbare Grenzprozesse können die Zeit verkürzen und den lokalen Lagerbestand reduzieren, der zur Bedienung Ihres Marktes benötigt wird, und zeitkritische Flüsse wie Ersatzteile, Gesundheitsprodukte, Elektronik und Mode ermöglichen“, so der Experte. Die Branche muss sich nun darauf konzentrieren, die Ursprungsregeln zu navigieren und sicherzustellen, dass jede Fabrik in der Lieferkette die sich entwickelnden Rückverfolgbarkeitsanforderungen der EU erfüllt.

Globale Lieferketten neu denken

Bonsel betont auch die Chance, die das FTA über den reinen Warenverkehr hinaus bietet, nämlich bei Dienstleistungen, temporärer Mobilität und digitalem Handel. „Durch die Verbesserung des Marktzugangs für Dienstleistungen und die Schaffung eines berechenbareren digitalen Handelsumfelds unterstützt das FTA integrierte End-to-End-Lieferkettenmodelle anstelle von fragmentierten Übergaben zwischen den Parteien“, stellt er fest.

Schließlich warnt der Lieferkettenexperte davor, dieses FTA „nur als Beschaffungsalternative für Indien“ oder lediglich als „neuen Markt mit 1,4 Milliarden Verbraucher:innen“ zu sehen. Da viele dieser potenziellen Kund:innen (noch) nicht aufstiegsbereit sind, „ist der neu erschlossene Markt für Mahindra & Mahindra & Tata Motors derzeit tatsächlich größer als der neue Markt für Volkswagen & Renault!“ Bonsel glaubt, dass bei richtiger Umsetzung das größte Potenzial darin liegt, dass „Indien zu einem strategischen Knotenpunkt in den europäischen und globalen Wertschöpfungsketten wird“.

Dieser Artikel wurde mithilfe von digitalen Tools übersetzt.

FashionUnited nutzt Künstliche Intelligenz, um die Übersetzung von Artikeln zu beschleunigen und das Endergebnis zu verbessern. Sie helfen uns, die internationale Berichterstattung von FashionUnited einer deutschsprachigen Leserschaft schnell und umfassend zugänglich zu machen. Artikel, die mithilfe von KI-basierten Tools übersetzt wurden, werden von unseren Redakteur:innen Korrektur gelesen und sorgfältig bearbeitet, bevor sie veröffentlicht werden. Bei Fragen oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte per E-Mail an info@fashionunited.com


ODER ANMELDEN MIT
EU
Europäische Union
Freihandelsabkommen
Indien
Textil
Zölle