Capri Holdings nach Versace: Ein Jahr der strategischen Neuausrichtung und Markenkonsolidierung
Vor einem Jahr stimmte der US-amerikanische Modekonzern Capri Holdings dem Verkauf von Versace zu. Seither durchlief die Unternehmensgruppe eine Phase des strategischen Umbruchs. Nun tritt sie in eine neue Phase ein, die weniger von Expansion als von Neuausrichtung geprägt ist. Im Mittelpunkt steht die Stabilisierung der verbleibenden Marken Michael Kors und Jimmy Choo. Erste Fortschritte sind bereits erkennbar, die Strategie selbst ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
Hier ist ein Überblick über die bisherigen Ereignisse.
April 2025: Verkauf von Versace angekündigt
Am 10. April 2025 stimmte Capri formell dem Verkauf von Versace an die italienische Prada-Gruppe zu. Der Verkaufspreis belief sich auf eine vergünstigte Summe von 1,38 Milliarden US-Dollar. Dieser Schritt folgte auf einen gescheiterten Fusionsversuch mit dem ebenfalls US-amerikanischen Konkurrenten Tapestry. Dieser verhinderte die Umsetzung einer Konsolidierungsstrategie, mit der Capri auf die zunehmend schwache Resultate der Marken – insbesondere von Michale Kors – reagieren wollte.
Der Verkauf von Versace signalisierte, dass Capri sich von seinem Ziel verabschiedet hatte, als Mehrmarken-Luxuskonzern mit europäischen Gruppen wie LVMH zu konkurrieren. Stattdessen wollte sich das Unternehmen nun als fokussierter, finanziell stabiler Anbieter im mittleren Luxussegment etablieren. Das Ziel war die Stärkung der Finanzen statt der Markenexpansion.
Wenige Tage nach der Ankündigung bestätigte der Chairman und CEO John D. Idol die Entwicklung von Plänen zur Steigerung des Unternehmenswertes. Auch die Bilanz sollte durch strategische Initiativen gestärkt werden, die bereits bei einem früheren Investorentag angesprochen worden waren. Damit konzentrierte sich der Manager auf das Wachstum der verbleibenden Marken von Capri – Michael Kors und die britische Marke Jimmy Choo – als Teil einer unternehmensweiten Neuausrichtung.
August 2025: Frühe Stabilisierung
Capri begann, als Unternehmen mit zwei Marken zu berichten. Trotz „besser als erwarteter“ Ergebnisse, bei denen das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Gewinn erzielte, zeigten die Daten für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 einen Umsatzrückgang von sechs Prozent. Auch die Margen waren geringer, insbesondere bei Michael Kors.
In dieser Zeit trat Capri offiziell in eine Übergangsphase ohne spezifischen Wachstumsmotor ein. Stattdessen setzte das Unternehmen auf Kostendisziplin und eine Neupositionierung der Marken. Idol sagte damals, die Ergebnisse des ersten Quartals seien ermutigend. Sie hätten strategische Fortschritte bei der Neubelebung der beiden Marken gezeigt.
September 2025: Physische Neubelebung
Frühe Anzeichen der Neubelebung zeigten sich im runderneuerten Michael Kors Store in London. Dort schien Capri auf Intimität, visuelles Storytelling und ein kuratiertes Erlebnis zu setzen. Diese Veränderung entsprach einem breiteren Trend im Einzelhandel, durchdachte Räume mit Erlebnischarakter zu schaffen.
November 2025: Rutsch in die roten Zahlen
Obwohl die Erwartungen des Managements weiterhin übertroffen wurden, rutschte Capri im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 in die roten Zahlen. Der Umsatz sank um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der operative Verlust stieg trotz erheblicher Kostensenkungen von sechs Millionen auf zwölf Millionen US-Dollar.
Unter dem Strich stand ein den Aktionär:innen zurechenbarer Nettoverlust von 28 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 24 Millionen US-Dollar erzielt worden war. Diese Resultate markierten den operativen Tiefpunkt von Capri mit einer negativen operativen Marge und einer schwachen Leistung von Jimmy Choo.
