Arc'teryx und Salomon treiben Umsatz und Rentabilität von Amer Sports im zweiten Quartal an
Amer Sports hat im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen deutlich übertroffen und seine Ziele für das Gesamtjahr erneut angehoben. Der Umsatz des Sportartikelkonzerns stieg um 32 Prozent. Treiber des Wachstums sind vor allem eine veränderte Produktzusammensetzung, Fortschritte im Direktvertrieb und die starke Expansion in Asien.
Das zweite Quartal, das am 30. Juni 2026 endete, unterstreicht damit die Dynamik, die Amer Sports derzeit entwickelt. Der Konzern wächst nicht nur kräftig, sondern profitiert zugleich von einer veränderten Zusammensetzung seines Geschäfts.
Vor einigen Jahren war Amer Sports vor allem als Eigentümer eines Portfolios internationaler Sportmarken bekannt. Dieses reicht von Salomon bis Wilson und umfasst unter anderem auch Atomic und Peak Performance. Der finnische Konzern hatte jedoch eine für einen Ausrüstungshersteller seiner Größe typische Schwäche: Sein Markenportfolio umfasste Unternehmen, die nicht alle den gleichen Wachstumskurs verfolgten oder die gleiche Rentabilität aufwiesen.
Inzwischen zeigen sich die Effekte einer veränderten Ausrichtung. Neben dem Umsatzwachstum tragen insbesondere der Fortschritt im Direktvertrieb und die Expansion in Asien zur Entwicklung des Konzerns bei.
Über 30 Prozent Wachstum im zweiten Quartal
Amer Sports meldete einen Quartalsumsatz von 1,63 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und 30 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Alle drei Sparten wuchsen zweistellig, mit einem klaren Vorteil für Outdoor- und Funktionsbekleidung. Der Konzern hat seine Jahresziele erneut angehoben und strebt nun für 2026 ein Umsatzwachstum von rund 24 Prozent an.
Der Markt hatte einen Umsatz von rund 1,54 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 0,10 US-Dollar erwartet. Amer Sports meldete schließlich einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 0,22 US-Dollar. Das ist mehr als das Doppelte der vor der Veröffentlichung verfügbaren Schätzung.
Das Interessanteste ist jedoch nicht nur die Diskrepanz zwischen Prognosen und Ergebnissen. Es ist vielmehr das, was diese Zahlen über das neue Wirtschaftsmodell des Konzerns aussagen.
Arc'teryx und Salomon prägen das Profil von Amer Sports neu
Eine erste Analyse der Ergebnisse bestätigt die Position, die zwei Marken in der Entwicklung von Amer Sports eingenommen haben. Im Segment ‚Technical Apparel‘, zu dem Arc'teryx gehört, erreichte der Umsatz 674 Millionen US-Dollar, ein Plus von 32 Prozent. Das vergleichbare Wachstum in den Filialen und im E-Commerce erreichte 17 Prozent. Die bereinigte operative Marge stieg auf 18,8 Prozent, verglichen mit 14,1 Prozent im Vorjahr.
Die Leistung ist besonders bemerkenswert, da sie nicht allein auf Neueröffnungen von Geschäften beruht. Amer Sports meldete in dieser Sparte ein Wachstum von 34 Prozent im Direktvertrieb (DTC) und 27 Prozent im Großhandel. Acht zusätzliche Arc'teryx-Filialen wurden im Laufe des Quartals eröffnet.
Der Konzern hob auch die Entwicklung seines Damenmode-Segments hervor. Dieses stellt heute einen der wichtigsten Wachstumstreiber von Arc'teryx dar. Die Umsätze im Damenbereich wuchsen im zweiten Quartal schneller als in anderen Kategorien. Unterstützt wurde dies durch ein erweitertes Sortiment und die Arbeit an Passform, Farbgebungen und speziellen Produktlinien.
Arc'teryx bewahrt sein technisches Erbe und erweitert gleichzeitig schrittweise seinen potenziellen Markt. Die Marke scheint über eine Kernzielgruppe von Expert:innen hinausgehen zu wollen. Dabei wird die Premium-Positionierung, die einen Großteil ihres Wertes ausmacht, nicht geopfert. Dies ermöglicht es Amer Sports auch, sowohl seine Volumen als auch den Wert jeder Kundenbeziehung zu steigern.
Die gleiche Größenverschiebung zeigt sich bei Salomon. Das Segment ‚Outdoor Performance‘ erwirtschaftete im zweiten Quartal einen Umsatz von 569 Millionen US-Dollar, was einem Wachstum von 37 Prozent entspricht. Bei konstanten Wechselkursen betrug das Wachstum 35 Prozent. Die bereinigte operative Marge erreichte 14,6 Prozent, verglichen mit 6,6 Prozent im Vorjahr.
