Esprit Holdings rutscht im ersten Halbjahr in die Verlustzone

Die Markenrechteverwerterin Esprit Holdings hat im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von 87,74 Millionen Hongkong-Dollar verbucht, nach einem kleinen Gewinn im Vorjahreszeitraum.

Der Umsatz aus fortgeführten Geschäftsbereichen sei zugleich von 6,6 auf 14,92 Millionen Hongkong-Dollar gestiegen, ein Plus von 126 Prozent, geht aus der Mitteilung zum Zwischenergebnis hervor, die das in Hongkong börsennotierte Unternehmen am Donnerstag veröffentlichte. Die Erlöse stammen inzwischen ausschließlich aus Lizenzgebühren. Eine Zwischendividende schüttet das Unternehmen nicht aus.

Der Vergleich mit dem Vorjahr täuscht allerdings. Der damals ausgewiesene Gewinn von 1,3 Millionen Hongkong-Dollar ging vollständig auf einen Einmaleffekt zurück, nämlich die Entkonsolidierung der kanadischen Tochter Esprit Canada Retail Limited, die im Juni 2025 ein Insolvenzverfahren einleitete. Aus dem laufenden Geschäft stand schon damals ein Verlust von 20,8 Millionen Hongkong-Dollar zu Buche.

Den deutlich höheren Fehlbetrag führt das Unternehmen auf zwei Sonderposten zurück. Auf die Markenrechte habe es nach einer neuen externen Bewertung 48,62 Millionen Hongkong-Dollar abgeschrieben, hinzu komme eine einmalige Rückstellung von rund 25 Millionen Hongkong-Dollar für Rechts- und Beratungskosten aus einem Schiedsverfahren. Ohne beide Posten liege der bereinigte Verlust bei etwa 14 Millionen Hongkong-Dollar. Die übrigen Betriebskosten seien von 35 auf 26 Millionen Hongkong-Dollar gesunken, die Personalkosten um 39 Prozent auf elf Millionen Hongkong-Dollar. Zum Stichtag beschäftigte der Konzern noch rund 28 Vollzeitkräfte, ein Jahr zuvor waren es 38.

Bemerkenswert ist, was im Berichtszeitraum ausblieb. Neue Lizenzverträge kamen nach eigenen Angaben nicht zustande, das Unternehmen verweist auf strenge Auswahlkriterien bei der Partnersuche. Nahezu der gesamte Umsatz entfiel auf drei Lizenznehmer in China, Südamerika und Hongkong, die zusammen rund 97 Prozent der Erlöse beisteuerten. Der nordamerikanische Partner trug noch nichts bei und bereitete im ersten Halbjahr zunächst die Anbindung an E-Commerce- und Großhandelskanäle vor. Im Juli, also nach dem Stichtag, startete er eine Retro-Kollektion mit Sweatshirts im Esprit-Logo-Design bei Costco in den Vereinigten Staaten und bei Walmart in Kanada. Die Ware sei rasch abverkauft worden.

Belastet wird die Bilanz weiter von den Altlasten des früheren Handelsgeschäfts. Das Eigenkapital sank binnen sechs Monaten von 148,42 auf 60,61 Millionen Hongkong-Dollar, das Nettoumlaufvermögen von 52,78 auf 13,5 Millionen. Die Verschuldungsquote, die der Konzern als Anteil der externen verzinslichen Verbindlichkeiten an der Bilanzsumme definiert, stieg von 35 auf 42 Prozent, was er vor allem auf die Markenabschreibung zurückführt. Der Insolvenzverwalter der niederländischen Esprit Europe B.V. klagt vor dem Bezirksgericht Amsterdam wegen konzerninterner Vermögensübertragungen, die Restforderung aus einem Gesellschafterdarlehen liegt bei mehr als 49 Millionen Euro. Esprit Holdings hält den Anspruch für unbegründet und in Hongkong nicht vollstreckbar und hat am 12. August Klageerwiderung eingereicht. Für die Fortführung des Geschäfts verweist der Verwaltungsrat auf Kreditlinien über 335 Millionen Hongkong-Dollar, von denen bislang 125,13 Millionen gezogen sind.

Nach dem Stichtag kam ein weiterer Posten hinzu. Der Internationale Schiedsgerichtshof der Internationalen Handelskammer (ICC) verurteilte den Konzern im Juli in einem Honorarstreit mit einer Anwaltskanzlei zur Zahlung von 3.927.922,81 US-Dollar und 40.900 Hongkong-Dollar nebst neun Prozent Zinsen. Strittig waren Rechnungen über rund 2,9 Millionen US-Dollar für Leistungen zwischen April und Oktober 2024. Auf die bereits 2024 gebildete Rückstellung von 8,2 Millionen Hongkong-Dollar legte das Unternehmen weitere 22,5 Millionen nach.

Das operative Europageschäft der Marke, zu dem auch die deutsche Esprit Europe GmbH mit Sitz in Ratingen gehörte, wurde ab 2024 im Zuge der Insolvenzverfahren abgewickelt und 2025 endgültig geschlossen. Seither beschränkt sich der Konzern darauf, die Markenrechte außerhalb Europas an Dritte zu lizenzieren. Künftig will er zudem Marken kaufen und verkaufen, wie es im Ausblick heißt. Solche Transaktionen sollen zu einer der Haupttätigkeiten des Konzerns werden.

Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt.


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