Das Unternehmen betonte jedoch eine geplante Schuldentilgung durch die Erlöse aus dem Versace-Verkauf. Zukünftige Aktienrückkäufe deuteten zudem auf einen Wandel hin zu einem auf Aktionärsrendite ausgerichteten Modell hin. Idol blieb optimistisch und erklärte, die Trends hätten sich verbessert.
Aktienrückkaufprogramm
Capri kündigte den Start eines Aktienrückkaufprogramms im Umfang von einer Milliarde US-Dollar ab dem Geschäftsjahr 2027 an. In diesem Zeitraum will das Unternehmen auch wieder auf Wachstumskurs einschwenken. Die Initiative zeugt von Vertrauen in den Cashflow nach der Umstrukturierung. Sie zeigt auch eine Verlagerung hin zu finanzieller Disziplin statt neuerlicher Übernahmen.
Dezember 2025: Von „verfehlt“ zu „modernem Glamour“
Ein entscheidender Moment kam im Dezember, als Idol zugab, dass die frühere Neupositionierung von Michael Kors „verfehlt“ gewesen sei. Er merkte an, dass die Marke von ihrer Kernidentität abgewichen sei. Dieses öffentliche Eingeständnis von Marken-Missmanagement war ein seltener Moment in der Branche. Idol räumte ein, dass Versuche, die im erschwinglichen Luxussegment angesiedelte Marke aufzuwerten, gescheitert waren.
Zudem hatten eine Überdehnung und Sortimentsänderungen die Stammkund:innen entfremdet. Dies zwang das Team, seinen Ansatz zu überdenken. Stattdessen betonte Idol die Absicht, die Identität von Michael Kors als „modernen Glamour“ wiederherzustellen. Die Marke soll zu ihren „Jet-Set“-Wurzeln zurückkehren.
Dies soll durch Storytelling in Hotels, die Renovierung von über 50 Prozent der weltweiten Filialen und einen neuen Fokus auf Ready-to-wear erreicht werden. Letztere wird in den renovierten Standorten eine größere Präsenz erhalten. Auch die Preisarchitektur der Marke wird umstrukturiert, um diese überarbeitete Ästhetik widerzuspiegeln. Geplant sind eine geringere Abhängigkeit von Rabattaktionen und die Wiederherstellung der Wertigkeit.
Verkauf von Versace abgeschlossen
Im selben Monat schloss Prada den Kauf von Versace ab und übernahm die italienische Luxusmarke offiziell von Capri. Dieser Schritt leitete eine sofortige finanzielle Transformation für Capri ein. Die Nettoverschuldung wurde drastisch von 1,17 Milliarden US-Dollar auf 80 Millionen US-Dollar reduziert, was Kapazitäten für Reinvestitionen schuf.
In Capris neuer Mini-Konglomerat-Struktur wurde Michael Kors als zentraler Umsatzträger positioniert. Jimmy Choo galt als kleineres, aber dennoch wichtiges Gut. Damit wurden frühere Spekulationen zerstreut, dass die Schuhmarke nach Versace ebenfalls verkauft werden könnte.
Februar 2026: Bereinigung der Bilanz
Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26) präsentierte sich Capri als finanziell stabiles, aber im Handel schwächelndes Unternehmen. Der Gesamtumsatz sank um vier Prozent. Dies war auf einen Rückgang von 5,6 Prozent bei Michael Kors zurückzuführen, der jedoch durch ein Wachstum von fünf Prozent bei Jimmy Choo gemildert wurde. Damit kehrte die Marke auf den Wachstumspfad zurück.
Der Betriebsgewinn stieg auf 46 Millionen US-Dollar, während der Nettogewinn von sechs Millionen auf 57 Millionen US-Dollar anstieg. Zollentwicklungen führten jedoch dazu, dass die Bruttomarge des Unternehmens auf 60,8 Prozent sank. Obwohl die überraschend soliden Zahlen vielversprechend für die Wende waren, zeigte der anhaltende Umsatzrückgang, dass sich diese Bemühungen noch nicht in einer Erholung der Nachfrage niederschlugen.
