Carbonfact übernimmt die Mode-Tech-Plattform Vaayu

Die französische Nachhaltigkeitsplattform Carbonfact übernimmt ihren deutschen Konkurrenten Vaayu Tech GmbH. Das gaben die beiden Unternehmen heute gemeinsam bekannt. Der Kaufpreis ist bislang nicht bekannt.

Mit der Übernahme arbeiten die beiden größten Dekarbonisierungs-Tools für die Modeindustrie künftig unter einem Dach. Bestehende Kund:innen wechseln zu Carbonfact. Das gemeinsame Portfolio umfasst nun mehr als 300 Bekleidungs- und Schuhmarken, darunter On, Ganni, The North Face und Ace & Tate.

Beide Plattformen sind im Bereich des Carbon Accounting tätig. Während sich Carbonfact auf die Automatisierung der Datenerfassung und die Durchführung von Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessments, LCA) konzentriert, fokussierte sich Vaayu auf die Integration mit externen Systemen und die verständliche Darstellung der Umweltauswirkungen für die Verbraucher:innen.

Ein bekanntes Praxisbeispiel ist die Zusammenarbeit mit der französischen Designermode-Plattform Vestiaire Collective. Vaayu entwickelte dafür die ‘Cost-per-Wear’-Formel. Diese ermöglicht es Verbraucher:innen, die tatsächlichen Kosten eines Kaufs pro Tragen zu berechnen. Für Vinted berechneten die Analyst:innen von Vaayu die Umweltvorteile von Secondhand-Käufen im Vergleich zu Neuware.

Vaayu wurde 2020 gegründet, ein Jahr vor Carbonfact. Gründerin ist Namrata Sandhu, die ehemalige Nachhaltigkeitsdirektorin bei Zalando. Sie sammelte mehr als 13 Millionen US-Dollar an Wachstumskapital für ihr Start-up von Investor:innen wie Flint Capital und The Garage ein.

Die Gründung beider Unternehmen war eine Reaktion auf neue europäische Gesetze zur Produkttransparenz. Damals schien ein ehrgeiziges Gesetzespaket auf dem Weg zu sein. Mode- und Schuhmarken mussten schnell Einblick in ihre Lieferketten und Produktionsprozesse gewinnen und suchten Hilfe bei der Berechnung ihres ökologischen Fußabdrucks. Inzwischen wurden viele der Pläne auf der Brüsseler Agenda ausgesetzt oder verschoben, teilweise aufgrund der Abschwächung der sogenannten Omnibus-Richtlinie.

Für große Modemarken bleibt es trotz der Verzögerungen aus Brüssel entscheidend, ihr Datenmanagement im Griff zu haben. Bis spätestens 2030 müssen sie strenge europäische Vorschriften erfüllen. Dazu gehören die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) und die Ökodesign-Verordnung (ESPR), die auch den Digitalen Produktpass (DPP) umfassen.

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