Adidas-Rekord, Jugendproteste und Prada-Comeback – was die Woche bewegte
Vor den für Samstag angekündigten Jugendprotesten bereiteten sich Modegeschäfte und Luxusboutiquen in ganz Deutschland mit Schutzmaßnahmen vor. Im Luxussegment meldete sich Prada an der Spitze der begehrtesten Marken zurück, während Branchenbeobachter:innen den großen Häusern zugleich ein schwindendes Wohlwollen bescheinigen. Bei Hugo Boss ist die Frasers Group inzwischen Mehrheitsaktionärin. Daneben ging bei den Sportartiklern die Schere zwischen Adidas und Puma weiter auf, und das Personalkarussell drehte sich von Louis Vuitton über Lemaire bis Ecco.
Business
Die Frasers Group hält inzwischen die Mehrheit an Hugo Boss. Mit einem weiteren Aktienkauf überschritt der britische Konzern die Schwelle von 50 Prozent am Grundkapital.
Im Sportartikelmarkt fielen die Quartalszahlen höchst unterschiedlich aus. Adidas legte nach der Vorabmeldung in der Vorwoche die vollständigen Zahlen zum Rekordquartal vor, getragen von einer starken Nachfrage nach Bekleidung. An der Börse kam das gut an, die Aktie führte den Dax am Donnerstag an und erreichte erstmals seit Mitte August wieder die Marke von 165 Euro. Beim Lokalrivalen Puma sanken die Erlöse mitten im Konzernumbau weiter, vor allem das Großhandelsgeschäft in Europa und Nordamerika blieb schwach, und auch im dritten Quartal stand ein Verlust. Der US-Konzern VF Corporation, zu dem The North Face, Vans und Timberland gehören, übertraf im zweiten Geschäftsquartal die eigenen Erwartungen und bestätigte seine Jahresziele.
Wie stark sich die Branche auseinanderentwickelt, zeigt auch das neue Markenranking von Interbrand. Hermès, Chanel, Zara und Uniqlo steigerten ihren Markenwert, Nike, Gucci und Prada mussten deutliche Einbußen hinnehmen. Bei Amazon sorgte erneut das Cloud-Geschäft für Wachstum, die Aussichten für den Onlinehandel im Weihnachtsgeschäft und die hohen Ausgaben für Rechenzentren drückten jedoch auf die Aktie.
Im deutschen E-Commerce kündigte The Platform Group strukturelle Veränderungen an und bestätigte ihre Prognosen für das laufende Jahr. Kurz nachdem der Düsseldorfer Konzern den Luxus-Onlineshop abgegeben hatte, stellte die frühere Fashionette GmbH einen Insolvenzantrag. Die selbst insolvente Warenhauskette Galeria sieht sich dagegen mit einem deutlichen Umsatzplus gut gerüstet für das Weihnachtsgeschäft.
Mit einer Entspannung bei den Firmenpleiten rechnet der Kreditversicherer Allianz Trade vorerst nicht. In Deutschland dürfte die Zahl der Insolvenzen in diesem wie im kommenden Jahr bei je rund 25.900 Fällen liegen, so hoch wie zuletzt 2013. Auch weltweit erwartet das Unternehmen den fünften Anstieg in Folge. Gesamtwirtschaftlich gab es zugleich Lichtblicke. Die deutsche Wirtschaft wuchs im Sommer überraschend, und der Tankrabatt drückte die Inflation im Oktober auf 2,8 Prozent. Ökonom:innen sehen darin allerdings noch keine Entwarnung.
Nach einer EU-Strafe in Höhe von 200 Millionen Euro hat Temu der Europäischen Kommission Zusagen zum Verbraucherschutz vorgelegt. Die Plattform will unter anderem prüfen, ob ihre Empfehlungsalgorithmen die Verbreitung illegaler Produkte begünstigen, und hat für die Umsetzung vier Monate Zeit.
Einen Blick hinter die Kulissen eines Neustarts gewährt Jack Wolfskin. Nach rund 29 Jahren verlegt der Outdooranbieter seinen Sitz von Idstein nach Eschborn. Im Interview geht es um den tiefgreifenden Wandel der Traditionsmarke und darum, warum künftig das Produkt an erster Stelle stehen soll.
Mode
Im Index der Modesuchmaschine Lyst eroberte Prada im dritten Quartal erstmals seit Ende 2023 den Spitzenplatz zurück und verwies Chanel auf Rang zwei. Auch das begehrteste Einzelprodukt des Quartals, die „Wish Pouch“-Tasche, kommt von Prada. Dem Gesamtbild der Branche tut das wenig Abbruch. Die Geduld mit der Luxusbranche schwindet, weil Kreativdirektor:innen immer schneller ausgetauscht werden, Online-Kritiker:innen binnen Tagen urteilen und Kund:innen lieber zu Vintage greifen als den vollen Preis zu zahlen. Wie Begehrlichkeit künftig entstehen könnte, zeigte Snapchat bei einem Event in Paris. Augmented Reality (AR) und künstliche Intelligenz (KI) sollen Luxushäusern neue Wege zu ihren Konsument:innen eröffnen.