Die Show zum 45. Jubiläum von Michael Kors
Die Show von Michael Kors auf der New York Fashion Week für die Saison Herbst/Winter 2026 diente quasi als Visualisierung der Turnaround-Bemühungen von Capri. Unter dem Motto „New York Chic“ verkörperte die Kollektion die Ästhetik des „modernen Glamours“, die Idol anstrebte. Dies zeigte sich in einer Reihe neu interpretierter Klassiker in der für Kors typischen Farbpalette.
März 2026: Von „vorsichtig“ zu „optimistisch“
Auf der Citi-Konferenz 2026 erklärte Idol, Capri sei von „vorsichtig optimistisch“ zu „optimistisch“ übergegangen. Diese Zuversicht basierte auf ersten Erfolgen in den Vollpreis-Kanälen, den Resultaten der renovierten Geschäfte und dem Wachstum von Jimmy Choo.
Michael Kors gefestigt
Bei Michael Kors hat sich Capri zu einer Investition von 300 Millionen US-Dollar für die Renovierung von 350 Geschäften verpflichtet. 100 davon sollen im Geschäftsjahr 2026 umgestaltet werden. Das Unternehmen plant außerdem die weltweite Einführung seiner „Jet Set Lounges“. Sie sind ein zeitgemäßer Ausdruck des „Jet-Set-Spirits“ der Marke. Die erste wurde vor wenigen Tagen in Peking eröffnet.
An anderer Stelle setzt das Unternehmen die Neuausrichtung seiner Preisstrategie fort. Dies geschieht nach einer Steigerung der Vollpreisverkäufe bei gleichzeitig geringerer Abhängigkeit von Preisnachlässen und Off-Price-Kanälen. Idol sagte, die Neuausrichtung habe zu einem höheren Abverkauf zum vollen Preis und zu steigendem Engagement geführt. Dies sei nach einer erfolgreichen Korrektur einer Fehleinschätzung der Preiselastizität gelungen.
Jimmy Choo als Wachstumssäule
Bei Jimmy Choo hat sich die Perspektive grundlegend geändert. Die Marke wandelte sich von einem zur Disposition stehenden Asset zu einer ernsthaften Wachstumssäule. Das Unternehmen strebt einen Umsatz von 800 Millionen US-Dollar an. Der Verkauf von Accessoires soll 40 Prozent des Umsatzes ausmachen.
Dieser Wandel zeigt sich in der Abkehr von einem Fokus auf Schuhe für besondere Anlässe hin zu einem breiteren Lifestyle-Fokus. Die Marke wird so als strategische Brücke zwischen Luxus und zugänglichem Luxus positioniert.
Neuer Marketingchef für Michael Kors
Die kürzlich erfolgte Ernennung des früheren Google-Managers Corey Moran zum Chief Marketing Officer von Michael Kors baut auf den Bemühungen auf, datengesteuertes Marketing und Kundenbindung stärker zu betonen. Der Fokus liegt auf der Integration von Marken-Storytelling. Morans Hintergrund deutet auf eine Verlagerung hin zu leistungsorientiertem Marketing hin, insbesondere in digitalen Kanälen, in die Capri bereits verstärkt investiert hat.
Fazit: Was kommt als Nächstes für Capri
Capri hat im vergangenen Jahr einen klaren strukturellen Wandel vollzogen. Das Unternehmen hat sich von seinen Ambitionen als Mehrmarken-Luxuskonzern verabschiedet und verfolgt nun ein fokussiertes Turnaround-Modell, das auf zwei Kernmarken aufbaut. Die Strategie gründet auf der Neubelebung der beiden Marken. Margenverbesserung, Bestandsdisziplin und Kapitalrendite bleiben ebenfalls zentrale Elemente.
Regional zeigen sich Nordamerika und Europa widerstandsfähig, während sich die asiatischen Märkte – insbesondere China – erholen. Trotzdem wird die nächste Phase des Geschäfts von einer Reihe von Spannungen geprägt sein. Das Unternehmen muss die Begehrlichkeit der Marke wiederherstellen, ohne die Zugänglichkeit zu untergraben.
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