Der chinesische Internetriese Alibaba hat am Freitag bestätigt, dass er Hongkongs englischsprachige Tageszeitung, die South China Morning Post, kaufen werde. "Alibaba hat ein endgültiges Abkommen geschlossen, um die South China Morning Post (SCMP) und andere Medien der SCMP Group Limited zu erwerben", hieß es in einer Erklärung des Unternehmens.

Bereits vor drei Wochen hatte FashionUnited über den geplanten Kauf berichtet, dessen Bestätigung jetzt Gerüchten ein Ende bereitet. Erst Anfang November hatte Alibaba mit dem Kauf der Video-Plattform Youku Tudou, die auch Chinas YouTube genannt wird, Schlagzeilen gemacht. Der jüngste Kauf beweist, dass Alibaba vorhat, mit seinem Format weit über sein Hauptgeschäft der Online-Auktionen im Sinne von eBay hinauszugehen.

Die South China Morning Post wurde 1903 gegründet und hat einer internationalen Leserschaft viele Jahre lang Insiderperspektiven von Hongkong und dem Festland beschert. In den letzten Jahren wurde jedoch auch die traditionsreiche Zeitung von einem branchenweiten Rückgang erfasst, der Gewinne und Umsätze schwinden sah.

Das Vertrauen der Leser wurde zudem im letzten Jahr angeschlagen, als die Zeitung im Rahmen der Proteste von Zehntausenden ihre regierungstreue Position beibehielt. Analysten befürchten, dass auch die Übernahme durch Alibaba die redaktionelle Freiheit weiter untergraben könnte.

Nach Bekanntgabe des Verkaufs verkündete der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Joe Tsai jedoch in einem offenen Brief an die Leser, die South China Morning Post werde "objectiv, akkurat und fair" bleiben und den "Mut haben, gegen die gängige Meinung zu gehen".

Mit dem Kauf reiht sich Alibaba-Besitzer Jack Ma in die Reihe von Internet-Tycoons ein, die eine Tageszeitung erwarben: Amazon-Gründer Jeff Bezos kaufte 2013 die Washington Post, während Facebook-Mitbegründer Chris Hughes bereits 2012 einen Mehrheitsanteil an der Zeitschrift New Republic erwarb.

 

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