Aktionär:innen in Bewegung, Herbstfarben und Kreativwechsel – was die Woche bewegte

Die Frasers Group hat bei Hugo Boss nachgelegt und ist dem deutschen Modehaus damit noch ein Stück näher gerückt. Bei Birkenstock ging die Bewegung in die andere Richtung, dort baute der Großaktionär L Catterton seine Position ab. Bei Shein lässt der geplante Börsengang in Hongkong länger auf sich warten, während Fielmann und JD Sports ihre Prognosen kassierten und TJX sowie Amer Sports die Ziele anhoben. In Kopenhagen zeigte sich, wie der skandinavische Minimalismus verspielter wird, und die Personalkarussells drehten sich von Supreme über Puma bis Ecco.

Business

Die Frasers Group hat ihre Beteiligung an Hugo Boss nach Abschluss des freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots weiter ausgebaut. Der britische Konzern, zu dem unter anderem Sports Direct, House of Fraser und Flannels gehören, hält nun 47,89 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte und bleibt damit größter Einzelaktionär. In die andere Richtung ging die Bewegung bei Birkenstock, wo sich der Finanzinvestor L Catterton von einem Aktienpaket im Wert von etwa einer Milliarde US-Dollar trennte. Die Hälfte davon kauft der Sandalenhersteller selbst zurück, der Anteil des Investors sinkt damit unter 50 Prozent.

Beim Braunschweiger Bekleidungsanbieter New Yorker zeichnen sich die künftigen Eigentumsverhältnisse ab. Die drei Töchter des Ende 2024 gestorbenen Firmengründers Friedrich Knapp sollen einem Medienbericht zufolge zu gleichen Teilen erben. Einen tatsächlichen Besitzerwechsel gab es dagegen in Köln, wo Kapten & Son die Rucksackmarke Pinqponq im Rahmen eines Asset-Deals von Fond Of übernimmt. Der operative Betrieb der zuständigen Fond-Of-Tochter Baesiq wird wie angekündigt eingestellt, ein Kaufpreis wurde nicht bekannt.

An der Börse dämpfte Shein zunächst die Erwartungen an seinen Gang aufs Hongkonger Parkett. Der in Singapur ansässige Fast-Fashion-Händler strebe der Nachrichtenagentur Reuters zufolge nur noch eine Marktbewertung zwischen 25 und 28 Milliarden US-Dollar an, wobei ein Wert am unteren Ende als wahrscheinlichster gilt. Zum Ende der Woche folgten dann Berichte, wonach das Unternehmen den Börsengang verschoben habe. Ausschlaggebend seien Bedenken der Investor:innen mit Blick auf die Notierung. Den umgekehrten Weg geht Ludwig Beck. Der Rückzug des Münchener Einzelhändlers von der Börse ist beschlossene Sache und wird noch in dieser Woche vollzogen.

Aus der Optikbranche kamen gemischte Nachrichten. Fielmann senkte wegen der mauen Nachfrage in Deutschland die Prognose für das laufende Jahr. Mister Spex erweiterte sein Sortiment um Kinderbrillen, die zunächst nur online angeboten werden und ab Ende August in allen deutschen Filialen erhältlich sein sollen. Eine gesenkte Gewinnprognose schickte auch die Aktien von JD Sports auf Talfahrt. Sie verloren in London rund 13 Prozent und erlitten damit den kräftigsten Tagesverlust seit November 2021.

Deutlich freundlicher fielen die Quartalszahlen jenseits des Atlantiks aus. TJX steigerte den Nettoumsatz im zweiten Quartal um fünf Prozent auf 15,18 Milliarden US-Dollar, übertraf mit den vergleichbaren Filialumsätzen die eigenen Erwartungen und hob die Jahresprognose an. Amer Sports legte beim Umsatz um 32 Prozent zu und erhöhte die Ziele für das Gesamtjahr erneut, getragen von Arc'teryx und Salomon, dem Direktvertrieb und der Expansion in Asien. Die Düsseldorfer The Platform Group setzte ihren profitablen Wachstumskurs im ersten Halbjahr fort und verbesserte Bruttowarenvolumen, Umsatz und operative Ertragskraft. Bei der Wolford AG griffen die Restrukturierungsmaßnahmen. Der Umsatz des österreichischen Wäscheanbieters lag im ersten Halbjahr mit 31 Millionen Euro zwar unter dem Vorjahreswert, der operative Verlust halbierte sich jedoch.

Auf der Plattformseite baute Authentic Brands Group seine Partnerschaft mit Luzern eCommerce aus und verschafft seinem Markenportfolio damit europaweit Zugang zu Marktplatz- und Retail-Media-Dienstleistungen. Bei Vestiaire Collective erläuterten Chief Product Officer Thomas Hézard und Chief Technology Officer Rémi Bouchez im Gespräch mit FashionUnited, wie die neue Führung die Resale-Plattform zurück auf Wachstumskurs bringen will. Weniger erfreulich war die Lage bei About You, das nach einem Cybervorfall bei seinem niederländischen Logistikdienstleister einen möglichen Datenzugriff untersucht.