Die Dynamik wird hauptsächlich von Salomon-Produkten angetrieben, insbesondere von Schuhen und Textilien. Der DTC-Bereich wuchs um 52 Prozent, während der Großhandel um 25 Prozent zulegte.
Dies ist ein entscheidender Punkt, um die Entwicklung von Amer Sports zu verstehen. Salomon gewinnt nicht mehr nur im Lauf- und Outdoor-Bereich an Boden. Die Marke erweitert ihr Geschäftsfeld, insbesondere im Bereich Lifestyle-Schuhe. Der Vertrieb wird schrittweise auf Einzelhändler:innen wie Foot Locker, JD Sports und Nordstrom in den USA ausgedehnt.
Der Konzern bleibt jedoch bewusst selektiv. Sein Ziel ist es nicht, die Verkaufsstellen wahllos zu vervielfachen. Stattdessen sollen Geschäfte in ‚Epizentren‘ wie New York, Los Angeles, Miami, San Francisco, Paris und London entwickelt werden. In China verfügte Salomon am Ende des Quartals über 315 Verkaufsstellen. Amer Sports geht davon aus, dieses Netzwerk letztendlich auf 400 bis 500 Verkaufsstellen ausbauen zu können.
Amer Sports erweitert den Marktanteil seiner beiden dynamischsten Marken, ohne das konventionelle Drehbuch einer breit angelegten Expansion anzuwenden. Arc'teryx eröffnet mehr Geschäfte, Salomon erweitert seinen Vertrieb und beide stärken ihre direkte Beziehung zu den Konsument:innen. Der Konzern kontrolliert weiterhin die Kanäle, in denen seine Marken präsent sind, und die Art und Weise, wie sie dort repräsentiert werden.
Das Ergebnis zeigt sich auch in den Margen. Bei Arc'teryx geht ein Umsatzwachstum von 32 Prozent mit einer bereinigten operativen Marge von 18,8 Prozent einher. Im Bereich ‚Outdoor Performance‘ steigt sie von 6,6 Prozent auf 14,6 Prozent. Wachstum führt also nicht nur zu höheren Einnahmen, sondern beginnt auch, eine höhere Rentabilität zu generieren.
Das ist es wohl, was diese beiden Marken für die Zukunft des Konzerns besonders bedeutsam macht. Mit Arc'teryx und Salomon besitzt Amer Sports zwei Marken, die in der Lage sind zu wachsen. Gleichzeitig bleiben sie in Segmenten positioniert, in denen technische Kompetenz weiterhin Premiumpreise rechtfertigt.
Dritter Motor ist leiser, verändert aber das Profil des Konzerns
Wilson erzählt eine andere Geschichte. Das Segment ‚Ball & Racquet‘ wuchs um 24 Prozent auf 390 Millionen US-Dollar. Das Wachstum wird durch den Tennissport angetrieben, sowohl bei Schlägern als auch bei Bekleidung. Die Sparte profitiert insbesondere von der Einführung des ‚Blade v10‘ und der Entwicklung des ‚Tennis 360‘-Angebots. Padel ist ebenfalls in die Top Fünf der Einnahmequellen des Segments aufgestiegen.
Die bereinigte operative Marge erreichte 17,2 Prozent. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Sie profitiert erheblich von Zollrückerstattungen, die 970 Basispunkte der Marge des Quartals ausmachen. Ohne diesen Effekt bleibt die Verbesserung real, wenn auch deutlich weniger markant.
Wilson ist daher in Bezug auf die Markengeschichte weniger überzeugend als Salomon oder Arc'teryx. Sein Wachstum zeigt jedoch, dass das Modell von Amer Sports nicht vollständig von der Begeisterung für Outdoor abhängt.
Echte Veränderung ist in den Vertriebskanälen sichtbar
Es gibt eine weitere Zahl, die fast so viel Aufmerksamkeit verdient wie das Wachstum des Konzerns von 32 Prozent. Der DTC-Bereich legte im zweiten Quartal um 40 Prozent zu und macht nun rund 55 Prozent des Umsatzes von Amer Sports aus – ein Rekord für den Konzern. Auch der Großhandel wuchs mit einem Plus von 24 Prozent stark.
Die Auswirkung dieser Verschiebung ist aus zwei Gründen bedeutsam. Erstens gibt sie Amer Sports mehr Kontrolle über seine Marken, seine Preisgestaltung und sein Kundenerlebnis. Zweitens ist der DTC-Vertrieb mechanisch attraktiver, wenn eine Premium-Marke eine ausreichende Begehrlichkeit besitzt, um Traffic zu generieren, ohne auf aggressive Werbemaßnahmen angewiesen zu sein.
