Aeffe: Verbindliches Angebot über 115 Millionen Euro für Sanierung und Arbeitsplatzerhalt
Gestern fand in Rom ein neues Treffen im italienischen Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (Mimit) zum Fall des Modeunternehmens Aeffe statt. Dabei wurde bekannt gegeben, dass die Familie Ferretti, die derzeitige Eigentümerin der Gruppe, ein verbindliches Angebot zur Sanierung des Unternehmens vorgelegt hat. Dieses wurde gemeinsam mit Invitalia, dem Oxy-Fonds und einem chinesischen Industriepartner präsentiert.
Die Transaktion hat einen Gesamtwert von rund 115 Millionen Euro. Sie sieht den Erhalt und die Aufwertung der historischen Marken der Gruppe vor. Außerdem sollen die industriellen Tätigkeiten fortgesetzt und die Arbeitsplätze gesichert werden.
Der Vorschlag sieht zudem die exklusive Lizenzvergabe der Marke Moschino für den chinesischen Markt an den Industriepartner vor. Ziel ist es, die Präsenz zu festigen und die kommerzielle Expansion im Land zu fördern.
Der Abschluss der Transaktion wird bis Ende des Jahres erwartet. Zuvor müssen die laufenden Prüfungen abgeschlossen und die vertraglichen Vereinbarungen finalisiert werden.
Das nächste Treffen im Mimit, bei dem die Antragsteller:innen den Geschäftsplan vorstellen werden, ist für den 28. September geplant.
Das Angebot wird durch ein detailliertes Industrieprojekt unterstützt
Wie Aeffe in einer Mitteilung erklärt, sieht das Angebot im Wesentlichen die Übernahme des gesamten Geschäftsbereichs der Aeffe-Gruppe vor. Die Übernahme erfolgt durch eine neu gegründete Gesellschaft, an der Oxy und ein Pool von Co-Investor:innen beteiligt sind. Gleichzeitig mit dem Abschluss der Übernahme wird die erwerbende Gesellschaft in drei neue, operative und unabhängige Unternehmen aufgespalten. Jedes dieser Unternehmen wird sich jeweils auf die Entwicklung der Marken Moschino und Alberta Ferretti, die Produktionsaktivitäten in San Giovanni in Marignano sowie das Pollini-Geschäft konzentrieren.
Das Angebot zielt darauf ab, die Kontinuität des Unternehmens, wenn auch indirekt, zu sichern. Es wird von einem detaillierten Industrieprojekt unterstützt, das die Neuausrichtung der Marken der Gruppe vorsieht. Dies soll „durch einen Plan zur Stärkung der industriellen und kommerziellen Aktivitäten, Maßnahmen zur betrieblichen Effizienzsteigerung und Initiativen zur Aufwertung des Know-hows der Gruppe in den jeweiligen Referenzmärkten“ geschehen, erklärt das Management in der Mitteilung.
Das Angebot umfasst die Veräußerung des Geschäftsbereichs gegen eine Barzahlung an Aeffe und Pollini spa. Zudem übernehmen dieKäufer:innen im Rahmen einer befreienden Schuldübernahme einen Teil der Verbindlichkeiten der Gruppe.
Ziel ist es, die finanzielle Lage der Gruppe wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Voraussetzungen für die Umsetzung des industriellen Sanierungsplans zu schaffen. Nach Abschluss der Transaktion wäre das Unternehmen von seinen Schulden befreit, aber auch im Wesentlichen vermögenslos.
Zu den Co-Investor:innen von Oxy gehört ein börsennotierter Industrieinvestor aus China. Oxy könnte zudem von weiteren Industrie- und Finanzpartner:innen unterstützt werden. „Darüber hinaus sieht das Angebot eine mögliche Beteiligung des von Invitalia verwalteten Fonds zur Rettung von Unternehmen (Fondo di Salvaguardia imprese) vor“, heißt es in der Mitteilung. Diese Beteiligung müsste vom Unternehmen in Absprache mit Oxy beantragt werden. Sie soll den Turnaround-Prozess, die Neuausrichtung historischer italienischer Marken und den Schutz der Luxus-Lieferkette im Textilbereich unterstützen. Die Transaktion sieht auch eine mögliche Beteiligung der illimity Banca Ifis (illimity) vor. Diese soll die sogenannte ‚Planfinanzierung‘ bereitstellen.
Das Angebot von Oxy ist verbindlich, steht jedoch unter dem Vorbehalt einiger aufschiebender Bedingungen. Dazu gehören die Bestätigung der Beteiligung von Illimity und Invitalia. Außerdem müssen die notwendigen Vereinbarungen mit den von der Schuldübernahme betroffenen Kreditinstituten und den zuständigen Gewerkschaften getroffen werden. Dies betrifft insbesondere die Regelung der Arbeitsverhältnisse und die Aktivierung von Sozialleistungen.
Der Verwaltungsrat von Aeffe hat das Angebot von Oxy geprüft und es als bedeutenden Fortschritt im laufenden Sanierungsprozess begrüßt. Er hat beschlossen, das Angebot weiterzuverfolgen. Dies geschieht mit Unterstützung seiner Berater:innen und in Abstimmung mit Riccardo Ranalli, dem im Rahmen des Verhandlungsausgleichsverfahrens ernannten Experten. Alle für die Umsetzung notwendigen Maßnahmen werden eingeleitet, um die Interessen des Unternehmens, der Gruppe, der Gläubiger:innen und aller beteiligten Stakeholder:innen bestmöglich zu schützen.
Das Management fügt hinzu, dass „in den kommenden Wochen die Arbeiten zur Festlegung der endgültigen Struktur der Transaktion und des damit verbundenen Krisenbewältigungsinstruments fortgesetzt werden“. Dabei werden die Fristen des Verhandlungsausgleichsverfahrens und die erforderlichen Genehmigungen berücksichtigt.
Aeffe teilt außerdem mit, dass am 15. Juli 2026 vor dem Gericht in Bologna eine Anhörung stattfand. Dabei ging es um die Gewährung oder Verlängerung gezielter Schutzmaßnahmen. Diese sollen das Vermögen des Unternehmens und der Pollini spa vor möglichen Vollstreckungs- und Sicherungsmaßnahmen einzelner Gläubiger:innen schützen. Die Richterin hat sich eine Entscheidung nach einer weiteren Anhörung vorbehalten, die für den 9. September 2026 angesetzt ist.
ODER ANMELDEN MIT