Der Zug zum Gebrauchten zeigt sich auch im Live-Shopping. Die Plattform Whatnot sieht in ihrem Trendreport für 2027 Vintage, Designertaschen aus zweiter Hand und Tour-Shirts als Wachstumstreiber. Mode ist dort bereits die umsatzstärkste Kategorie. Auf den Laufstegen für Frühjahr/Sommer 2027 setzten Häuser wie Chanel, Prada und Loewe derweil auf vielfältige Grüntöne, die für eine Abkehr vom beigen „Quiet Luxury“ stehen.
In der Markenkommunikation setzten mehrere Labels auf bekannte Gesichter. Stella McCartney besetzte Kylie Jenner für den Kurzfilm „Wild Horses“, der auf den Schutz von Wildpferden in den USA aufmerksam machen soll. S.Oliver macht Henry Samuel ab 2027 zum Gesicht der Menswear und holt damit nach Heidi Klum auch deren Sohn an Bord.
Beim Thema Kreislaufwirtschaft schloss sich Primark der Initiative Denim Deal an, die den Einsatz recycelter Post-Consumer-Baumwolle im Denim-Sektor ausbauen will. Einen radikal lokalen Ansatz verfolgt die niederländische Designerin Joline Jolink. In ihrer Kolumne berichtet sie von der Fashion Farm, auf der sie Flachs, Färberwaid und Schafwolle anbaut und verarbeitet, um Mode wieder näher an ihren Ursprung zu bringen.
Personalien
Bei Louis Vuitton übernimmt Hector Muelas im November den neu geschaffenen Posten des Chief Brand Creative Officer. Er wechselt innerhalb des LVMH-Konzerns von Tiffany & Co. Das Pariser Modehaus Lemaire holte Clarisse Godbillon als Geschäftsführerin zurück, die zuletzt das operative Geschäft bei Jacquemus verantwortet hatte. Mit Marie-Laure Lequain steht bei Borbonese erstmals eine Frau an der Spitze. Sie kommt von MCM und verbrachte den größten Teil ihrer Karriere bei Gucci.
Überraschend trat Ecco-Chef Thomas Gøgsig nach knapp zwei Jahren an der Spitze zurück. Der dänische Schuhhersteller will die Position extern besetzen und rechnet damit im Laufe des Jahres 2027. Bei J.Lindeberg übernimmt im April 2027 Henrik Bunge die Geschäftsführung, der seit zwölf Jahren Björn Borg leitet. Die frühere The-North-Face-Chefin Caroline Brown zieht in den Verwaltungsrat von Burton ein.
Auch im deutschen Mittelstand wurden Schlüsselposten neu besetzt. Bei der Held Group, zu der Frank Walder und Tuzzi gehören, folgt Jens Herzig in der Geschäftsführung auf Thomas Skuldboel. Der Pirmasenser Schuhhersteller Supremo holte David Friedrich von Hamm Footwear als Vertriebschef. An der Spitze der Leather Working Group steht ab November Christina Raab, die zuvor das Cradle to Cradle Products Innovation Institute führte.
Einzelhandel
Breuninger ist mit seinem Onlineshop ab sofort in elf weiteren europäischen Märkten vertreten. Die beiden Breuningerland-Einkaufszentren in Sindelfingen und Ludwigsburg übergibt der Stuttgarter Händler ab Januar 2027 in das Management von ECE. In der Logistik testet die Otto Group gemeinsam mit dem Stuttgarter Start-up Sereact, ob KI-gesteuerte Roboter Retouren prüfen und sortieren können.
Vor den für Samstag angekündigten bundesweiten Jugendprotesten der Initiative „Gen Z regelt“ trafen viele Modegeschäfte und Luxusboutiquen Schutzvorkehrungen. Hintergrund sind Vandalismus und Plünderungen bei ähnlichen Protesten zuletzt in Frankreich und Italien.
In Berlin verabschiedet sich ein Traditionshändler. Der Herrenausstatter Mientus schließt seine Filialen schrittweise bis Ende Juni 2027. Neu in der Hauptstadt ist dagegen Santoro Fashion mit einem Store im Einkaufszentrum Alexa am Alexanderplatz. Das spanische Label Yuxus macht mit einem Pop-up in der Linienstraße Station in Berlin.
Der Berliner Brillenhersteller Mykita eröffnete in Beverly Hills einen Store, der Brillenberatung mit augenoptischen Untersuchungen und Gesundheits-Screenings verbindet. Der US-Outdoorausrüster Yeti wählte Innsbruck für seinen ersten Laden in Österreich, nach München erst den zweiten in Europa.
Messen
Auf der Bademodenmesse Mare di Moda zeichnete Trendexperte David Shah ein Bild von Bademodentrends für 2028 zwischen Eskapismus, Protest und Glanz. Trotz einer Welt im Ausnahmezustand zeigte er sich für den Bademodenmarkt ausgesprochen zuversichtlich.
Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt.
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