Dieses Modell war bereits vor 2026 in Bewegung. In seinem Jahresbericht gab Amer Sports an, dass der DTC-Anteil im Jahr 2025 bei 49 Prozent des Umsatzes lag, verglichen mit 30 Prozent im Jahr 2022. Der Konzern hatte die schrittweise Verlagerung vom Großhandel zum DTC als einen der wichtigsten Hebel zur Verbesserung der Rentabilität identifiziert. Das zweite Quartal zeigt, dass sich diese Strategie nicht verlangsamt – im Gegenteil, sie beschleunigt sich.
Asien wird zu einem eigenständigen Wachstumsmotor
Das geografische Bild ist ebenso aufschlussreich. Der Umsatz von Amer Sports wuchs im zweiten Quartal in der Region Asien-Pazifik um 60 Prozent und in China um 36 Prozent. Nord- und Südamerika beschleunigten auf ein Plus von 26 Prozent, während Europa, der Nahe Osten und Afrika um 20 Prozent wuchsen. Asien ist zu einem der bevorzugten Expansionsgebiete des Konzerns geworden, insbesondere für Salomon.
China hat einen erheblichen Anteil an den Neueröffnungen von Salomon- und Wilson-Filialen. Der Konzern plant für das Gesamtjahr 2026 weitere 45 Netto-Neueröffnungen von Salomon in China. Gleichzeitig soll die Größe und Produktivität der bestehenden Geschäfte gesteigert werden. Das Ziel von Amer Sports scheint nicht nur zu sein, mehr Produkte in einer Region mit schnell wachsender Nachfrage zu verkaufen. Es sollen auch Vertriebsnetze aufgebaut werden, die den Wert seiner Marken nachhaltig stützen können.
Margen erzählen eine überzeugendere Geschichte als der Umsatz
Der Umsatz ist beträchtlich, aber die Margenentwicklung verdient genauere Beachtung. Die bereinigte Bruttomarge erreichte 65,8 Prozent, verglichen mit 58,7 Prozent im Vorjahr. Ein wesentlicher Teil dieser Verbesserung ist auf einen Sondereffekt zurückzuführen – Zollrückerstattungen –, der 390 Basispunkte beisteuerte.
Amer Sports schätzt dennoch, dass die zugrunde liegende Verbesserung mehr als 300 Basispunkte beträgt. Sie ergibt sich aus Preisgestaltung, Produktmix, geografischem Mix und dem DTC-Fortschritt. Auch günstigere Frachtkosten und Zollbedingungen spielen eine Rolle.
An diesem Punkt wird das Modell aus finanzieller Sicht besonders überzeugend. Eine Marke wie Arc'teryx oder Salomon kann mehr verkaufen, ohne zwangsläufig ihre Fixkosten im gleichen Maße zu erhöhen. Wenn das Volumen in bestehenden Geschäften wächst und sich der Mix in Richtung DTC verschiebt, fließt ein größerer Teil der zusätzlichen Einnahmen direkter in die Marge.
Das Ergebnis zeigt sich im bereinigten Betriebsgewinn, der mit 208 Millionen US-Dollar um 209 Prozent stieg. Die bereinigte operative Marge stieg von 5,5 Prozent auf 12,8 Prozent. Selbst ohne den Effekt der Zollrückerstattungen schätzt Amer Sports, dass sich die Marge um mehr als drei Punkte verbessert hat.
Der Konzern schafft also etwas Schwierigeres als nur seinen Umsatz zu steigern. Er beginnt, dieses Wachstum in Rentabilität umzuwandeln.
Amer Sports hebt seine Ziele erneut an
Auf den Ausblick wird der Markt nun seine Aufmerksamkeit richten. Amer Sports strebt für 2026 ein Umsatzwachstum von rund 24 Prozent an, verglichen mit einer früheren Spanne von 20 bis 22 Prozent. Das erwartete Wachstum liegt nun bei 25 bis 26 Prozent für ‚Technical Apparel‘, 27 bis 28 Prozent für ‚Outdoor Performance‘ und rund 14 Prozent für ‚Ball & Racquet‘.
Der Konzern hat auch seine Prognose für die bereinigte operative Marge auf 14,2 bis 14,5 Prozent angehoben, verglichen mit zuvor 13,4 bis 13,7 Prozent. Das Ziel für den bereinigten Gewinn pro Aktie wurde auf 1,27 bis 1,30 US-Dollar erhöht, gegenüber 1,18 bis 1,23 US-Dollar.
