Allianz Trade: Das globale Insolvenz-Barometer fällt noch nicht

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen steigt global weiter. Einer der weltweit führenden Kreditversicherer, Allianz Trade, geht in seiner aktuellen globalen Insolvenzstudie weltweit von einem Zuwachs der Insolvenzen um 5 Prozent im Jahr 2026 aus. Im Jahr 2027 wird sich der Wert um einen weiteren Prozentpunkt nach oben bewegen. Das wäre der fünfte Anstieg in Folge.

Erst 2028 soll der Höhepunkt erreicht sein. Dann sollen laut Studie die Fallzahlen von ihrem sehr hohen Niveau um ein Prozent leicht zurückgehen. Das heißt, eine echte Erholung ist auch dann noch nicht in Sicht.

In ganz Westeuropa liegt die Anzahl der Insolvenzen deutlich über dem Niveau vor der Pandemie, trotz einiger positiver Trendwenden. Als Grund nennt die Studie anhaltende konjunkturelle und strukturelle Herausforderungen, wie eine schwache Konjunkturdynamik, hohe Zinssätze, hohe Energie- und Vorleistungskosten, die die Margen unter Druck setzen und das Engagement in risikoreichen Sektoren wie dem B2C-Sektor.

Deutsche Insolvenzen steigen stärker als erwartet

Insgesamt wird erwartet, dass der regionale Insolvenzindex für Westeuropa im Jahr 2026 um 4 Prozent steigen wird, wodurch er seinen Höchststand aus der globalen Finanzkrise erreichen und 33 Prozent über den Durchschnittswerten vor der Pandemie liegen wird. Dabei werden die Länder Europas unterschiedliche betroffen sein.

Die Schweiz wird ihren Anstieg (plus 32 Prozent auf einen Rekordwert von 15.000 Fällen) fortsetzen, während das Vereinigte Königreich (minus 4 Prozent auf 25.600 Fälle) und die Niederlande (minus 5 Prozent auf 3.470 Fälle) nach mehreren Jahren mit ununterbrochenen Anstiegen eine Trendwende vollziehen. Frankreich, das den größten Anteil am Insolvenzvolumen Westeuropas hat, dürfte ein Allzeithoch von etwa 71.000 Fällen erreichen (plus 3 Prozent).

Auch in Deutschland steigen Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 stärker als zuvor erwartet. Allianz Trade geht von einem Plus von 8 Prozent aus. Im Frühjahr waren die Erwartungen mit einer Zunahme von 2 Prozent beziehungsweise bei einem anhaltenden Nahostkonflikt um 4 Prozent noch deutlich optimistischer.

Insolvenzen im Modehandel steigen, in der Modeindustrie sinken sie

Die vorhandenen Zahlen für 2026 legen zudem nahe, dass auch die Modebranche in Deutschland überdurchschnittlich von der Insolvenzwelle betroffen ist. Allen voran im Modehandel, der im Vergleich zum Einzelhandel insgesamt deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen wird. Während die Zahl der Insolvenzen im deutschen Einzelhandel 2026 bislang um 4 Prozent stiegt, wuchs sie im Bereich des Modehandels um 25 Prozent an (bei 79 Fällen). Gleichzeitig sank die Zahl der Bekleidungshersteller, die 2026 Insolvenz anmelden mussten, um 36 Prozent. Insgesamt ist die Entwicklung Ernst, wenngleich noch deutlich unter dem Niveau der globalen Finanzkrise von 2008/2009.

„Die Insolvenzentwicklung endet nicht an Landesgrenzen“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Deutschland ist als exportorientierte Volkswirtschaft besonders anfällig für steigende Insolvenzen im Ausland. Und in den wichtigsten deutschen Exportmärkten steigen die Insolvenzen aktuell besonders stark an .“


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