Mode

Die Copenhagen Fashion Week festigte mit ihrer Frühjahr/Sommer-2027-Ausgabe die Position als inoffizieller fünfter Stopp im internationalen Modekalender. Insgesamt 34 Kollektionen waren zu sehen, By Malene Birger kehrte nach sechs Jahren auf den Laufsteg zurück und Henrik Vibskov feierte sein 25-jähriges Bestehen. Der für die Stadt typische Minimalismus nahm dabei eine verspieltere Wendung, mit skulpturalen Proportionen, unerwarteten Drucken und einem cremigen Vanilleton als neuem Neutral.

Einen Blick weiter nach vorn richtete Christine Boland. Die niederländische Trendforscherin konkretisierte die Farbpalette zu den drei Bewegungen, die sie im Juni für Herbst/Winter 2027 vorgestellt hatte, und spannt den Bogen von Spinatgrün bis Cremeweiß.

Für die laufende Saison zeichnen mehrere Trendstrecken ein ähnliches Bild. In der Damenmode lösen Karo und Kroko-Optik die großflächigen Animalprints ab, in der Männermode kehren Rollkragenpullover, Strickweste und Pullunder zurück, begleitet von schmaleren Silhouetten und dem Blouson als Stück der Stunde. Bei den Jacken wird es wieder opulent, Oversized-Schnitte, Shearling und große Kragen prägen die Kollektionen als Gegenreaktion auf Jahre des Quiet Luxury. Das gilt auch für die Stoffe, wo Strick und Pailletten bewusst gegeneinandergesetzt werden, nach der Grundregel grob zu fein und matt zu glänzend. Feiner wird es bei Schuhen und Accessoires. Schmale Stiefeletten und Loafer verdrängen den Sneaker, und statt Statementketten sind zurückhaltende Creolen und Broschen gefragt.

Personalien

Supreme verliert offenbar seine Chief Creative Officer. Erin Magee verabschiedete sich nach 22 Jahren auf Instagram vom „World Famous Supreme Team“, womit die kreative Führungsebene des New Yorker Streetwear-Labels weiter ausdünnt. Auch bei Chloé halten sich Gerüchte um einen Abgang. Kreativdirektorin Chemena Kamali erwäge Medienberichten zufolge, das Richemont-Haus zu verlassen, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem sie die Begehrlichkeit der Marke wiederhergestellt zu haben scheint.

Bei Puma verlässt Johan Adamsson, Vice President Global Sports Marketing and Sports Licensing, das Unternehmen nach mehr als 25 Jahren aus persönlichen Gründen. Bis zur Nachbesetzung übernimmt Geschäftsführer Arthur Höld den Bereich übergangsweise. Ecco baute sein globales Führungsteam gleich doppelt um. Americas-Chef Neal Taylor rückt als Chief Commercial Officer auf, Adam Meek kommt als Produktchef von Dr. Martens.

Einen Wechsel aus dem Onlinehandel in den Sportfachhandel vollzieht Marijn van Dommelen, den Kickz zum General Manager berufen hat. Er kommt nach fünf Jahren von Zalando und war zuvor mehr als fünf Jahre für Nike tätig. Beim Workwear-Spezialisten Strauss übernimmt Frederick Franz als Sales Director den Direktvertrieb und den Bereich Customer Experience. Er wechselt von der Dessous-Marke Simone Pérèle.

Anita Tillmann, bis Ende 2023 fast 21 Jahre lang Geschäftsführerin der Premium Group, gibt ihr Mandat im Aufsichtsrat der Münchner Kommunikationsagentur Haebmau auf eigenen Wunsch ab. Ein Jubiläum feierte dagegen Anthony Vaccarello, der seit zehn Jahren die Ästhetik von Saint Laurent prägt. FashionUnited blickt in einer Retrospektive auf die entscheidenden Momente seiner bisherigen Zeit an der Spitze des französischen Hauses zurück.

Einzelhandel

Der Onlinehandel hat sich fest im deutschen Shoppingalltag etabliert, das Geschäft vor Ort verliert deswegen aber nicht an Bedeutung. Einer Studie des Marktforschungsinstituts YouGov zufolge wollen Modekund:innen beides, auch wenn die Präferenz für den Online-Einkauf zwischen 2022 und 2025 stetig gestiegen ist.

Passend dazu füllten sich in dieser Woche einige Flächen. Arket öffnete am 21. August seine Filiale in der Düsseldorfer Innenstadt, die spanische Marke Alohas eröffnete in Wien ihr erstes Geschäft in Österreich. SportScheck zeigt ab dem 27. August sein neues Storekonzept auf 2500 Quadratmetern in der Hannoveraner Georgstraße. Die schwedische Marke Ninepine, seit dem Sommer mit eigenen Flächen in den Häusern der KaDeWe Group vertreten, folgt im November mit ihrem ersten finnischen Store in Helsinki.

Ungewöhnlichere Wege gehen zwei Marken beim Thema Fläche. Die britische Kuscheltier-Marke Jellycat hat im Berliner KaDeWe eine Erlebnisfläche eröffnet, die einem deutschen Volksfest nachempfunden ist, samt Bratwurst und Dackel. Happy Socks wiederum entwickelt sein Souvenirshop-Konzept weiter und sucht dafür bewusst Orte, die zunächst wenig mit klassischem Socken-Retail zu tun haben.


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