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Coronakrise: weitreichende Auswirkungen für deutsche Modebranche bis 2024

Business

Von Simone Preuss

28. Aug. 2020

Während der Markt für Mode und Accessoires in Deutschland 2019 noch um 1,4 Prozent auf rund 58 Milliarden Euro anwuchs, muss für 2020 mit einem Umsatzverlust von bis zu 20 Milliarden Euro gerechnet werden. Zu diesen und ähnlich düsteren Ergebnissen kommt der jüngst veröffentlichte „Branchenbericht Fashion & Accessoires“ vom IFH Köln und der BBE Handelsberatung. Er glaubt sogar, dass dieser Verlust - je nach Entwicklung der Rahmenbedingungen - bis 2024 nicht aufgeholt werden kann.

„Schon ohne die neuen Marktdynamiken rund um Covid-19 hat der Fashionhandel mit starken strukturellen Veränderungen und schwachem Marktwachstum zu kämpfen. Einerseits ziehen preisattraktive Mode-Filialisten immer mehr Kunden und Kundinnen an, andererseits bietet der Onlinehandel immer mehr Kaufimpulse. Corona hat diese Entwicklungen noch beschleunigt“, erklärt Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH Köln, in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Online profitiert, stationärer Handel verliert

Was online versus stationär angeht, so wird der Fachhandel gegenüber dem Onlinekanal verlieren und besonders Onlinemarktplätze profitieren. Deshalb muss bei der Zahl der Verkaufsstellen in den kommenden Jahren mit einem Rückgang im fünfstelligen Bereich gerechnet werden. „Die Anzahl der Geschäfte im Fashion-Fachhandel verringert sich seit Jahren: Während 2014 der Marktanteil des stationären Fachhandels noch 61 Prozent ausmachte, lag er 2019 nur noch bei 55 Prozent – ein Negativtrend, der sich fortsetzen wird“, so der Bericht.

Verschiebungen zum Onlinekanal werden voraussichtlich weiter deutlich zunehmen, wovon vor allem Onlinemarktplätze profitieren dürften. „Auch wenn der Fachhandel seine Position online ausbauen kann, die Onlineaktivitäten reichen in der Summe bei weitem nicht, den stationären Verlust auszugleichen“, warnt der Bericht. Er sagt auch vorher, dass Verbraucher, die Online-Shopping bevorzugen und anspruchsvolle, nachhaltige Produkte verlangen, mehr und mehr die Nachfrage bestimmen werden.

Der IFH Köln und die BBE Handelsberatung geben jedoch zu bedenken, dass der tatsächliche Verlust von verschiedenen Faktoren abhängen wird: Der Entwicklung des Infektionsrisikos und die Einflüsse einer möglichen zweiten Infektionswelle, der Entwicklung des Arbeitsmarktes sowie der Entwicklung der Kaufkraft der Verbraucher. Diese Faktoren werden weitere Folgen beeinflussen, etwa wie stark die Verluste tatsächlich ausfallen, in welchem Ausmaß eine Erholung des Marktes in den kommenden Jahren erfolgen und welchen Anteil der Onlinehandel erreichen kann und wie viele stationäre Berührungspunkte es künftig noch geben wird.

Foto: Mehdi Taamallah/NurPhoto via AFP; Grafik: IFH Köln