Der Vergleich zwischen den Sparten ist besonders aufschlussreich. Amer Sports strebt nun eine operative Marge von rund 22,5 Prozent für ‚Technical Apparel‘ an. Für ‚Outdoor Performance‘ sind es 16 bis 16,5 Prozent und für ‚Ball & Racquet‘ 6,7 bis 7,2 Prozent.
Diese Divergenz erklärt auch, warum die Zusammensetzung des Konzerns seinen wirtschaftlichen Wert neu formt. Je mehr Gewicht Arc'teryx und Salomon haben, desto mehr entwickelt sich Amer Sports zu einem Portfolio wachstumsstarker Premium-Marken mit starker Preissetzungsmacht. Es entfernt sich vom Image eines allgemeinen Sportartikelherstellers.
Konzern ist noch nicht ohne Risiko
Es wäre jedoch zu einfach, diese Ergebnisse als Wachstum ohne Kompromisse zu interpretieren. Das erste Thema betrifft die Zölle. Das zweite Quartal profitierte von einem Nettogewinn von 50,1 Millionen US-Dollar aus Zollrückerstattungen. Amer Sports merkt an, dass der Großteil seiner Rückerstattungsanträge bereits eingegangen ist.
Das Unternehmen stützt seine Prognosen für 2026 nun auf die Annahme, dass die Zollsätze nach ‚Section 301‘ bis zum Jahresende in Kraft bleiben. Der zweite Punkt betrifft die Ausgaben. Die bereinigten allgemeinen und Verwaltungskosten stiegen im Quartal um 33 Prozent. Dies war insbesondere auf Investitionen in ‚Wilson Tennis 360‘ und Unternehmensausgaben zurückzuführen.
Amer Sports erwartet nun für das Jahr Unternehmensausgaben in Höhe von 240 Millionen US-Dollar, verglichen mit 220 Millionen zuvor. Dies ist hauptsächlich auf IT-Investitionen und aufgeschobene Vergütungen zurückzuführen. Die Lagerbestände wuchsen ebenfalls um 19 Prozent im Jahresvergleich auf 1,9 Milliarden US-Dollar. Dieser Anstieg liegt jedoch deutlich unter dem Umsatzwachstum von 32 Prozent. Das Management ist daher der Ansicht, dass die Normalisierung der Lagerbestände schneller voranschreitet als erwartet.
Dies ist für einen Konzern, der in diesem Tempo beschleunigt, weitgehend beruhigend. Das Wachstum wird zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf Kosten eines unverhältnismäßigen Bestandsaufbaus erkauft.
Ambitionen von Amer Sports gehen jetzt weit über Outdoor hinaus
Dieses Quartal bietet letztlich ein klareres Bild davon, was Amer Sports aufbauen möchte. Arc'teryx liefert Premium-Referenzen und Stärke bei technischer Bekleidung. Salomon fügt eine besonders überzeugende Dimension hinzu. Die Marke, die historisch mit Trail und Berg verbunden ist, kann so in die Bereiche Schuhe, Lifestyle und große städtische Zentren vordringen. Wilson bildet eine dritte Säule, die sich auf Tennis, Schlägersport und zunehmend auch auf Textilien konzentriert.
Der Konzern erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 6,6 Milliarden US-Dollar. Angesichts dieser neuen Entwicklung gleicht Amer Sports nicht mehr einem Portfolio von Sportmarken in der Erholungsphase. Es entwickelt sich schrittweise zu einem Konzern, der um mehrere Premium-Marken herum aufgebaut ist. Diese sind in der Lage, gleichzeitig in den Bereichen Vertrieb, Preisgestaltung und Begehrlichkeit zu gewinnen.
Amer Sports kombiniert nun drei Hebel, die von den Märkten besonders hoch bewertet werden: Wachstum über 20 Prozent, Margenausweitung und eine stärkere Bilanz. Die Herausforderung wird künftig darin bestehen, diese Dynamik aufrechtzuerhalten, während Salomon und Arc'teryx innerhalb des Konzerns an Gewicht gewinnen.
Ende Juni verfügte der Konzern über eine Nettoliquidität von 573 Millionen US-Dollar, verglichen mit 539 Millionen drei Monate zuvor. Für das Jahr werden Investitionsausgaben von rund 400 Millionen US-Dollar erwartet, hauptsächlich zur Unterstützung der Einzelhandelsexpansion und der IT-Infrastruktur.
Was die Zukunft betrifft, so wird Amer Sports am 17. September seinen Investorentag in Annecy veranstalten. Bei dieser Gelegenheit wird der Konzern wahrscheinlich mehr Einblick in die Größenordnung geben müssen, die er nun für Arc'teryx und Salomon vorsieht. Auch die Finanzierung dieser neuen Entwicklungsphase wird ein Thema sein.
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